Kreis- und IHK-Spitze tauschen sich zu aktuellen Themen aus

pm-img
Die IHK- und die Kreisspitze besprachen aktuelle Themen aus der Wirtschaft und der Politik (von links): IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde, Kerstin Oberhaus, Prof. Dr. Sven Spieckermann, Franziska Lösel, Landrat Thorsten Stolz, IHK-Präsidentin Natasha Rohde, Salih Tasdirek und Erster Kreisbeigeordneter Andreas Hofmann.

24. August 2026 - Die konjunkturellen Aussichten sind in vielen Wirtschaftsbereichen getrübt, auch der Fachkräftemangel brennt den Unternehmen unter den Nägeln. Unter diesen Vorzeichen stand das Gespräch der Kreisspitze mit dem Präsidium und der Geschäftsführung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. Mit dem Bau des „QU Azubiquartiers“ und dem Gigabit-Ausbau ging es dabei auch um Projekte, um den Wirtschaftsstandort Main-Kinzig fitzumachen für die Zukunft.

„Im Moment teilen Wirtschaft und Kommunalpolitik die Sorgen. Viele Unternehmen fahren auf Sicht und planen seltener langfristige Investitionen, gerade aufgrund äußerer Unsicherheiten und der Weltmarktlage“, sagte Landrat Thorsten Stolz. „Wo es kommunaler Wirtschaftsförderung möglich ist, wollen wir Unterstützung schaffen und vernetzen. Hier stimmen wir uns mit der IHK ab und ziehen an einem Strang.“

Thorsten Stolz berichtete vom Stand des Gigabit-Ausbaus, der sich auf der Zielgeraden befinde und den Menschen – nicht zuletzt den vielen Homeoffice-Nutzern im Kreisgebiet – Entlastung verschafft. „In 18 von 28 Städten und Gemeinden bauen wir aus. Unterm Strich profitieren davon rechnerisch 50.000 Bürgerinnen und Bürger, und im Schnitt stimmen 90 Prozent der Grundstückseigentümer dem kostenlosen Hausanschluss zu. Ende 2027 werden wir daher mit diesem weiteren großen Schritt in die Gigabit-Zukunft fertig sein, viel früher als die meisten anderen Regionen in Deutschland“, so Stolz.

IHK-Präsidentin Natasha Rohde berichtete von der in weiten Teilen der Wirtschaft schwierigen Stimmung. Energiekosten, Fachkräftemangel, KI-Welle: Einige Faktoren belasten die Unternehmen schon seit längerer Zeit, neue kommen hinzu. Die Industrie leide, nur vereinzelte Branchen hätten positive Perspektiven. „Es gibt auch Unternehmen, die nicht investieren, weil die allgemeine Unsicherheit über die weitere Entwicklung so groß ist“, so Rohde. Es brauche Optimismus – dieser werde entstehen, wenn die Standortbedingungen in Deutschland nachhaltig verbessert werden.

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde sprach das Thema Schulabgänger ohne Abschluss an. „Die Berufsfelder, die auch noch morgen gebraucht werden, sind hochkomplex. Menschen, ohne qualifizierten Berufsabschluss haben es dann umso schwerer. Wir dürfen Abbrecherquoten im hohen einstelligen oder gar zweistelligen Bereich in Deutschland nicht akzeptieren“, so Quidde.

Der Erste Kreisbeigeordnete Andreas Hofmann ging auf das „QU Azubiquartier“ ein. Der Neubau soll bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende bieten und sich im Laufe der Zeit zu einem „Haus der Ausbildung“ weiterentwickeln. Mit dem Ausbildungsbeginn im September 2027 soll der Erstbezug erfolgen, der Bau liege aktuell im Plan. „Das Azubiquartier ist ein Projekt, das Unternehmen auf der mittlerweile oft überregionalen Suche nach Auszubildenden helfen wird. Wir bieten bezahlbaren Wohnraum, nah an den Verkehrsadern im Kreis, zentral gelegen. Das sind gute Gründe, auch von außerhalb des Kreises zu uns zu kommen und eine Ausbildung in der Region zu beginnen“, so Hofmann.

Die IHK-Präsidentin pflichtete dem Ansinnen bei. „Wir müssen bei der Fachkräftesuche neue Dinge ausprobieren, wir befinden uns in einem Wandel. Dabei ist es auch wichtig, jungen Menschen Halt zu geben und mehr Angebote zu machen als nur eine gute Ausbildung im Betrieb“, sagte IHK-Präsidentin Rohde.

Landrat Thorsten Stolz berichtete vom Anteil des Kreises am Sondervermögen des Bundes. Derzeit sei mit rund 82 Millionen Euro für die kommunale Infrastruktur zu rechnen. „Wir stärken damit die Daseinsvorsorge für die Menschen im Kreis, von Krankenhäusern über Pflege und Schulen bis hin zur Gefahrenabwehr. Wir erhalten und modernisieren, insofern werden die Investitionen bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen. Außerdem halten wir die Wertschöpfung in der Region“, sagte Stolz.