Bika-Blog

Blog-Beiträge des Büros für interkulturelle Angelegenheiten

Vielfalt bedeutet auch, unterschiedliche Erinnerungen auszuhalten

Das Massaker von Srebrenica in Bosnien und Herzegowina zeigt auf erschütternde Weise, wohin Hass, Nationalismus und das Versagen der internationalen Gemeinschaft führen können. Mehr als 8.000 Menschen wurden ermordet – der größte Genozid auf europäischem Boden seit dem Holocaust.

Es ist ein Verbrechen, das bis heute als Mahnung gegen Gleichgültigkeit, Menschenfeindlichkeit und das Wegsehen gilt.

Doch auch heute prägen Kriege, humanitäre Katastrophen und internationale Spannungen unsere Gesellschaft. Bilder zerstörter Städte, leidender Zivilbevölkerungen und die Sorge vor einer weiteren Eskalation erreichen uns täglich. Sie bewegen Menschen mit ganz unterschiedlichen familiären, kulturellen und religiösen Hintergründen und führen häufig zu hitzigen Diskussionen – in den Medien, in Schulen, am Arbeitsplatz und leider auch im privaten Umfeld. Viele Menschen in Deutschland haben selbst Fluchterfahrungen gemacht oder sorgen sich um Angehörige in Krisengebieten. Konflikte, die geografisch weit entfernt stattfinden, sind dadurch längst Teil unseres gesellschaftlichen Alltags.

Gerade deshalb ist Vielfalt mehr als das Zusammenleben verschiedener Kulturen. Vielfalt bedeutet, unterschiedliche Erinnerungen, Erfahrungen und Perspektiven auszuhalten, ohne den Respekt voreinander zu verlieren. Sie fordert uns heraus, Mitgefühl nicht davon abhängig zu machen, auf welcher Seite eines Konflikts Menschen stehen. Menschliches Leid kennt nämlich keine Nationalität, keine Religion und keine politische Zugehörigkeit.

Besonders in den sozialen Medien geraten differenzierte Sichtweisen oft in den Hintergrund. Emotionale Bilder, verkürzte Darstellungen und einfache Schuldzuweisungen verbreiten sich schneller als sachliche Einordnungen. Umso wichtiger ist es, miteinander im Gespräch zu bleiben, zuzuhören und unterschiedliche Erfahrungen anzuerkennen, anstatt Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Meinung vorschnell zu verurteilen.

Die Erinnerung an Srebrenica macht deutlich, dass Schweigen, Entmenschlichung und die Einteilung in „wir“ und „sie“ verheerende Folgen haben können.

Diese Lehre bleibt aktuell – unabhängig davon, welche Krisen die Schlagzeilen bestimmen. Eine vielfältige Gesellschaft lebt davon, dass Menschenwürde, Dialog und gegenseitiger Respekt universelle Werte sind und nicht an Herkunft, Religion oder politische Überzeugungen geknüpft werden.

Nur wenn wir diese Werte gemeinsam schützen, kann Vielfalt zu einer echten Stärke unserer Gesellschaft werden.




Internationale Wochen gegen Rassismus 2026

Gemeinsam für Menschenwürde, Demokratie und Vielfalt

Unter dem Motto „100 % Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ fanden vom 16. bis 29. März 2026 die Internationalen Wochen gegen Rassismus im Main-Kinzig-Kreis statt. Mit zahlreichen Veranstaltungen setzten Kommunen, Initiativen, Vereine und Bildungseinrichtungen ein starkes Zeichen für Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Breites Bündnis – gemeinsames Engagement

Organisiert und koordiniert wurden die Aktionswochen durch das Büro für interkulturelle Angelegenheiten des Main-Kinzig-Kreis gemeinsam mit der DEXT-Fachstelle. Ziel war es, zusammen mit vielen engagierten Kooperationspartnerinnen und -partnern aus der Region, Räume für Begegnung, Austausch und Reflexion zu schaffen und die Bedeutung von Menschenwürde und demokratischer Haltung sichtbar zu machen.

Ein vielfältiges Programm, getragen von vielen Engagierten

Das dabei entstandene vielseitige Programm zeigte eindrucksvoll, wie viele Menschen und Institutionen sich aktiv gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit einsetzen und wie unterschiedlich demokratische Beteiligung aussehen kann. Fachvorträge, Workshops, Filmgespräche, Ausstellungen, kreative Aktionen und niedrigschwellige Begegnungsangebote ergänzten sich zu einem vielseitigen Programm, das unterschiedliche Perspektiven und Zugänge eröffnete.

Orte des Austauschs – Räume für neue Perspektiven

In vielen Veranstaltungen entstand eine Atmosphäre, die zu offenen Gesprächen und ehrlichem Austausch einlud. Ob in Workshops, bei interkulturellen Kreativangeboten, in Begegnungscafés oder bei Stadtrundgängen zur Geschichte der Menschenrechte: Überall kamen Menschen miteinander ins Gespräch, teilten Erfahrungen und lernten neue Sichtweisen kennen.

Dabei wurde deutlich, wie wichtig Räume sind, in denen gesellschaftliche Fragen respektvoll diskutiert werden können und in denen unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar werden. Die Aktionswochen boten genau diese Orte – und machten spürbar, wie gemeinsames Engagement zu mehr Verständnis, Dialog und Zusammenhalt beitragen kann.

Demokratie lebt vom Mitmachen

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2026 zeigten eindrucksvoll: Demokratie braucht Menschen, die Haltung zeigen, Verantwortung übernehmen und sich für ein respektvolles Miteinander einsetzen. Die hohe Beteiligung und das große Engagement vieler Akteurinnen und Akteure machen deutlich, dass im Main-Kinzig-Kreis zahlreiche Menschen bereit sind, sich aktiv für eine offene und vielfältige Gesellschaft einzusetzen. Ein besonderer Dank gilt daher allen Kooperationspartnerinnen und -partnern, Referierenden, Ehrenamtlichen und Unterstützenden, die mit ihrem Engagement dazu beigetragen haben, die Aktionswochen lebendig und vielfältig zu gestalten. Gemeinsam wurde ein starkes Zeichen gesetzt – gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit und für Menschenwürde, Demokratie und Solidarität.



Auftakt der Internationalen Wochen gegen Rassismus

Meron Mendel spricht im Main Kinzig Forum über Israel, Gaza und die deutsche Debatte

Mit einem hochkarätigen Vortrag des Historikers und Publizisten Meron Mendel starteten die Internationalen Wochen gegen Rassismus im Main Kinzig Kreis. Rund 150 Besucherinnen und Besucher waren gekommen, um gemeinsam in ein Thema einzutauchen, das seit dem 7. Oktober 2023 kaum jemanden unberührt lässt. Unter dem Titel "Israel, Gaza und die deutsche Debatte. Ist die Staatsräson noch zeitgemäß?" eröffnete der Historiker und Publizist Meron Mendel die Internationalen Wochen gegen Rassismus im Main Kinzig Kreis.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Büro für interkulturelle Angelegenheiten (BikA) des Main Kinzig Kreises in Kooperation mit der Amnesty International Gruppe Gelnhausen.

Meron Mendel: Eine der wichtigsten Stimmen in der deutschen Debattenkultur

Wer Meron Mendel kennt, weiß: Er gehört zu den wichtigsten Stimmen, wenn es um Antisemitismus, Erinnerungskultur und politische Bildung in Deutschland geht. Als Direktor der Bildungsstätte Anne Frank ist er regelmäßig in Medien präsent und bekannt dafür, komplexe Themen verständlich und differenziert zu vermitteln.

Genau das tat er auch an diesem Abend. Mendel führte das Publikum durch die historischen Hintergründe der deutschen Staatsräson und ordnete die aktuellen Debatten rund um den Krieg in Gaza ein. Dabei ging es nicht nur um politische Verantwortung, sondern auch um die Frage, wie wir in Deutschland über ein so emotionales Thema sprechen können, ohne in Polarisierung oder Vereinfachung zu verfallen.

Zwischen Solidarität und Kritik: Ein Balanceakt

Besonders eindrücklich war Mendels Fähigkeit, die Spannungsfelder offen zu benennen: Wie lässt sich Solidarität mit Israel ausdrücken, ohne berechtigte Kritik auszublenden? Wie können wir über Leid sprechen, ohne es gegeneinander aufzurechnen? Und wie bleibt man gesprächsfähig, wenn Debatten immer schneller eskalieren?

Er sprach über historische Kontinuitäten, gesellschaftliche Unsicherheiten und die Herausforderung, in aufgeheizten Zeiten differenziert zu bleiben und wie schwer es geworden ist, öffentlich über den Nahostkonflikt zu sprechen, ohne sofort in Schubladen gesteckt zu werden.

Ein Abend, der zum Weiterdenken einlädt

Nach dem Vortrag öffnete sich der Raum für Fragen – es entwickelte sich ein intensiver Austausch zwischen Mendel und dem Publikum.

Besucherinnen und Besucher meldeten sich, stellten Fragen, teilten Gedanken, ergänzten. Gerade in einer Zeit, in der Diskussionen oft laut und unversöhnlich geführt werden, war dieser offene Dialog für viele ein wohltuender Kontrast. Teilnehmende wie Veranstalter betonten, wie wertvoll es sei, einmal in Ruhe und mit fachlicher Einordnung über ein so schwieriges Thema sprechen zu können.



Demokratie gemeinsam erleben

Eindrücke aus der FES-Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ im Main-Kinzig-Forum

Wie können junge Menschen für demokratische Werte sensibilisiert und gegen rechtsextreme Ideologien gestärkt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Wanderausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich‑Ebert‑Stiftung, die im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus (IWgR) 2026 vom 16. Bis 27. März im Main‑Kinzig‑Forum in Gelnhausen gezeigt wurde. Organisiert werden die IWgR vom Büro für interkulturelle Angelegenheiten (BikA) und der DEXT Fachstelle des Main‑Kinzig‑Kreises.

Über die IWgR nutzten zahlreiche Schulklassen die Gelegenheit, sich intensiv mit Demokratie, Menschenwürde und den Gefahren menschenfeindlicher Ideologien auseinanderzusetzen.

Junge Menschen im Dialog

Mit Betreten der Ausstellungsfläche wurde deutlich, wie wichtig demokratische Beteiligung ist. Demokratie ist nichts Selbstverständliches. Sie lebt davon, dass Menschen sich einbringen, diskutieren und Haltung zeigen. Genau dazu lud die Ausstellung ein.

Nach einer Einführung durch die DEXT-Fachstelle erkundeten die Schülerinnen und Schüler die interaktiven Stationen selbstständig. Viele blieben lange an den Medienstationen stehen, diskutierten über Beispiele aus dem Alltag und stellten sich Fragen wie:

Was bedeutet Demokratie für mich persönlich? Wo begegnen mir Vorurteile? Wie kann ich selbst aktiv werden?

Die Ausstellung der Friedrich Ebert Stiftung zeigte eindrücklich, wie Rechtsextremismus wirkt und warum demokratische Haltung und Zivilcourage unverzichtbar sind.

Austausch und Reflexion: Raum für Fragen und Erfahrungen

Im Anschluss an die Erkundungsphase fand eine gemeinsame Reflexionsrunde mit Lehrkräften und der DEXT‑Fachstelle statt. Hier entstanden offene Gespräche über persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Herausforderungen und die Bedeutung von Respekt und Vielfalt.

Dabei zeigte sich wie wichtig solche Räume sind. Viele Jugendliche brachten eigene Beobachtungen ein und diskutierten engagiert über Themen wie Diskriminierung, Hass im Netz oder demokratische Mitgestaltung wurden engagiert diskutiert.

Fachvortrag als wertvolle Ergänzung

Ergänzt wurde die Ausstellung durch einen Fachvortrag des Sozialwissenschaftlers Manuel Glittenberg von der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik. Unter dem Titel „Was tun! Demokratie- und Menschenrechtsbildung über und gegen Rechtsextremismus heute“ sprach er über aktuelle Herausforderungen in der politischen Bildungsarbeit.

Im gemeinsamen Austausch wurde deutlich, wie wichtig demokratische Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung sind.

Ein starkes Zeichen für eine offene Gesellschaft

Die Ausstellungswoche im Main-Kinzig-Forum hat gezeigt, wie groß das Interesse junger Menschen an demokratischen Themen ist – unabhängig von Schulform oder Herkunft. Und sie hat gezeigt, wie wertvoll Formate sind, die Austausch ermöglichen und Demokratie erfahrbar machen.

Das Büro für interkulturelle Angelegenheiten (BikA) und die DEXT Fachstelle des Main‑Kinzig‑Kreises setzen damit ein klares Zeichen: für Respekt, Vielfalt und eine lebendige demokratische Kultur.



Das Deutsche Volk

Erinnern, zuhören, ins Gespräch kommen

Das Büro für interkulturelle Angelegenheiten und die DEXT-Fachstelle im Main-Kinzig-Kreis hatten im Rahmen der Interkulturellen Wochen zum Filmgespräch ins Kino Gelnhausen eingeladen. Ein bewegender Abend mit dem Dokumentarfilm von Marcin Wierchowski „Das Deutsche Volk“.

Ein Film, der die Perspektiven der Angehörigen sichtbar macht

Der Film setzt sich mit den rassistischen Anschlägen von Hanau auseinander und rückt die Stimmen der Angehörigen und Hinterbliebenen in den Mittelpunkt. Er erzählt nicht nur von der Tatnacht, sondern auch von Trauer, Verantwortung und der Frage, welche Konsequenzen eine Gesellschaft aus rassistischer Gewalt ziehen muss.

Mit persönlichen und eindringlichen Bildern zeigt der Film, wie tief die Folgen rechtsextremer Gewalt reichen. Viele Gäste reagierten während der Vorführung spürbar bewegt.

Austausch mit dem Regisseur

Im anschließenden Gespräch berichtete der Regisseur über die Entstehung des Films und die Verantwortung von Medien und Gesellschaft im Umgang mit Erinnerung und rassistischer Gewalt.

Die offene Diskussion zeigte, wie wichtig Räume sind, in denen wir zuhören, fragen und gemeinsam Haltung zeigen.

Räume des Erinnerns – wichtiger denn je

Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig Orte sind, an denen Erinnern, Austausch und Auseinandersetzung möglich werden – gerade in Zeiten, in denen rassistische Gewalt und gesellschaftliche Polarisierung weiterhin präsent sind. Solche Abende schaffen Räume, für Reflexion, Begegnung und demokratischen Dialog. Gleichzeitig setzen sie ein klares Zeichen gegen das Vergessen und gegen jede Form von Rassismus und Menschenfeindlichkeit.



Schulvorführung von "Die Arier": Ein besonderer Vormittag mit Mo Asumang

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus kamen rund 250 Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen im Main-Kinzig-Kreis zu einer besonderen Schulvorführung des Dokumentarfilms „Die Arier“ von Mo Asumang zusammen. Die Veranstaltung wurde von der DEXT-Fachstelle in Kooperation mit dem Kino Gelnhausen organisiert und bot den Jugendlichen die Möglichkeit, sich intensiv mit den Themen Rassismus, Diskriminierung und demokratischer Haltung auseinanderzusetzen.

Ein Film, der herausfordert und neue Perspektiven eröffnet

Der Dokumentarfilm „Die Arier“ nimmt sich eines Themas an, das filmisch bislang kaum aufgearbeitet wurde: der sogenannten „Arier“-Ideologie. Unter diesem Begriff wurde und wird in Deutschland und international gegen Menschen anderer Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung gehetzt und Gewalt ausgeübt.

Mo Asumang begibt sich auf eine persönliche und zugleich investigative Reise. Als afrodeutsche Filmemacherin stellt sie die Frage, was hinter der Idee des „Herrenmenschen“ steckt – und sucht dafür bewusst den direkten Kontakt zu Personen und Gruppen, die solche Weltbilder vertreten. Sie besucht Demonstrationen von Rechtsradikalen, trifft auf selbsternannte „Arier“, begegnet dem Ku-Klux-Klan und spricht mit dem bekannten Rechtsextremisten Tom Metzger, Gründer der „White Aryan Resistance“. Metzger propagiert eine sogenannte „Lone Wolf“-Strategie, die auf eine gewaltsame „arische Revolution“ abzielt. Asumang konfrontiert diese Menschen mit einer einfachen, aber zentralen Frage: Was ist ein „Arier“ eigentlich?

Die gezeigte Schulfassung, speziell für Jugendliche ab der Sekundarstufe I konzipiert, verbindet persönliche Erfahrungen, mutige Begegnungen und gesellschaftliche Analyse. Sie macht komplexe Inhalte verständlich und regt zur kritischen Auseinandersetzung an.

Austausch, Fragen, Haltung: Die Gesprächsrunde mit Mo Asumang

Im Anschluss an die Vorführung diskutierten die Schülerinnen und Schüler in einer moderierten Runde mit Mo Asumang. Mit großer Offenheit beantwortete Mo Asumang die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler. Sie berichtete von ihren Erfahrungen während der Dreharbeiten, von herausfordernden Momenten und von der Motivation, sich immer wieder gegen rassistische Ideologien zu positionieren.

Die Jugendlichen beteiligten sich bemerkenswert engagiert, stellten vertiefende Fragen und nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Viele ließen den Vormittag mit einem gemeinsamen Foto mit der Regisseurin ausklingen.

Politische Bildung, die wirkt

Die Veranstaltung verdeutlichte, wie nachhaltig politische Bildungsarbeit wirken kann, wenn sie persönliche Begegnungen ermöglicht und junge Menschen aktiv einbindet. Der Vormittag zeigte, dass Aufklärung über Rassismus besonders dann erreicht, wenn sie emotional berührt und Raum für eigene Fragen lässt.


Im Dialog bleiben – Haltung zeigen

Workshop „Werde Dialog-Botschafterin“ mit Mo Asumang*

Wie kann man menschenfeindlichen Aussagen entgegentreten, ohne das Gespräch sofort zu beenden? Und wie lässt sich Haltung zeigen, während man gleichzeitig im Dialog bleibt? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der ganztägige Workshop „Werde Dialog-Botschafterin“* mit Mo Asumang zu dem das Büro für interkulturelle Angelegenheiten und die DEXT-Fachstelle im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus eingeladen haben.

Der Workshop richtete sich an alle, die ihre Fähigkeiten im Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen stärken möchten – unabhängig davon, ob im beruflichen Umfeld, im Ehrenamt oder im privaten Alltag.

Große Resonanz und vielfältige Teilnehmende

Das Interesse am Format war hoch: Menschen aus der Zivilgesellschaft, Mitarbeitende der Verwaltung und weitere Interessierte nahmen teil, um sich mit dialogischen Strategien gegen Rassismus, Antisemitismus und andere Formen menschenfeindlicher Anfeindungen auseinanderzusetzen.

Mo Asumang: Erfahrung aus Film, Medien und Engagement

Geleitet wurde der Workshop von Mo Asumang, Filmemacherin, Autorin und Moderatorin, die sich seit Jahren öffentlich gegen Rassismus und Extremismus engagiert. Durch ihre preisgekrönten Dokumentationen und die direkte Auseinandersetzung mit rechtsextremen Akteurinnen und Akteuren wurde sie bundesweit bekannt.

Das „mo:lab-Dialog-Prinzip“

Im Mittelpunkt stand das von Mo Asumang entwickelte mo:lab‑Dialog‑Prinzip. Es verfolgt den Ansatz, Menschen auch in konflikthaften Situationen nicht vorschnell aufzugeben, sondern ihnen mit Haltung, Klarheit und Gesprächsbereitschaft zu begegnen. Ziel ist es, Eskalationen zu vermeiden, Selbstreflexion anzuregen und trotz deutlicher Positionierung einen Dialog auf Augenhöhe zu ermöglichen. Ein zentrales Element des Ansatzes ist die Idee, nicht in die „Wut‑ und Hassschleifen“ einzusteigen, die Gespräche schnell verhärten können. Stattdessen geht es darum, souverän zu bleiben, die eigene Haltung zu wahren und dennoch offen zu kommunizieren.

Praktische Übungen für den Alltag

Anhand praxisnaher Übungen konnten die Teilnehmenden konkrete Gesprächstechniken erlernen und direkt ausprobieren. Dabei ging es unter anderem um

  • Umgang mit rassistischen Aussagen im Alltag
  • Reaktionen auf antisemitische Äußerungen
  • Strategien bei abwertenden Kommentaren im beruflichen und privaten Umfeld

Viele Übungen regten dazu an, die eigene Wirkung, Sprache und Haltung bewusster wahrzunehmen.

Positive Resonanz

Der offene Austausch innerhalb der Gruppe war für viele Teilnehmende besonders wertvoll: unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven machten deutlich, dass demokratische Haltung im Alltag oft dort gefragt ist, wo Gespräche schwierig werden. Durchweg positiv waren die Rückmeldungen zum Workshop. Viele beschrieben das Format als inspirierend, motivierend und unmittelbar alltagstauglich. Die Verbindung aus persönlicher Erfahrung, theoretischem Hintergrund und praktischen Übungen wurde besonders hervorgehoben. Viele beschrieben das Format als inspirierend, motivierend und unmittelbar alltagstauglich. Die Verbindung aus persönlicher Erfahrung, theoretischem Hintergrund und praktischen Übungen wurde besonders hervorgehoben.

Ein Zeichen für demokratische Gesprächskultur

Mit Veranstaltungen wie dieser setzen das BikA und die DEXT-Fachstelle ein klares Zeichen für demokratische Gesprächskultur, Zivilcourage und einen respektvollen Umgang miteinander – gerade in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten.


Ein Abend, der unter die Haut ging:
Musikalische Lesung „Ich wand’re durch Theresienstadt“

Mehr als 160 Gäste kamen am 28. Mai 2026 in den Barbarossasaal des Main Kinzig Forums, um die musikalische Lesung „Ich wand’re durch Theresienstadt …“ zu erleben. Was sie erwartete, war ein eindrucksvoller Abend des Erinnerns: berührend, bedrückend und zugleich von großer historischer Bedeutung. Die Verbindung aus Texten, Musik und Zeitzeugengespräch machte die Schicksale der in Theresienstadt inhaftierten Menschen greifbar – besonders die der Kinder und Jugendlichen, deren Stimmen an diesem Abend wieder hörbar wurden.

Es war kein gewöhnlicher Kulturabend. Es war ein Abend, der Erinnern spürbar machte.

Worte, die bleiben: Roman Knižka gibt den Kindern von Theresienstadt eine Stimme

Schauspieler Roman Knižka las Texte ermordeter Kinder, Gedichte und Erinnerungen aus dem Ghetto Theresienstadt. Seine ruhige, klare und zugleich eindringliche Vortragsweise verlieh den Worten eine besondere Tiefe. Die Texte erzählten von Angst, Hoffnung, Verlust und innerem Widerstand – und machten die Realität des Lebens im Ghetto spürbar, ohne sie zu dramatisieren.

Musik als Teil der Erinnerung: OPUS 45 interpretiert Werke aus Theresienstadt

Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Bläserquintett OPUS 45. Die Musiker spielten Werke von Pavel Haas, Viktor Ullmann, Hans Krása und Gideon Klein – Komponisten, die selbst in Theresienstadt inhaftiert waren. Ihre Musik, entstanden unter extremen Bedingungen, verlieh dem Abend eine besondere Atmosphäre. Die Verbindung aus Literatur und Musik schuf Momente, in denen viele Zuhörerinnen und Zuhörer sichtbar bewegt waren.

Zeitzeugin Edith Erbrich: „Haltet Augen und Ohren offen“

Im Anschluss sprach die Holocaust Überlebende Edith Erbrich aus Frankfurt über ihre eigenen Erfahrungen. Als Kind wurde sie mit ihrer Schwester und ihrem Vater nach Theresienstadt deportiert – und gehört zu den wenigen, die das Lager überlebten. Offen und eindrucksvoll berichtete sie von ihrem Leben vor, während und nach der Deportation. Ihre Worte berührten das Publikum tief.

Besonders eindringlich blieb ihr Appell: „Haltet Augen und Ohren offen, damit so etwas nie wieder passieren kann.“

Dieser Satz fasste zusammen, worum es an diesem Abend ging: um Erinnerung, Verantwortung und Wachsamkeit.

Erinnerung als Auftrag: Für heute und für morgen

Der Abend machte deutlich, dass die Stimmen der Opfer und Überlebenden auch Jahrzehnte nach den Verbrechen des Nationalsozialismus nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. Erinnerungskultur ist nicht nur ein Blick zurück – sie ist ein Auftrag für heute.

Auftakt der Reihe „Zeit(zeugen)los: Erinnerungskultur ohne Zeitzeugen“

Die musikalische Lesung bildete den Auftakt der neuen Reihe „Zeit(zeugen)los: Erinnerungskultur ohne Zeitzeugen“, die vom Büro für interkulturelle Angelegenheiten, der DEXT Fachstelle und der Partnerschaft für Demokratie des Main Kinzig Kreises initiiert wurde.

Die Reihe wird gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, das Landesprogramm „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ und den Main Kinzig Kreis und steht für ein gemeinsames Ziel: Erinnerung lebendig zu halten – auch dann, wenn Zeitzeugen nicht mehr selbst berichten können.