LEADER: Andreas Hofmann macht sich mit MdEP Udo Bullmann für eine Fortführung der europäischen Dorf- und Regionalförderung stark
05. Juni 2026 - Derzeit wird der Finanzrahmen der Europäischen Union für die Zeit ab 2028 abgesteckt. Der Erste Kreisbeigeordneter Andreas Hofmann hat dies zum Anlass genommen, die hiesigen Europa-Abgeordneten in den Main-Kinzig-Kreis einzuladen, um gemeinsam über die Zukunft der Förderung des ländlichen Raumes zu diskutieren. „Die Dorf- und Regionalentwicklung sind ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor für den ländlichen Raum. Sie schaffen nicht nur gleichwertige Lebensverhältnisse vor Ort. Gemeinsam mit dem LEADER-Management schaffen sie Beteiligungsstrukturen und bilden ein starkes Netzwerk für den Main-Kinzig-Kreis“, erklärte Hofman.
Anlass zur Sorge gibt dem Ersten Kreisbeigeordneten die anhaltende Diskussion um die Zukunft des LEADER-Programms. Mit Udo Bullmann führte er ein erstes Gespräch, um die Dorf- und Regionalentwicklung der EU als echten Wirtschaftsfaktor, auch für den ländlichen Raum im Main-Kinzig-Kreis zukunftsfest abzusichern. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Spessart Regional, Spessart Tourismus und Marketing GmbH, dem Naturpark Spessart, hiesigen Touristikern und Fachleuten der Dorf- und Regionalentwicklung trug Andreas Hofmann die Forderung vor, LEADER in vergleichbarer Form beizubehalten: „Diese Förderung, die immer eine gemeinsame Kraftanstrengung aller politischen Ebenen war, bildet einen echten Wirtschaftsmotor vor Ort und sichert Arbeitsplätze, sie belebt aber auch Heimat und erhält lebendige Ortschaften.“
Mit dem Förderprogramm der EU sind in der Vergangenheit zahlreiche Projekte mitfinanziert worden, die in den ländlicheren Gebieten des Main-Kinzig-Kreises touristisch wie auch infrastrukturell nachhaltige Effekte hatten, bekräftigte Dominik Brasch, Vorsitzender von Spessart Regional. „Die Dorf- und Regionalentwicklung und insbesondere LEADER sind für die Kommunen im ländlichen Raum ein unverzichtbares Finanzierungsinstrument und gewinnen gerade in Zeiten knapper Kassen zusätzlich an Bedeutung“, sagte Brasch. „Für die Kommunen im Verbund von Spessart Regional ist das eine wertvolle Stütze, um die Städte und Gemeinden zukunftsfest aufzustellen.“
So wurde der Aufbau der „Boulder-Church“, also der Umbau der ehemaligen Bad Orber Kirche zu einem überregional bekannten Kletter-Treffpunkt, durch LEADER gefördert. Udo BuIlmann schaute sich gemeinsam mit Andreas Hofmann einige dieser markanten Beispiele an, „wo LEADER wirkt, weit über Landwirtschaftsförderung hinaus“, wie Hofmann hervorhob.
Das Förderprogramm LEADER – die Buchstaben kürzen den französischen Titel ab, auf deutsch: „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“ – droht indessen, im kommenden Finanzrahmen der EU gemeinsam mit vielen anderen Bereichen in einem großen Monofonds vertreten zu sein, ohne eigenes Kapitel und ohne festes Budget. LEADER wird daher mit vielen anderen Bereichen wie Kohäsion, Sicherheit und Verteidigung um Geld konkurrieren. „Dadurch wäre nicht nur die Finanzierung vieler Maßnahmen gefährdet“, kritisiert Andreas Hofmann. „Es besteht die Gefahr, dass gewachsene Strukturen und auch Spessart Regional und die damit zusammenhängenden Netzwerke künftig um ihre Finanzierung und ihre Zukunft bangen müssen.“
Der EU-Abgeordnete Udo Bullmann machte sich ein Bild von der erfolgreichen Arbeit des LEADER-Managements und der Wirkung der Dorf- und Regionalentwicklung im Main-Kinzig-Kreis. Zunächst besuchte er die Räumlichkeiten von Spessart Regional im Jossgrund, dann mit der Boulder-Church und dem Flowtrail in Bad Orb zwei der unzähligen guten Beispiele für die erfolgreiche Regionalentwicklung im Kreisgebiet. Bullmann machte deutlich, dass die Europäische Union eine starke Position für den ländlichen Raum für wichtig halte. Er bestätigte jedoch die Befürchtung des Main-Kinzig-Kreises, dass eine Fortführung der Förderung wie bisher schwierig werde, da die EU-Kommission einen zentral organisierten Fonds vorantreiben will.
„Die größte Stärke des LEADER-Programms ist das Bottom-Up-Prinzip. Die Menschen vor Ort tun sich zusammen und entscheiden selbst, wo europäische Fördermittel am besten eingesetzt werden. Das schafft Identifikation, stärkt das Ehrenamt und belebt den ländlichen Raum. Wenn LEADER seinen Status als eigenständiger Fördertopf verliert, laufen wir Gefahr, dass Förderentscheidungen nur noch zentral getroffen werden. Es liegt an den Regierungen der Mitgliedsstaaten und auch der deutschen Bundesregierung, diesen Rückschlag für unsere Kommunen vor Ort zu verhindern“, forderte Bullmann.
„Sollte sich der Monofonds ohne eigenes Kapitel und ohne festes Budget für LEADER durchsetzen, droht die Selbstbestimmung und Beteiligungskultur vor Ort auf der Strecke zu bleiben“, befürchtete Andreas Hofmann, „und damit auch ein wichtiges Stück gelebter Demokratie vor Ort.“
Anika Ludwig vom Naturpark Hessischer Spessart und Bernhard Mosbacher von der STM machten deutlich, dass zahlreiche ihrer Projekte ohne eine LEADER-Finanzierung nicht umsetzbar wären. Dies bestätigte auch Steffen Kempa als Kurdirektor der Stadt Bad Orb, der noch zahlreiche Ideen für den Standort hat.
„LEADER ist somit nicht nur für die Kommunen ein unverzichtbares Entwicklungs- und Finanzierungsinstrument, sondern auch ein echter Impulsgeber für den Tourismus im ländlichen Raum“, so Hofmann. „Dabei sind es nicht nur Projekte von Kommunen und Institutionen, sondern auch zahlreiche private Projekte, die das Zusammenspiel von Dorf- und Regionalentwicklung vor Ort so erfolgreich machen.“ Er sprach sich dafür aus, im nächsten Schritt auch die Bundes- und Landtagsabgeordneten für die Thematik zu sensibilisieren und die Interessen des ländlichen Raumes in den aktuellen Verhandlungen starkzumachen.
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