Hitzetelefon des Main-Kinzig-Kreises

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Laura Paschke (sitzend) und Kerstin Benzing betreuen das Hitzetelefon des Main-Kinzig-Kreises.

„Viele warten auf unseren Anruf“
Laura Paschke und Kerstin Benzing stellen das Hitzetelefon des Main-Kinzig-Kreises vor

27. Mai 2026. - Wenn die Temperaturen tagelang so hoch sind wie derzeit, kann Hitze zur Gesundheitsgefahr werden. Besonders ältere Menschen und chronisch Kranke leiden unter der Belastung. Das Hitzetelefon des Main-Kinzig-Kreises soll helfen: Laura Paschke, Kerstin Benzing und Tom Topoll vom Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr informieren Betroffene telefonisch über aktuelle Hitzewarnungen und geben Tipps für heiße Tage. Kerstin Benzing und Laura Paschke erklären im Interview, warum das Angebot so wichtig ist.

Frau Paschke, Frau Benzing, warum engagieren Sie sich beim Hitzetelefon?

Laura Paschke: „Weil wir merken, dass es den Menschen guttut. Viele erzählen uns, dass sie sich freuen, wenn jemand anruft. Manche leben sehr zurückgezogen oder sind gesundheitlich eingeschränkt. Da bedeutet so ein Gespräch oft mehr als nur eine Hitzewarnung.“

Kerstin Benzing: „Viele warten auf unseren Anruf. Sie wissen: Da kümmert sich jemand. Dass jemand vom Amt anruft, gibt dem Ganzen zusätzlich Gewicht. Wir erinnern ans Trinken oder daran, sich nicht zu überanstrengen. Das klingt einfach, ist es aber nicht, vor allem, wenn jemand kein richtiges Durstgefühl hat.“

Wie laufen die Gespräche ab?

Laura Paschke: „Wenn der Deutsche Wetterdienst eine Hitzewarnung herausgibt, rufen wir die Menschen auf unserer Liste an, meistens vormittags. Wenn die Hitze länger anhält, melden wir uns nach ein bis zwei Tagen noch einmal und fragen, wie es ihnen geht und wie sie mit den Temperaturen klarkommen.“

Kerstin Benzing: „Manche Gespräche dauern nur kurz, andere länger. Viele erzählen auch ein bisschen aus ihrem Alltag. Mit der Zeit kennt man die Menschen.“

Was erleben Sie dabei?

Laura Paschke: „Viele unserer Nutzerinnen und Nutzer sind älter, leben allein oder können das Haus kaum noch verlassen. Angehörige wohnen manchmal weit weg und Freunde oder Bekannte sind bereits verstorben. Eine Frau aus unserer Liste ist kaum mobil und lebt allein. Ein Nachbar bringt ihr Getränkekästen, ein Pflegedienst kommt zweimal täglich vorbei. Da fragt man sich natürlich schon, wie sie mit so einer Hitzewelle zurechtkommt. Wir erleben auch Einsamkeit. Wenn wir empfehlen, Familie oder Bekannte einzubinden, etwa für Getränkeeinkäufe oder Besorgungen, erzählen manche Menschen, dass sie niemanden mehr haben. Das ist schon berührend. Gleichzeitig merken wir, wie viel Vertrauen uns entgegengebracht wird.“

Für wen ist das Angebot besonders wichtig?

Kerstin Benzing: „Vor allem für ältere Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Hitze belastet den Körper enorm. Wer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Asthma oder COPD hat, ist besonders betroffen.“

Laura Paschke: „Viele ältere Menschen bekommen Warnungen gar nicht so mit. Sie sind nicht ständig am Smartphone, sind nicht so viel unterwegs. Sie haben kein berufliches Umfeld mehr. Für sie ist das Hitzetelefon eine wichtige Unterstützung.“

Welche Tipps geben Sie am häufigsten?

Kerstin Benzing: „Viel trinken. Morgens und abends lüften. Die Wohnung tagsüber möglichst kühl halten. Körperliche Anstrengung vermeiden, vor allem zwischen 12 Uhr und 16 Uhr. Viele unterschätzen nach wie vor, wie schnell Hitze auf den Kreislauf gehen kann.“

Spüren Sie, dass die Menschen Vertrauen zu Ihnen haben?

Laura Paschke: „Ja. Viele nutzen das Angebot seit es 2023 eingerichtet wurde. Wir haben einen kleinen Einblick in ihren Alltag und wissen oft, wer Unterstützung bekommt oder allein lebt. Als Medizinische Fachangestellte achten wir natürlich auf gesundheitliche Risiken.“

Kerstin Benzing: „Manche erzählen uns dann auch, wie sie ihre Haustiere durch die Hitze bringen oder wie sie die letzten heißen Tage erlebt haben. Ein Mann aus einer Herzsportgruppe gibt unsere Hinweise sogar an die anderen Teilnehmenden weiter.“

Was passiert, wenn Sie jemanden nicht erreichen?

Kerstin Benzing: „Wenn wir uns Sorgen machen oder mehrfach niemanden erreichen, werden wir aktiv. Falls Kontaktdaten hinterlegt sind, rufen wir Angehörige, Hausarztpraxen oder Pflegedienste an und fragen nach.“

Warum sollte man sich anmelden?

Laura Paschke: „Weil Hitze gefährlich werden kann und viele das unterschätzen. Und es ist so unkompliziert: Einfach einmal anmelden und schon wird man kostenlos angerufen, erhält konkrete Informationen und Hinweise. Das Hitzetelefon hilft im Alltag und gibt den Menschen Sicherheit.“

Das Hitzetelefon

Das Hitzetelefon des Amtes für Gesundheit und Gefahrenabwehr informiert registrierte Bürgerinnen und Bürger telefonisch über Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes und gibt Verhaltenstipps für heiße Tage. Der Service ist kostenlos. Die Anrufe erfolgen in der Regel zwischen 8.30 und 12 Uhr. Interessierte können sich unter Telefon 06051 85-14600 oder per E-Mail an buergerinformation@mkk.de anmelden.

Tipps für heiße Tage

  • Ausreichend trinken, auch ohne Durstgefühl
  • Morgens und abends lüften
  • Fenster und Rollläden tagsüber geschlossen halten
  • Körperliche Anstrengung vermeiden
  • Erledigungen in die frühen Morgen- oder Abendstunden legen
  • Leichte Kleidung tragen
  • Auf ältere Angehörige und Nachbarn achten