Pilotprojekt schafft Schnittstellen für eine Vorabprüfung von Bauanträgen
23. Juli 2026 - Der Main-Kinzig-Kreis ist beim digitalen Bauantrag sehr gut aufgestellt und arbeitet im Rahmen eines Pilotprojekts seit einigen Wochen nun an einem weiteren zukunftsweisenden Online-Tool, um für Bauherren und Architekten das Stellen von Bauanträgen zu erleichtern. Ziel ist es, bereits in einem sehr frühen Stadium zu klären, ob ein Antrag grundsätzliche genehmigungsfähig ist und welche Einschränkungen eventuell vorliegen. Hierdurch können notwendige Korrekturen oder Umplanungen frühzeitig in die Wege geleitet werden. „Das wird die Qualität der Bauanträge in Zukunft erhöhen und somit noch einmal deutlich die Verfahrenszeiten reduzieren“, ist sich Landrat Thorsten Stolz sicher. Dieses Onlinetool ist nicht nur für einen hessenweiten Einsatz interessant, sondern auch für ganz Deutschland, Europa und sogar weltweit. Das Interesse an diesem Pilotprojekt ist groß.
Der Main-Kinzig-Kreis eignet sich als Projektpartner besonders gut, weil hier seit Jahresanfang alle Bauanträge ausschließlich digital eingereicht und bearbeitet werden. Hessenweit ist es etwa jeder dritte. „Der digitale Bauantrag ist im Main-Kinzig-Kreis ein voller Erfolg und wird sehr gut angenommen. Das ist kein Wunder, denn Digitalisierung ermöglicht schnellere Bearbeitungszeiten, weil gleichzeitig mehrere Stellen Zugriff auf die eingereichten Dokumente haben und Postwege entfallen. Das bringt viele Vorteile für Bauwillige und Architekturbüros und erleichtert auch die Arbeit innerhalb der zuständigen Behörden“, erklärt Landrat Thorsten Stolz.
Für dieses neue Online-Tool arbeitet die Bauaufsicht des Main-Kinzig-Kreises mit ekom21 zusammen – einem IT-Komplettanbieter von Softwarelösungen und Dienstleistungen für alle Kernbereiche von Kommunalverwaltungen. Haupttätigkeitsfeld von ekom21 ist neben der Softwareentwicklung der Betrieb von kommunalen Fachverfahren und Datenbanken. Um das weitere Vorgehen zu besprechen, trafen sich Steffen Schomburg, Leiter des Amtes für Planen, Bauen und Wohnen, der Leiter der Bauaufsichtsbehörde, Andreas Lenz, mit Simon Sauerbier von ekom21 - KGRZ Hessen und Björn Brecht von der Softwarefirma Softplan Informatik GmbH. Für die Technische Umsetzung im Projekt sind Bastian Kraiker und der Bachelor-Student Eric Schellhase von der Firma Softplan Informatik GmbH zuständig.
Gemeinsam mit dem Main-Kinzig-Kreis geht es nun unter anderem darum, wie Datensätze, die an ganz unterschiedlichen Stellen auf Bundes- und Landesebene „lagern“, digital so aufbereitet werden können, dass eine zentrale Online-Abfrage möglich wird. Die Daten, um die es dabei geht, sind raumbezogene Daten, die in Geoinformationssystemen (GIS) erfasst, verwaltet, analysiert und visualisiert werden. Geoinformationssysteme werden in vielen Bereichen genutzt, unter anderem in der Geografie, Umweltforschung, Archäologie, Kartografie aber auch Stadtplanung. Erfasst werden reale Objekte, etwa Flurstücke. Zwar arbeiten bereits alle Kommunen im Main-Kinzig-Kreis mit diesen Systemen und die Anwendung von derartigen Systemen nimmt rasant zu, es fehlt jedoch noch an Schnittstellen, um zentral auf diese Datensätze zugreifen zu können.
Werden alle vorliegenden Daten zusammengeführt, kann bei der Onlineabfrage bereits in Erfahrung gebracht werden, ob ein Bauantrag sich innerhalb der gültigen Bestimmungen für dieses Flurstück bewegt und ob über das Baurecht hinaus weitere fachspezifische Belange zu berücksichtigen sind – wie etwa Fragen zum Denkmalschutz, Fragen zu Altlasten oder ob das Gebäude zu nah an einem Gewässer geplant ist oder in einem Überschwemmungsgebiet liegt. Die Vorabprüfung soll klären, was tatsächlich gebaut werden darf, welche Wohn- oder Gewerbeflächen realisierbar sind, welche Schutzabstände zu Straßen und Bahnanlagen einzuhalten sind und welche Einschränkungen sich ergeben. Die Ergebnisse liegen in einer sehr frühen Planungsphase vor, so dass kosten- und zeitintensive Planungsänderungen in einer späten Projektphase vermieden werden können.
Die Pilotphase ist für alle Beteiligten ausgesprochen spannend. „Wenn Digitalisierungsprozesse konsequent und logisch fortgeführt werden, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, um die Arbeit innerhalb der Behörden effizienter zu gestalten und die Zusammenarbeit mit den Planungsbüros und Bauwilligen weiter zu vereinfachen und zu beschleunigen“, erklärt Simon Sauerbier und ergänzt: „Durch die Digitalisierung entsteht ein Mehrwert für alle. Wir stehen gerade erst am Anfang. Mit jedem neuen Schritt ergeben sich wieder weitere Entwicklungspotenziale.“ Fest steht: „Solche Projekte können nur umgesetzt werden, wenn zuvor alle Beschäftigten mit den digitalen Prozessen vertraut gemacht und gut geschult wurden“, betont Steffen Schomburg.
Der Main-Kinzig-Kreis arbeitet stetig an der Verbesserung bestehender digitaler Prozesse und setzt sich auch für die Neuentwicklung sinnvoller Softwarelösungen ein. Für das aktuelle Projekt wurde schon frühzeitig einiges in die Wege geleitet. Bereits im Frühjahr 2024 hat die Verwaltung damit begonnen, die Weichen für das heutige Projekt zu stellen, denn Digitalisierungsprozesse sind umfangreich. So müssen Datenquellen gefunden und bewertet, altes Kartenmaterial gesichtet und digitalisiert werden – derzeit ist beim Main-Kinzig-Kreis damit ein eigenes Team befasst. Hinzu kommt, dass das Projekt finanziert werden muss und die richtigen Projektpartner gefunden werden.
Gute Erfahrungen mit einem Online-Tool im Bereich Bauen hat der Main-Kinzig-Kreis bereits mit dem hessischen „Quick Check Bauantrag“ gemacht. Auch hier war die Bauaufsicht des Main-Kinzig-Kreises maßgeblich an der Entwicklung beteiligt und hatte das hessische Wirtschaftsministerium gemeinsam mit der Stadt Rüsselsheim unterstützt. Der Quick-Check Bauantrag hilft bei der Frage, ob für die Realisierung eines kleineren Bauvorhabens wie eine Garage, Carport, Gartenhaus oder Solaranlage überhaupt ein Bauantrag erforderlich ist oder nicht und was es sonst noch zu beachten gibt. Dafür genügen wenige Fragen, die online beantwortet werden. Das Ergebnis kann als Dokument heruntergeladen werden. Das aktuelle Pilotprojekt befasst sich nun mit den größeren Bauvorhaben und ist entsprechend anspruchsvoller. Es soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein und soll dann über das Bauportal des Landes Hessen den Planern und Bauwilligen zur Verfügung stehen.
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