Jugendschutz braucht mehr als eine Alterskontrolle
05. November 2026 - Schnell einen Snack oder ein Getränk kaufen, auch nach Ladenschluss: Verkaufsautomaten gehören in vielen Städten und Gemeinden des Kreises zum Alltag. Doch wie lässt sich verhindern, dass Kinder und Jugendliche darüber Zugang zu altersbeschränkten Produkten erhalten? Wie lässt sich wirksam kontrollieren, welche Produkte überhaupt in den Automaten angeboten werden? Mit diesen Fragen haben sich rund 60 Fachleute im Barbarossasaal des Main-Kinzig-Forums in Gelnhausen beschäftigt.
Unter dem Titel „Zwischen Zugang und Kontrolle – Verkaufsautomaten als Herausforderung für den Jugend- und Verbraucherschutz“ hatte das Sachgebiet Jugendarbeit und Jugendförderung des Kreis-Jugendamts zum fachübergreifenden Austausch eingeladen. Die Veranstaltung brachte unterschiedliche berufliche Perspektiven zusammen: Vertreten waren Polizei, Ordnungsbehörden, Jugendarbeit, Verbraucherschutz, Zoll sowie Drogen- und Suchtberatung. Im Mittelpunkt standen rechtliche und praktische Fragen rund um den Automatenverkauf sowie Möglichkeiten, den Schutz junger Menschen durch eine abgestimmte Zusammenarbeit zu verbessern.
Bei der Begrüßung durch den stellvertretenden Leiter des Jugendamtes Ludger Stallmann wurde deutlich, warum das Thema weit über technische Fragen hinausgeht. „Kinder- und Jugendschutz beginnt nicht erst bei einer akuten Gefährdung. Der Schutz beginnt bereits bei den Bedingungen, unter denen junge Menschen ihren Alltag verbringen“, so Stallmann. Aufklärung und die Stärkung eigener Entscheidungskompetenzen seien wichtig.
Besonders bei Vapes sowie nikotin-, THC- oder alkoholhaltigen Produkten stellte sich für die Teilnehmenden am Fachtag die Frage, ob Altersgrenzen beim tatsächlichen Zugang zuverlässig eingehalten werden. Doch auch andere neuartige, oftmals vollkommen unregulierte Produkte finden ihren Weg in die Automaten. Anders als im persönlichen Verkauf fehlt am Automaten ein Gegenüber, das nachfragen, genauer hinsehen oder einen Kauf im Zweifel ablehnen kann. „Entsprechend wichtig sind funktionierende technische Sicherungen und wirksame Kontrollen“, erklärte Ludger Stallmann.
Marcus Arazi, Sachgebietsleiter der Jugendarbeit im Jugendamt, betonte zusammen mit Marlene Ding, der zuständigen Mitarbeiterin für den Jugendschutz in ihren einleitenden Worten, „dass sich die Herausforderungen nicht auf die Altersprüfung beschränken“. Auch die Zulässigkeit einzelner Produkte und ihrer Zusammenstellung im Automaten stünden im Fokus. Hinzu kommen unterschiedliche Zuständigkeiten und die praktische Frage, welche Stelle bei einem konkreten Problem tätig werden kann. Gerade hier setzte der Austausch an: Fachwissen, rechtliche Einordnungen und Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag wurden zusammengeführt.
Am Fachtag ging es den Beteiligten nicht darum, Verkaufsautomaten grundsätzlich infrage zu stellen. Gefragt war vielmehr ein genauer Blick auf tatsächliche Risiken und verhältnismäßige, rechtssichere Antworten. Prävention, Kontrolle und Verbraucherschutz wurden als Aufgaben betrachtet, die sich ergänzen und eine gute Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen erfordern.
Der Erste Kreisbeigeordnete Jannik Marquart, Jugenddezernent des Main-Kinzig-Kreises, begrüßte bereits im Vorfeld der Veranstaltung ausdrücklich die Initiative des Jugendamtes. Sein besonderer Dank galt den Kolleginnen und Kollegen des Jugendamtes, die die Veranstaltung initiiert und vorbereitet hatten, sowie allen Mitwirkenden, die ihr Wissen und ihre Praxiserfahrungen einbrachten. „Wir beschäftigen uns mit einem Thema des Alltags, das die Aufmerksamkeit und Beteiligung vieler Personen und Stellen bedarf“, so Marquart. „Die große Beteiligung am Fachtag unterstreicht, dass dieses Thema an Aktualität gewonnen hat und der Bedarf an Austausch und Abstimmung entsprechend groß ist.“
Der Fachtag bot Raum für reichlich Austausch und Vernetzung über Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Die zentrale Botschaft: Wirksamer Kinder- und Jugendschutz braucht nicht nur klare Regeln, sondern auch verlässliche Ansprechpartner und das gemeinsame Handeln der beteiligten Institutionen.
Lebenslagen
- Wirtschaft
- Arbeit und Soziales
- Auto, Verkehr und ÖPNV
- Bauen und Wohnen
- Bildung, Schule und Medien
- Frauenfragen und Chancengleichheit
- Kultur, Sport und Ehrenamt
- Gesundheit
- Familie, Kinder und Jugendliche
- Zuwanderung und Integration
- Natur, Umwelt, Landwirtschaft und Tierschutz
- Sicherheit und Ordnung
- Behinderung, Pflege und Alter
Hausanschrift
Main-Kinzig-Forum
Barbarossastraße 16-24
63571 Gelnhausen
Telefon: 06051 85-0
Telefax: 06051 85-77
E-Mail: info@mkk.de
