Fair, offen und solidarisch: Auf dem Weg zum Fairtrade-Landkreis

Der Main-Kinzig-Kreis hat sich auf den Weg zum Fairtrade-Landkreis gemacht. Den ersten Schritt unternahm der Kreistag am 13. April 2018 mit einem entsprechenden Beschluss. Damit kommt der Landkreis seiner Mitverantwortung in einer globalisierten Welt nach und fördert den fairen Handel auf kommunaler Ebene. Ganz wesentlich für den Main-Kinzig-Kreis ist dabei, dass es nicht alleine um ein Siegel oder eine bloß repräsentative Auszeichnung geht. Ziel ist eine gelebte und von vielen Akteuren unterstützte Kampagne. Im Vordergrund steht der faire Handel, auch über die Grenzen der Region hinaus: mit fairen Preisen, verlässlichen Handelspartnerschaften und in nachhaltiger Produktion, ohne unfairen Zwischenhandel und unter Ausschluss von ausbeuterischer Kinderarbeit und Zwangsarbeit. Der Main-Kinzig-Kreis setzt auf Vernetzung aller relevanter und interessierter Akteure, von den Rathäusern und Bildungs- und Kultureinrichtungen über Verbände und Vereine bis hin zu Wirtschaftsunternehmen, Gastronomiebetrieben und Privatinitiativen. Für den Kreis ist die Bewerbung zum „Fairtrade-Landkreis“ die konsequente Fortsetzung des Gedankens, über die Erzeugung, Verarbeitung und Produktionswege von Lebensmitteln aufzuklären.

Die Verbindung von fair – bio – regional bietet für die weitere Förderung des fairen Handels und des sensiblen Umgangs mit Umwelt und Nahrungsmitteln gute Anknüpfungspunkte.

FairTrade - Sommer-Rezept-Heft

Frische und sommerliche Rezepte mit geringem Aufwand und fair gehandelten Produkten gibt es in diesem Rezeptheft.

In unserer Region wächst zunehmend das Bewusstsein für gerechte Produktionsbedingungen sowie soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handelsstrukturen. Auf kommunaler Ebene spielt der faire Handel in allen gesellschaftlichen Bereichen eine wichtige Rolle, zunehmend auch bei der öffentlichen Beschaffung. Der Main-Kinzig-Kreis möchte als Fairtrade-Landkreis erfolgreich Akteure aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft vernetzen und den fairen Handel auf kommunaler Ebene fördern. Der Landkreis übernimmt damit selbst soziale Verantwortung und fördert faires, nachhaltiges Engagement in den Städten und Gemeinden.

Jeder Landkreis, der den Titel „Fairtrade-Landkreis“ anstrebt, hat fünf Kriterien zu erfüllen, die das Engagement für den fairen Handel auf vielen Ebenen widerspiegeln. Den Beschluss im Kreistag haben die Abgeordneten im April 2018 gefasst – damit ist das erste Kriterium bereits erfüllt. Eine Steuerungsgruppe, die auf dem Weg zum „Fairtrade-Landkreis“ die Aktivitäten vor Ort koordiniert, gründet sich in Kürze. In den nächsten Schritten muss eine bestimmte Anzahl an lokalen Einzelhandelsgeschäften, Floristen, Cafés, Restaurants und weiteren Läden mindestens zwei Produkte aus fairem Handel anbieten und derlei Produkte werden in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen – und natürlich auch im Landratsamt – verwendet. Darüber hinaus werden Bildungsaktivitäten zum Thema fairer Handel umgesetzt. Wichtig ist vor allem, die Aktivitäten als „Fairtrade-Landkreis“ öffentlich zu machen, um möglichst viele weitere Bürgerinnen und Bürger beziehungsweise Einrichtungen für das Thema fairer Handel zu sensibilisieren.

Hat der Main-Kinzig-Kreis die fünf Kriterien erfüllt, bewirbt er sich offiziell bei TransFair e.V. um die Auszeichnung, die für zwei Jahre gültig ist. Sie kann verlängert werden, wenn der Main-Kinzig-Kreis das entsprechende Engagement weiterhin nachweisen kann.

An der Initiative „Fairtrade Towns“ und „Fairtrade-Landkreise“ beteiligen sich deutschlandweit bereits mehr als 500 Gebietskörperschaften – Regionen, Landkreise, Kommunen. In Hessen sind dies die Landkreise Groß-Gerau und der Rheingau-Taunus-Kreis sowie die Städte Erlensee und Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis. Weitere Kommunen im Kreisgebiet bewerben sich derzeit. Die unabhängige Initiative TransFair, die das internationale Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte vergibt, zeigt auf seiner Internetseite auf, wo welche Produkte in Deutschland erhältlich sind, in welchen gastronomischen Betrieben, Blumenläden und weiteren Einzelhandelsunternehmen es in der Nähe fair gehandelte Produkte gibt. Unternehmen, die den Main-Kinzig-Kreis auf dem Weg zum Fairtrade-Landkreis unterstützen, werden auf der Homepage des Kreises erwähnt und verlinkt.

Als Fairtrade Landkreis suchen wir noch weitere Gastronomiebetriebe und Einzelhandelsgeschäfte die bereits fair gehandelte Produkte anbieten oder künftig anbieten wollen.

Voraussetzung um als Projektpartnerin oder Projektpartner des Main-Kinzig-Kreises als Fairtrade Landkreis auftreten zu können ist, dass Sie mindestens zwei Produkte aus fairem Handel im Angebot haben und eine entsprechende Erklärung / Bewerbung an die E-Mailadresse alice.engel-kanani@mkk.de senden:

Projektpartnerinnen und Projektpartner geben wir die Möglichkeit, sich auf unserer Internetseite zu präsentieren und für sich zu werben. Inhaberinnen und Inhaber eines Blumenladens, eines Gastronomiebetriebs, einer Confiserie oder Bäckerei können sich zusätzlich auf der Internetseite von Fairtrade-Deutschland für den Gastro- und Blumenfinder (www.fairtrade-deutschland.de/login/einkaufs-finder-login/registrieren.html ) eintragen.

Fairtrade Landkreis Aktionen 2020

Der „Weltladen Gelnhausen“ berichtete am 11.03.2020 bei der Versammlung der weiblichen Beschäftigten des MKK, des KCA und der Partnerbetriebe über das Thema „Fairer Handel“ am Beispiel von Kaffee und darüber, was Kaffee eigentlich mit Gelnhausen zu tun hat. Das Team stellte leckere fair gehandelte Kostproben bereit und beantwortete im Anschluss noch zahlreiche Fragen. Die Mitarbeiterinnen des Weltladens Gelnhausen stellte zudem das Projekt „Aprolma“ in Honduras vor. Bei diesem Projekt handelt es sich um einen Zusammenschluss von Frauen, die sich stark machen für den Fairen Handel und sich gleichzeitig mit einem funktionierenden Projekt am Arbeitsmarkt Honduras als ernstzunehmende Kaffee-Bäuerinnen mit eigenem – von ihren Ehemännern überschriebenem - Land und Geschäftsfrauen etablieren. Auch biologische Gesichtspunkte berücksichtigen die Bäuerinnen!

Im Anschluss berichtete Frau Nicole Schrempf im Sinne der Nachhaltigkeit als Expertin über ihre Erfahrungen mit dem Thema Plastikvermeidung im Alltag und gab einige hilfreiche Tipps für den Alltag. Ihre wichtigste Botschaft war: Anzufangen!

Die Steuerungsgruppe Fairtrade Landkreis MKK hat in Kooperation mit der Gesundheitsaktion von AOK und ADFC Mit dem Rad zur Arbeit für die Beschäftigten der Main-Kinzig-Kreis-Verwaltung des Kommunalen Centers für Arbeit, Main-Kinzig-Gas GmbH und den Kreiswerken Main-Kinzig eine Faire Radtour organisiert, die vom Main-Kinzig-Forum aus nach Wähchtersbach startete.

Frau Hilde Delhey von der Steuerungsgruppe führte die Tour an.

Auch die Stadt Wächtersbach ist auf dem Weg zur Fairtrade Town und hat die Radfahrer*innen zum Besuch am neuen Amtssitz der Stadtverwaltung eingeladen.

Dort wurde die Gruppe vom Fairtrade-Beauftragten der Stadt Wächtersbach, Herrn Zikofsky, in den „lichtdurchflutenden Schloss-Innenhof mit Blick zum wolkenlosen Himmel“ geführt, wo allerlei leckere Faire Produkte und Getränke bereit gestellt waren.

Auch Bürgermeister Weiher freute sich über den Besuch der Radler*innen und hieß die „sportlichen Gäste „ im Schloss Wächtersbach“ herzlich willkommen. Hier bekamen alle einen kleinen Einblick in das schöne, renovierte Schloss. Bürgermeister Weiher informierte über den derzeitigen Entwicklungsstand der Stadt Wächtersbach auf dem Weg zur Fairtrade Town. Er berichtete, was sich seit der Renovierung und dem diesjährigen Umzug der Verwaltung des Rathauses ins Schloss zugunsten der Bürger*innen der Stadt getan hat; „Fernwärmeversorgung durch Bioenergie (Holzhackschnitzelheizkraftwerk) zur Nachhaltigkeit, Modernisierung der Verwaltung sowie Verkürzung der Vorgänge.

Im Schloss Wächtersbach standen leckere Getränke und Produkte aus dem Fairen Handel bereit.

Von dort führte die Tour zurück nach Gelnhausen. Dort endete die faire Radtour vor dem Weltladen in der Altstadt. Die Teilnehmenden konnten sich vom vielfältigen Angebot fairer Produkte im Weltladen überzeugen.

Mitglieder des Weltladens, die regelmäßig Bildungsarbeit rund um Fairtrade anbieten, erzählten interaktiv und kurzweilig über den fairen Handel im Allgemeinen. Interessantes zum Handel in Gelnhausen wurde berichtet, z.B. dass die A 66 als Handelsstraße der alten Via Regia (älter als 2000 Jahre) entlang führt und auch heute noch für den Handel zwischen Ost und West sorgt. Die Gruppe konnte leckere Produkte aus fairem Handel verkosten und erfuhr noch viel mehr über historische Zusammenhänge des Handels.

Frau Schäfer-Bier und Herr Karalus führten die Gruppe zum Schöffer- Denkmal am Obermarkt und informierten über den Kolonialhändler Conrad Heinrich Schöffer, der in Amsterdam als Kaffeehändler reich geworden war und bei seiner Rückkehr nach Gelnhausen 1863 den Kaffee in die schöne Barbarossastadt brachte. Die Gruppe erfuhr viel über den Anbau, die Ernte und die Vermarktung von Kaffee aus fairem Handel und das Leben der Produzent*innen in den Ländern des Südens. So wird ca. 80 Prozent des Kaffees von 25 Millionen Kleinbauernfamilien produziert, die weniger als 10 Hektar Land besitzen und nicht vom Ertrag ihrer Ernte leben können.

Fairtrade unterstützt den Zusammenschluss der Produzent*innen in Kooperativen und stellt sicher, dass der Fairtrade-Mindestpreis bei schwankenden Weltmarktpreisen für ein sicheres Einkommen sorgt. Mit jedem Pfund Kaffee aus fairem Handel unterstützen wir auch ein besseres Leben der Familien in den Ländern des Kaffeeanbaus.

Eine zweite Station war der Sitz von Banafair in der Langgasse. Banafair garantiert bessere Preise und Arbeitsbedingungen für kleinbäuerlichen Produzent*innen aus Lateinamerika. Wichtigster Handelspartner ist der Kleinbauernverband Urocal in Ecuador, der Bananen nach den strengen Richtlinien des Anbauverbandes Naturland produziert. Diese Bananen werden vor allem über Weltläden und den Bio-Fachhandel verkauft. Die Gruppe wurde auch über die Produktionskosten der Bananen informiert. Bemerkenswert ist, dass

  • nur 4% der Kosten einer Banane die Arbeiterinnen erhalten, weitere Aufteilung der Kosten sind
  • 20 % für die Produktion
  • 23 % für den Transport
  • 12 % EU-Zollgebühren
  • 12 % gehen an die Reiferei und den Großhandel
  • 29 % erhält der Einzelhandel.

Umso wichtiger ist, dass die Banane zu einem fairen Preis gekauft wird und damit den Personen des Anbaus mehr zum Leben bleibt.

Bildergalerie Fairtrade Radtour

Bildergalerie

Livestream der Podiumsdiskussion „Fairtrade und Nachhaltigkeit im kommunalen Handeln“

Livestream von der Wächtersbacher Messe 2019


Ansprechpartnerin

Links

Fairtrade Towns - Zentrale Kampagnenseite

Rhein.Main.Fair: Auf dem Weg zur Fairen Metropolregion https://rheinmainfair.de/