Das Gesundheitsrisiko in selten genutzten Leitungen

pm-img
Dr. Tom Kurjak, stellvertretender Sachgebietsleiter des Sachgebietes Hygiene und Umweltmedizin bei einer Probenahme der Hausinstallation.

13. März 2026 - Trinkwasser begleitet die Menschen jeden Tag, beim Duschen, Zähneputzen oder Kochen. Man vertraut darauf, dass es gut ist und die Gesundheit nicht gefährdet. Dass dieses Vertrauen in Deutschland in aller Regel gerechtfertigt ist, ist ein großes Privileg. Dennoch gibt es Beispiele dafür, auch im Main-Kinzig-Kreis, dass Trinkwasserhygiene Aufmerksamkeit braucht.

Kürzlich ist dem Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr eine Person mit Legionellen-Erkrankung durch das behandelnde Krankenhaus gemeldet worden. Die betroffene Person musste stationär behandelt werden, hat die Erkrankung jedoch überstanden. Legionellen können eine schwere Lungenentzündung auslösen. Typische Symptome sind hohes Fieber, Atemnot, starker Husten sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Unbehandelt kann eine solche Infektion lebensbedrohlich sein, gerade für ältere oder vorerkrankte Menschen.

Nach der Meldung aus dem Krankenhaus nahmen Mitarbeitende des Main-Kinzig-Kreises, aus dem Sachgebiet Hygiene und Umweltmedizin, Kontakt mit der betroffenen Person beziehungsweise deren Angehörigen auf, um mögliche Infektionsquellen zu ermitteln. Schnell geriet die Hausinstallation des Wohngebäudes in den Fokus. Der Fall verdeutlicht: Nicht nur das Trinkwasser aus dem Wasserwerk ist entscheidend, sondern auch die Leitungen im eigenen Haus.

Legionellen sind Bakterien, die sich vor allem in warmem, stehendem Wasser vermehren. Gefährlich werden sie, wenn sie über feinste Wassertröpfchen – etwa beim Duschen – eingeatmet werden. Besonders problematisch sind selten genutzte Wasserleitungen, zum Beispiel in leerstehenden Wohnungen oder wenig genutzten Badezimmern.

Hygienekontrolleure prüfen und bewerten

Besteht der Verdacht, dass die Ursache der Infektion in einer Hausinstallation liegt, ist der Eigentümer verpflichtet, selbst für eine Überprüfung der Trinkwasseranlage zu sorgen und die notwendigen Untersuchungen zu veranlassen. Die Trinkwasserproben wurden in diesem konkreten Fall von einem externen, zugelassenen Labor entnommen und untersucht. Die Ergebnisse bestätigten den Verdacht: In Teilen der Hausinstallation wurden erhöhte Legionellenwerte festgestellt. Die Befunde gingen direkt an das Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr, wo sie von den Hygienekontrolleuren fachlich bewertet wurden.

Auf dieser Grundlage ordnete der Main-Kinzig-Kreis gezielte Maßnahmen an. Der Eigentümer des Gebäudes wurde verpflichtet, die Trinkwasseranlage zu sanieren und hygienische Mängel zu beseitigen. Nach Umsetzung der Maßnahmen zeigten erneute Untersuchungen, dass die Legionellenbelastung deutlich reduziert und das Problem behoben werden konnte. Weitere Erkrankungsfälle traten nicht auf. „Unsere Aufgabe ist es nicht nur, Grenzwerte zu kontrollieren, sondern Ursachen zu erkennen und gemeinsam mit Eigentümern Lösungen zu finden“, erklärt Dr. Tom Kurjak, stellvertretender Sachgebietsleiter des Sachgebiets Hygiene und Umweltmedizin des Main-Kinzig-Kreises. Prüfungen wie diese gehören zum Alltag der Hygienekontrolleure, sei es in Kindertagesstätten, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünften oder anderen öffentlichen Gebäuden.

Auch private Haushalte können zur Trinkwasserhygiene beitragen. Wichtig ist, alle Wasserleitungen regelmäßig zu nutzen, mindestens einmal pro Woche. Nach längerer Abwesenheit sollten alle Wasserhähne mehrere Minuten laufen, zunächst ohne Duschkopf. Warmwasser sollte am Speicher mindestens 60 Grad Celsius erreichen. Zudem empfiehlt das Gesundheitsamt, Duschköpfe und Perlatoren regelmäßig zu reinigen und zu entkalken. In größeren Wohnanlagen sind die gesetzlich vorgeschriebenen Trinkwasseruntersuchungen einzuhalten.

Hintergrund: Tag des Gesundheitsamts

Rund 380 Gesundheitsämter stehen den Menschen in Deutschland jeden Tag mit Rat und Tat zur Seite und leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesundheit. Von Infektionsschutz, Hygiene und Umweltmedizin, Brandschutzerziehung bis zum Krisenmanagement und lokaler Netzwerkarbeit: Der Öffentliche Gesundheitsdienst ist breit aufgestellt und nah am Menschen. Im Main-Kinzig-Kreis und für die Stadt Hanau ist diese Aufgabe im Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr des Main-Kinzig-Kreises angesiedelt. Jährlich am 19. März findet der Tag des Gesundheitsamtes statt, initiiert vom Robert-Koch-Institut, um auf die Vielfalt und Bedeutung der Arbeit in den Gesundheitsämtern aufmerksam zu machen. Der Main-Kinzig-Kreis gibt rund um diesen Tag Einblicke in die Arbeit.