Ein sportliches Fest im Zeichen der Brüder Grimm

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Gerald Helfrich beim Zieleinlauf 1998 (Startnummer 66).

02. Juni 2026 - Am 25. Mai 1984 startete kurz nach 17 Uhr das Feld der rund 200 Läuferinnen und Läufer am Hanauer Markplatz zur ersten Etappe des „Internationalen Brüder-Grimm-Laufs“. Oberbürgermeister Helmut Kuhn und Erster Kreisbeigeordneter Otto Aden hatten am Brüder-Grimm-Denkmal das offizielle Startsignal gegeben. Nach Monaten der Vorbereitungen war alles perfekt organisiert, nur das Wetter passte mit strömendem Regen und Hagelschauern nicht ins Bild. Doch am Ende dieser mutigen Premiere zeigten sich alle Beteiligten am Sonntag im Zielort in Steinau an der Straße äußerst zufrieden und blickten bereits auf das kommende Jahr. Damit war der erste Fünf-Etappen-Lauf ein gelungener Auftakt zum Jubiläumsjahr der Märchensammler und Sprachforscher, denn 1985 wurde der 200. Geburtstag des älteren Bruders Jacob Grimm gefeiert.

Bereits im Herbst 1983 hatte das Duo aus dem Abteilungsleiter Sport und Freizeit der Kreisverwaltung, Jürgen May, und seinen Stellvertreter Klaus Schmidt mit den umfangreichen Vorbereitungen begonnen. Der ehemalige Weltrekordler über die 1000 Meter und das Organisationstalent an seiner Seite bewiesen dabei offenbar ein gutes Gespür, denn das ursprüngliche Konzept hat in wesentlichen Teilen bis heute Bestand.

„Es gab unglaublich viel zu tun von der detaillierten Streckenplanung, den Absprachen mit den Kommunen, den Verhandlungen mit Sponsoren sowie der Akquise zahlreicher Helferinnen und Helfer bis hin zur Vorbereitung von Zeitmessung, Rückennummern, Urkunden, Gepäcktransport, Verpflegung und Unterkunft, T-Shirts, Ehrengaben und der Information der Öffentlichkeit“, erinnert sich Klaus Schmidt an arbeitsreiche Monate. Rund 1500 Hefte wurden im Vorfeld verschickt, um möglichst viele Läuferinnen und Läufer anzusprechen. Schon damals wurde für rund 500 Teilnehmende geplant. Auch wenn im ersten Jahr nur 107 Sportlerinnen und Sportler die gesamte Strecke absolvierten, so waren es 1988 schon mehr als 300 und 1999 wurde die 400 geknackt. Das größte Feld mit 584 Läuferinnen und Läufern ging 2014 bei der 30. Auflage ins Rennen.

Etwa 100 Helferinnen und Helfer, teilweise mit Sprechfunk ausgerüstet, waren an den drei Tagen im Einsatz. Sie kamen vom Leichtathletikzentrum Main-Kinzig, DJK Concordia Neuses, TV Gelnhausen, TV Bad Orb und dem Lauftreff Bad Soden-Salmünster. Rund 500 Hinweisschilder für die 80 Kilometer lange Streckenführung wurden angebracht und 1000 Rückennummern gedruckt. Es gab fünf stationäre sowie ein mobiles Wettkampfbüro, ein Motorrad an der Spitze des Feldes und einen Sanitätsdienst als „Schlusslicht“. Doch die intensive und akribische Arbeit hat sich gelohnt, denn dieser in Deutschland einzigartige Etappenlauf hat sich schnell im Wettkampfkalender etabliert.

Gerald Helfrich erinnert sich an seine erfolgreiche Premiere

Inspiriert waren Jürgen May und Klaus Schmidt übrigens vom größten Etappenrennen der Welt, der Tour De France. So gab es auch ein Führungstrikot in orange für den Schnellsten und ein Trikot in grün für die Bergwertung. Auch wenn die grobe Richtung der Strecke von damals auch heute noch gilt, so war das Profil deutlich anspruchsvoller, wie sich Gerald Helfrich erinnert. Der langjährige Bürgermeister von Gründau war 1984 in der Jugendklasse gestartet und kam als „Leichtgewicht“ gut mit den Anstiegen zurecht. Doch Markus Vonrhein aus Freigericht, der als jüngster Teilnehmer dabei war, ging zunächst einmal in Führung.

Auch zum Start der letzten Etappe war die Reihenfolge in der Jugendklasse unverändert: Vonrhein vor Helfrich. Angesichts der klaren Verhältnisse konzentrierte sich der Zweitplatzierte darauf, „dieses Ergebnis abzusichern“. Im Ziel in Steinau freute er sich dann über den großen Beifall und sein gutes Resultat, bis er schließlich als Sieger ausgerufen wurde. „Der bis dahin Führende hatte sich offenbar die Kräfte falsch eingeteilt oder aus einem anderen Grund das Finale nicht beenden können“, schildert Helfrich die besondere Herausforderung eines Etappenlaufs.

Insgesamt war Helfrich achtmal beim Brüder-Grimm-Lauf dabei, zuletzt 2016. Sein erster Start im Jahr 1984 war eine eher spontane Entscheidung, denn sein Augenmerk lag auf dem Marathon in Frankfurt am 13. Mai. „Das Ergebnis mit drei Stunden und 13 Minuten sowie das insgesamt gute Gefühl haben mich kurzfristig motiviert, zwölf Tage später dann auch die Premiere im Main-Kinzig-Kreis in Angriff zu nehmen“, erinnert er sich. Die Belastung der fünf Etappen mit einer Gesamtlänge von rund 80 Kilometern sowie die entsprechenden Höhenmeter stuft er persönlich allerdings deutlich höher ein, als bei einem Marathon.

Belohnt wurde er 1984 für seinen Erfolg mit einer sorgfältig ausgefüllten Urkunde mit den Angaben zu allen fünf Etappen und einem schweren Teller aus Zinn. Diese Auszeichnungen sowie das Führungstrikot erhielt auch der Gesamtsieger Horst Weiß (LAZ Bruchköbel-Hanau) aus Somborn, der sich gleich auf der ersten Etappe an die Spitze gesetzt hatte. Bei den Frauen gewann Monika Kuno (OSC Hoechst) die Premiere. Die Teamwertung ging damals an das LAZ Hanau (Horst Weiß, Bernd Krammig, Rainer Gottschalk). Die meisten Siege konnte bisher Joern Harland einsammeln, der zwischen 2009 und 2024 viermal erfolgreich war. Bei den Frauen schaffte Regina Blatz zwischen 2003 und 2007 vier Siege in Folge.