Mit „Höchstgeschwindigkeit“ zum Oberstufengebäude
16. Juni 2026 - Die Baustelle ist schon in vollem Gange, die ersten Fundamente sind gegossen. In wenigen Tagen wird das neue Gebäude an der Bertha-von-Suttner-Schule in die Höhe wachsen. Der Rohbau soll über die Sommerferien hinweg schon weithin Konturen annehmen. „Im Moment schauen viele Schulträger in Deutschland auf den Main-Kinzig-Kreis. Wir wollen von der Vergabe der Arbeiten bis zum Einzug in die Klassenräume in weniger als anderthalb Jahren fertig sein. Aus der dringenden Notwendigkeit, mehr Räume zu schaffen, machen wir im Main-Kinzig-Kreis ein Vorbildprojekt mit Strahlkraft“, erklärte Kreisbeigeordneter Jannik Marquart bei der feierlichen Grundsteinlegung. Landrat Thorsten Stolz ordnete den Neubau in Nidderau in die breit angelegte Schulbauoffensive des Kreises ein. „Wir bauen die Schullandschaft an verschiedenen Stellen im Westkreis aus, in Bruchköbel, in Maintal, in Erlensee. Wir erhalten Bildungsvielfalt und antworten auf steigende Schülerzahlen. Was wir hier in Nidderau umsetzen, ragt aber in Form und Zweck deutlich heraus“, so der Landrat.
An der Bertha-von-Suttner-Schule wird mit dem Neubau auch die organisatorische Neuausrichtung der Schule sichtbar: Ab dem Schuljahr 2029/30 verfügt die Nidderauer Schule über eine Oberstufe. Schülerinnen und Schüler aus der Region haben dann einen weiteren Standort im westlichen Teil des Main-Kinzig-Kreises, um das Abitur zu machen.
Die Einführung einer gymnasialen Oberstufe ist dabei weit mehr als eine organisatorische oder bauliche Aufgabe. Sie setzt ein überzeugendes pädagogisches Konzept voraus und erfordert Engagement, Ideenreichtum und Ausdauer. Umso mehr freut man sich im Staatlichen Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau, dass dieses Konzept sowohl beim Schulträger als auch beim Hessischen Kultusministerium Anklang gefunden und die notwendige Genehmigung erhalten hat. Damit werde ein weiterer wichtiger Baustein zur Stärkung und Weiterentwicklung der regionalen Bildungslandschaft geschaffen, der den Jugendlichen zusätzliche Bildungswege und Perspektiven eröffnet.
Dass die Wahl seinerzeit auf Nidderau fiel, freut auch Bürgermeister Andreas Bär, der an die intensiven Abstimmungsgespräche seit 2021 erinnert. Die Stadt Nidderau und deren Gremien haben seitdem den Planungsprozess nach Kräften unterstützt, „weil es nicht nur Nidderau als Bildungs- und Schulstandort in der Region stärkt, sondern auch unsere Chancen zur Aufstufung zum Mittelzentrum erhöht“, so Bär, der dankbar für die konstruktive und wertschätzende Zusammenarbeit mit dem Main-Kinzig-Kreis bei diesem Projekt ist.
Für dieses „große Engagement“ aller Beteiligten bedankte sich Schulleiter Harald Klose. Er orientierte sich in seiner Ansprache an Antoine de Saint-Exupéry: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ Damit leitete er zur Grundsteinlegung über, für die sich der heutige siebte Jahrgang der Bertha-von-Suttner-Schule etwas Besonderes hatte einfallen lassen. Die Schülerinnen und Schüler konservierten in einer Zeitkapsel ihre heutige Vorstellung von der Zukunft. Die Wahl fiel nicht zufällig auf die siebten Klassen. Es sind die Jugendlichen, die aus den Reihen der Bertha-von-Suttner-Schule als erste die Chance haben, die neue Oberstufe zu besuchen. „Wir können nicht in die Zukunft schauen. Diese Grundsteinlegung findet jedoch heute statt, weil weitsichtige Menschen mit dem Bauvorhaben der Errichtung einer gymnasialen Oberstufe Zukunft für viele junge Menschen möglich machen“, so Klose.
Zu den Gästen an der Grundsteinlegung gehörten viele Vertreterinnen und Vertreter aus der Bundes-, Landes-, Kreis- und Stadtpolitik, aus den beteiligten Verwaltungen, der beauftragen Rechtsanwaltskanzlei Nickel aus Hanau, die sich um die Vergabethematik gekümmert hatte, der Schulgemeinde, der Elternschaft und aus der vom Main-Kinzig-Kreis für den Bau beauftragten Firma, das europaweit tätige Bau- und Dienstleistungsunternehmen Goldbeck. Claus Albrecht, Geschäftsführer der Frankfurter Niederlassung von Goldbeck, bekräftigte die guten Wünsche der Schülerschaft für die Zukunft. Er hob zugleich die Anpassungsfähigkeit des neuen Gebäudes hervor, je nachdem, was die Anforderungen an Unterricht in der Zukunft auch sein mögen. „Schulbauten brauchen heute flexible Strukturen, damit Gebäude über viele Jahre verlässlich funktionieren“, erklärte Albrecht. „Wir achten deshalb darauf, dass Räume wandelbar bleiben und sich an neue Lernformen anpassen können. Für uns zählt, dass eine Schule nicht nur zum Einzug passt, sondern mit den Schülerinnen und Schülern wächst und später ohne großen Aufwand weiterentwickelt werden kann.“
Über die zügigen Baufortschritte zeigten sich die alle Anwesenden an der Grundsteinlegung sehr zufrieden. Der Neubau soll bis März kommenden Jahres fertig sein. Diese „Höchstgeschwindigkeit im Schulbau“, von der bei der Grundsteinlegung vielfach die Rede war, resultiert aus einem verkürzten Vergabeverfahren im vergangenen Jahr und in der systematisierten Bauweise. Letztere bedeutet nicht, dass in der Planungsphase nicht auch die besonderen Bedarfe und Wünsche der Schule und des Schulträgers berücksichtigt worden wären. Dennoch sind viele der Elemente des Neubaus seriell vorproduziert worden; dicht und seriell hintereinander getaktet sind zudem die einzelnen Gewerke.
Konkreter Hintergrund in Nidderau für diese Vorgehensweise ist der wachsende Raumbedarf durch die neu hinzukommende gymnasiale Oberstufe und die stark steigenden Schülerzahlen. Ziel ist es, verlässliche Kapazitäten zu schaffen und einen reibungslosen Unterrichtsbetrieb auch in den kommenden Jahren sicherzustellen. Der Main-Kinzig-Kreis hat den Neubau bewusst so ausgeschrieben, dass die zusätzlichen Räume schon im Laufe des zweiten Schulhalbjahres 2026/2027 zur Verfügung stehen. Den Zuschlag erhielt in einer Gesamtvergabe für Planung und Bau, mit allen Leistungen bis hin zur Übergabe des schlüsselfertigen Gebäudes in einer Hand, das Unternehmen Goldbeck, das in eigenen Werken wesentliche Bauelemente industriell vorfertigt. Auf der Baustelle in Nidderau werden diese Bauelemente zu einem individuellen Gebäude zusammengesetzt. Das ermöglicht ein hohes Tempo beim Bau.
Das neue Oberstufengebäude wird viergeschossig gebaut und vollständig barrierefrei sein. Ein Aufzug verbindet alle Ebenen. Für das Erdgeschoss sieht der Plan einen Sockel aus Klinkerriemchen vor. Die oberen Geschosse erhalten eine Verkleidung aus robusten Schichtstoffplatten. Der Eingangsbereich wird durch eine großflächige Aluminium-Glas-Fassade betont, die einen offenen Blick in das großzügige Treppenhaus ermöglicht. Im Inneren ermöglichen nichttragende Wände flexible Grundrisse, sodass die Räume künftig ohne großen baulichen Aufwand an neue pädagogische Anforderungen angepasst werden können. Ein farbliches Leitsystem und Wandgrafiken unterstützen die Orientierung. Im Erdgeschoss stehen die namensgebende Schriftstellerin Bertha von Suttner und ihr Wirken im Mittelpunkt. Wandmalereien greifen ihr Leben und ihr Engagement auf.
Das neue Gebäude wird in energetisch modernem Standard errichtet. Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt über eine reversible Luft-Wasser-Wärmepumpe, ergänzt durch eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage errichtet, deren Auslegung sich an den Anforderungen des Effizienzhaus-40-Standards orientiert. Begrünte Dachflächen und spezielle Fassadenstoffe sollen das Mikroklima verbessern und die Artenvielfalt fördern. Das Gebäude erfüllt die Kriterien für eine Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen in Gold und des Effizienzhaus-40-Standard.
Fakten zum Bau:
- Bauantrag eingereicht: 26. Februar
- Baugenehmigung erhalten: 14. April
- Ausführung: Mai 2026 bis April 2027
- Bausumme: rund 10,7 Mio. Euro
- Bruttogrundrissfläche 3.608 m²
- 16 Klassenräume im Erdgeschoss und in den drei Obergeschossen
- Lehrerzimmer im 1. OG und 2. OG
- Verwaltungsräume im 3. OG
Lebenslagen
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