Artenschutz auf Kreisebene

Insbesondere durch europarechtliche Vorgaben wie FFH- und Vogelschutzrichtlinie aber auch der Bundesartenschutzverordnung nimmt der Artenschutz in unserer Verwaltung einen höheren Stellenwert als in früheren Jahren ein.

Unser Ziel ist es, die hier heimischen wildlebenden Tier- und Pflanzenarten in ihrer Vielfalt zu schützen, ihre Lebensräume zu erhalten und zu entwickeln und bereits verdrängte Arten wieder in geeigneten Biotopen anzusiedeln.

Dieses Ziel verfolgen wir nicht nur bei den üblichen Vollzugsaufgaben im Zusammenhang mit Entscheidungen über (Bau)vorhaben, Artenschutzgenehmigungen und -befreiungen, Stellungnahmen und Verträglichkeitsprüfungen, Artenschutzanordnungen, der Wespen- und Hornissenberatung etc., sondern insbesondere auch durch die Initiierung von Projekten , die Steuerung öffentlicher Mittel, durch finanzielle Hilfen, die Mitwirkung in Arbeitskreisen oder das Bibermanagement .

Wenn Sie ein verletztes oder hilfloses wildes Tier entdecken, finden Sie Hilfe bei Auffang- und Pflegestationen.

Informationen zum Schutzstatus internationaler und nationaler Arten sind abrufbar in der Datenbank Wisia, Daten und Informationen zu Wildpflanzen und zur Vegetation Deutschlands finden Sie in der Datenbank FloraWeb.

Ausführlichere Informationen über streng geschützte Tiere in hessischen FFH-Gebieten erhalten Sie hier .

Mit dem Artenschutz werden immer wieder die Begriffe biologische Vielfalt oder Biodiversität in Verbindung gebracht. Die Biodiversität schließt die Vielfalt der Arten und Lebensräume aber auch die genetische Vielfalt innerhalb der einzelnen Tier- und Pflanzenarten ein. Diese Bereiche sind eng miteinander verknüpft und stehen in Wechselbeziehungen zueinander.

Wie viele Arten auf der Erde tatsächlich existieren weiß niemand. Schätzungen von Wissenschaftlern liegen zwischen 10 und 100 Millionen. Bekannt und beschrieben sind 1,7 Millionen, von denen aber nur ca. 77.340 Arten auf ihre Gefährdung hin untersucht werden.

Die Biodiversität nimmt weltweit kontinuierlich ab. Auf der Roten Liste bedrohter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) 2015 stehen bezogen auf die untersuchten Arten 20 % der Wirbeltiere, 24 % der Wirbellosen (Insekten, Mollusken etc.) und 54 % der Pflanzen. Seit dem Jahr 2000 verlängerte sich diese Liste um 11.741 Arten.

In Deutschland sind ca. 28.000 Pflanzen- und Pilzarten beheimatet und etwa 45.000 heimische Tierarten bekannt. Von den rund 14.000 untersuchten natürlich vorkommenden Farn- und Blütenpflanzen sind 36% in ihrem Bestand gefährdet und bereits 4 % ausgestorben bzw. verschollen. Von den knapp 16.000 untersuchten einheimischen Tierarten sind 44 % in ihrem Bestand bedroht; weitere 8 % sind ausgestorben oder verschollen.

Die Rote Liste der Biotoptypen in Deutschland weist 74 % aller 690 verschiedenen Lebensraumtypen als gefährdet oder sogar als akut von der Vernichtung bedroht (95) aus. Zwei Biotoptypen sind bereits vollständig vernichtet.

Zu den wichtigsten Gefahren für die biologische Vielfalt zählt das Bundesamt für Naturschutz :

  • die direkte Zerstörung von Lebensräumen durch z. B. den Bau von Siedlungen und Infrastruktureinrichtungen, Entwässerung oder die industrielle Landwirtschaft,
  • die Übernutzung und Degradierung von Lebensräumen durch z. B. Überweidung, Bodenerosion, Zerschneidung, Pestizideinsatz, Schadstoffeinträge, Gewässerverschmutzung sowie fehlender Nachhaltigkeit bei der Brennholznutzung, dem Tourismus/Fremdenverkehr, der Landwirtschaft, Fischerei und Jagd,
  • den Nutzungswandel einerseits durch Aufgabe von extensiv genutzten Flächen (z.B. fehlende Mahd oder Beweidung), andererseits durch Intensivierung der Bewirtschaftung (z.B. Grünlandumwandlung in Acker),
  • die Verbreitung gebietsfremder Arten (z.B. Riesen-Bärenklau oder Staudenknöterich),
  • den Klimawandel, an den sich Ökosysteme nicht so schnell anpassen können. Als Folge können isolierte Populationen oder Arten aussterben.

Der alarmierende Rückgang der biologischen Vielfalt ist weltweit zu beobachten. Die Völkergemeinschaft hat erkannt, dass das Problem sehr komplex ist und nicht durch isolierte Naturschutzaktivitäten gelöst werden kann, sondern eine weltweite Zusammenarbeit erfordert. Deshalb wurde die Biodiversitätskonvention oder das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) geschaffen und auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro 1992 beschlossen.

Das 1993 in Kraft getretene Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) ist ein international rechtsverbindlicher Vertrag, der inzwischen (Stand: Dezember 2013) 193 Vertragspartner hat und von 168 Staaten sowie der Europäischen Union unterzeichnet wurde.

Das Übereinkommen beinhaltet drei zentrale Ziele:

  • den Erhalt der biologischen Vielfalt
  • die nachhaltige Nutzung der Artenvielfalt
  • die ausgewogene und gerechte Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung genetischer Ressourcen

Alle zwei Jahre treffen sich die Vertragsstaaten zu einer internationalen Konferenz, um über die Ziele und Maßnahmen zu beraten. Mit dem 2000 beschlossenen Cartagena-Protokoll und dem 2010 verabschiedeten Nagoya-Protokoll existieren zwei völkerrechtlich verbindliche Abkommen, mit denen die Ziele der Konvention umgesetzt werden sollen.

Während das Cartagena-Protokoll den grenzüberschreitenden Handel und Umgang mit lebenden, gentechnisch veränderten Organismen regelt, stellt das Nagoya-Protokoll einen rechtlich verbindlichen Rahmen für den Zugang zu genetischen Ressourcen und den gerechten Vorteilsausgleich aus deren Nutzung dar.

Nachdem das 2010-Ziel der CBD, den derzeitigen Verlust der biologischen Vielfalt auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene signifikant zu reduzieren, nicht erreicht wurde, beschlossen die Vertragsstaaten in Nagoya zudem einen strategischen Plan 2011–2020 für den weltweiten Schutz der Biodiversität. Darin sind 20 messbare Ziele und Indikatoren definiert, die bis 2020 erreicht werden sollen. Außerdem wird gefordert, dass alle Länder eine nationale Biodiversitätsstrategie formulieren, in der sich diese Ziele widerspiegeln. Für Deutschland liegt bereits seit 2007 eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt vor.

Die biologische Vielfalt nimmt weltweit und auch in Deutschland stark ab. Um diesen überwiegend durch menschliches Handeln bedingten Rückgang aufzuhalten, haben die Vereinten Nationen das Jahr 2010 zum Jahr der Biologischen Vielfalt und das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen. Die Dekade unterstützt die Ziele und weltweiten Aktivitäten der Konvention über die Biologische Vielfalt (CBD), die in Deutschland in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt verankert sind.

Ziel der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011–2020 in Deutschland ist es, möglichst viele Menschen für den Schutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt zu begeistern. Am Ende des Jahrzehnts sollen mehr Menschen wissen, was biologische Vielfalt ist, warum wir sie brauchen und wie jeder etwas dazu beitragen kann, sie zu erhalten.