Integrierte Gesamtschulen konsequent stärken
11. Februar 2026 - Die vom Hessischen Kultusministerium geplanten Kürzungen bei den Stunden für Lehrkräfte an den Integrierten Gesamtschulen (IGS) stoßen im Main-Kinzig-Kreis auf deutliche Ablehnung. Insbesondere die vorgesehene Reduzierung der Stunden für die Binnendifferenzierung im Zuge der Haushaltskonsolidierung des Landes sieht Landrat Thorsten Stolz mit Blick auf die sechs Integrierten Gesamtschulen im Main-Kinzig-Kreis an den Standorten Maintal, Bruchköbel, Nidderau, Erlensee, Langenselbold und Bad Soden-Salmünster kritisch.
„An Bildung zu sparen, ist der falsche Weg. Integrierte Gesamtschulen leisten einen unverzichtbaren Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit, individueller Förderung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Wer hier kürzt, verschärft bestehende Probleme, statt ihnen vorausschauend zu begegnen“, erklärt der Landrat.
Nach Einschätzung des Arbeitskreises der Direktorinnen und Direktoren der hessischen Gesamtschulen sowie der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule könnten die geplanten Maßnahmen Kürzungen von bis zu 2,1 Lehrerwochenstunden pro Klasse zur Folge haben. Schulweit entspräche dies dem Wegfall von einer oder mehreren Lehrerstellen. „Diese Einschnitte stehen in deutlichem Widerspruch zu den realen Herausforderungen an unseren Schulen“, so Stolz.
Die Anforderungen an den Schulen seien in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Immer mehr Schülerinnen und Schüler kämen mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Unterstützungsbedarfen und sozialen Belastungen in die Klassen. Diese Entwicklung zeige sich auch in deutlich steigenden Fallzahlen in der Jugendhilfe. „Die Binnendifferenzierung ist kein pädagogischer Luxus, sondern das Fundament der Integrierten Gesamtschule. Sie ermöglicht gezielte Förderung, stabilisiert Bildungsbiografien und beugt Schulabbrüchen vor“, betont der Landrat.
Fehlende Förderung und Unterstützung im schulischen Alltag wirkten sich häufig langfristig aus. „Was heute durch Kürzungen im Unterricht eingespart wird, schlägt morgen vielfach in der Jugendhilfe und somit im Haushalt des Main-Kinzig-Kreises zu Buche“, so Stolz. Zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen, Hilfen zur Erziehung oder begleitende sozialpädagogische Angebote seien oft die Folge, wenn frühzeitige Förderung in der Schule nicht ausreichend möglich sei. Eine starke Schule sei daher auch ein zentraler Faktor präventiver Sozialpolitik.
Der Main-Kinzig-Kreis bekennt sich ausdrücklich zu seinen Integrierten Gesamtschulen. Sechs IGS mit hoher Nachfrage, engagierten Schulgemeinden und nachgewiesenen pädagogischen Erfolgen seien ein tragender Pfeiler der regionalen Bildungslandschaft. „Längeres gemeinsames Lernen, unterschiedliche Lerntempi und durchlässige Bildungswege sind zentrale Antworten auf die Anforderungen einer modernen Bildungs- und Gesellschaftspolitik“, so Stolz.
In diesem Zusammenhang bekräftigt der Landrat auch sein klares Bekenntnis zur Heinrich-Böll-Schule in Bruchköbel. „Ich werde mich ganz klar für den Erhalt der Heinrich-Böll-Schule als Integrierte Gesamtschule stark machen. Und ich merke an, dass Umwandlungsideen zudem der aktuell gültigen Schulentwicklungsplanung des Main-Kinzig-Kreises widersprechen“, stellt Stolz unmissverständlich klar. Die enge Kooperation mit dem benachbarten Lichtenberg-Oberstufengymnasium eröffne verlässliche Bildungswege bis zum Abitur und sei ein Beispiel gelungener Schulentwicklung.
Zugleich unterstreicht der Landrat die Verantwortung des Schulträgers für die Zukunftsfähigkeit der Schulstandorte. „Der Main-Kinzig-Kreis steht zur baulichen Stärkung und Weiterentwicklung der Heinrich-Böll-Schule. Steigende Schülerzahlen und moderne pädagogische Konzepte erfordern zeitgemäße Räume und eine entsprechende Ausstattung. Dafür müssen in den kommenden Jahren die notwendigen Finanzmittel bereitgestellt werden.“ Nachdem der Kreis in den zurückliegenden Jahren bereits mehrere Integrierte Gesamtschulen umfassend modernisiert habe, sei nun die Heinrich-Böll-Schule an der Reihe.
Dass die geplanten Kürzungen des Landes auf Unverständnis stoßen, begründet der Landrat auch mit dem erheblichen finanziellen Engagement des Main-Kinzig-Kreises als Schulträger. Aktuell und in den kommenden Jahren investiert der Kreis rund 363 Millionen Euro in die bauliche Weiterentwicklung seiner Schulen. Allein in die Integrierten Gesamtschulen flossen in den Jahren 2016 bis 2025 insgesamt 43 Millionen Euro an sechs Standorten. Weitere 30,5 Millionen Euro sind in den nächsten Jahren vorgesehen, um diese Schulform zukunftsfähig aufzustellen.
Abschließend richtet Thorsten Stolz einen klaren Appell an das Land Hessen: „Es darf nicht sein, dass das Land bei der personellen Ausstattung kürzt, während die Kommunen gleichzeitig Rekordsummen in die schulische Infrastruktur investieren. Wir brauchen eine Bildungspolitik mit Weitblick, die stärkt statt schwächt. Dazu gehört ein klares Nein zu Stundenkürzungen und ein klares Ja zur Integrierten Gesamtschule – im Interesse der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der gesamten Region.“
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