Beleuchtung im Kontext der biologischen Vielfalt

Im Rahmen des Projektes „Main-Kinzig-blüht“ wurden schon zahlreiche öffentliche Flächen von Kommunen in neue Lebensräume für die heimischen Tiere und Pflanzen verwandelt. Nachdem dieses Projekt so gut von den Kommunen angenommen wurde, stellt sich die Frage wie man weiterhin die biologische Vielfalt im besiedelten Bereich erhöhen kann. Am Tage sind die bisher angelegten Flächen gut sichtbar, sowohl für den Menschen, als auch für eine Vielzahl von Insekten und anderen Tieren. Doch was geschieht eigentlich bei „Dunkelheit“ also bei Nacht? Wie können wir die Vielfalt auch in der Nacht erhöhen und schützen?

Kleiner Fuchs auf einer Ackerwitwenblume

Durch die künstliche Beleuchtung unserer Städte und Dörfer nehmen wir einen großen Einfluss auf eines der stärksten Steuerelemente des Lebens – der Wechsel zwischen Tag und Nacht – Hell und Dunkel. In diesem Artikel möchten wir einen sehr komprimierten Einblick darüber bieten, welche Folgen künstliche Beleuchtung auf uns und unsere Umwelt hat. Des Weiteren jedoch auch einen Ausblick aufzeigen, welche Chancen uns neue Techniken bieten um verantwortungsvoller und nachhaltiger mit künstlicher Beleuchtung umzugehen.

Das menschliche Auge kann Licht mit einer Wellenlänge von 380 nm bis 780 nm wahrnehmen. Dazu verfügen wir über zwei unterschiedliche Typen an Sehzellen. Verantwortlich für das Farbensehen sind die Zapfen, diese sind Tagsüber aktiv. Sie weisen die stärkste Empfindlichkeit bei 424 nm, 530 nm und 560 nm auf., dies entspricht den drei obersten Ausschlägen der Abbildung 2. Weitere Sehzellen sind Stäbchen, diese sind für das Hell-Dunkel-Sehen verantwortlich und werden vor allem bei Dunkelheit aktiv. Die Wahrnehmung bei Insekten aber auch bei Vögeln beginnt schon bei 340 nm bzw. 370 nm. Dadurch sind sie imstande kurzwelliges, blaues Licht verstärkt wahrzunehmen.

Lichtempfindlichkeit der Augen bei Menschen und Insekten

Insekten im Scheinwerferlicht

Insektenschwärme an einer Lampe oder an einem Strahler, wie in Abbildung 3 konnte man früher häufig beobachten. Mit der modernen LED Beleuchtung gehören solche Bilder der Vergangenheit an. Das Dilemma für die Insekten bleibt jedoch. Aus dem Umland werden sie zu den künstlichen Lichtquellen gezogen. Dadurch fehlen sie nun in ihrem natürlichen Lebensraum und das Räuber-Beute-Verhältnis verschiebt sich. Außerdem nehmen sie das meist kurzwellige blaue Licht als unüberwindbares Hindernis wahr. Sie sind gezwungen sich am Rande des Lichtstrahls aufzuhalten um dort, im Grass oder in Sträuchern abzuwarten bis dieses Hindernis – der Lichtstrahl - verschwindet. Meist ist es jedoch der Fall, dass die Beleuchtung die ganze Nacht eingeschaltet ist. Dadurch sind viele Insekten gezwungen die ganze Nacht zu verharren wodurch sie ihrer eigentlichen nächtlichen Tätigkeit, nämlich dem fressen/bestäuben oder der Partnersuche, nicht nachkommen.

Insektenschwarm an einem Strahler

Künstliche Beleuchtung und die Wirkung auf den Menschen

Künstliche Beleuchtung beeinträchtigt jedoch nicht nur die Tierwelt, sondern auch uns Menschen. Unser Körper benötigt den natürlichen Hell- und Dunkelreiz um seine innere Uhr zu Takten. Diese innere Uhr steuert u. a. Hormone welche als Botenstoffe dienen, um Körperfunktionen zu steuern. Dazu zählen hierbei vor allem Melatonin, welches wir vereinfacht gesagt zum Schlafen benötigen. Ein weiteres Hormon ist Cortisol, ein Stresshormon, das uns fit für den Tag macht.

Das erste morgendliche Licht, welches einen erhöhten Blauanteil hat weckt den Körper auf, der Stoffwechsel wird angeregt, die Körpertemperatur steigt, die Serotonin Produktion wird erhöht. Im Tagesverlauf wird der Blauanteil einer natürlichen Beleuchtung geringer. Abends wird die Melato-nin Produktion angeregt. Dies verlangsamt den Stoffwechsel, die Körpertemperatur sinkt, Wachs-tumshormone werden ausgeschüttet um Zellen zu reparieren und zu regenerieren. Die Produktion des Stresshormons Cortisol wird eingestellt. Für diese Vorgänge ist eine Taktung der inneren Uhr sehr wichtig. Dafür ist es notwendig sich weitestgehend dem natürlichen Hell-/ Dunkelrhythmus anzupassen. Dabei spielen Lichtfarbe (Blauanteile in der Beleuchtung), Lichtmenge (Luxangaben) und Lichtdauer (Beleuchtung in der Nacht) eine große Rolle.

Empfehlungen für eine nachhaltige Beleuchtung

Durch die Entwicklung der LED ist Beleuchtung energieeffizienter und kostengünstiger geworden. Dies mag einer der Gründe sein, warum man immer mehr beleuchtete Freiflächen, mehr als taghell erleuchtete Parkplätze oder angestrahlte Gebäude vorfindet. Die Beleuchtung wird vieler Orts übermäßig eingesetzt und steht oft in keinem Verhältnis zu dem gewünschten Zweck der Beleuch-tung. Durch Beachtung 4 einfacher Punkte ist es jedoch im Handumdrehen möglich Beleuchtung Insektenfreundlicher zu gestalten.

Der erste Punkt ist die Leuchtdauer. Dabei muss man sich die Frage stellen ob die Beleuchtung die ganze Nacht in Betrieb sein muss. Abhilfe können in diesem Fall Dimm-Funktionen oder Bewegungsmelder schaffen. Dabei sollen die folgenden Punkte ebenfalls Beachtung finden. Ein weiterer Faktor ist das Zielgerichtete Leuchten. Dabei achtet man darauf nur das Objekt anzuleuchten welches beleuchtet sein soll, als Beispiel die Haustüre oder den Fußgängerweg und nicht das Nachbargrundstück oder den Himmel. Wenn man voll abgeschirmte Leuchten verwendet mit einem ULR „upward light ratio“ von 0% ist eine Lichtlenkung am besten zu gewährleisten.

Beim Kauf des Leuchtmittels sollte man darauf achten eine warmweiße Lichtfarbe zu nutzen wel-che 3.000 K nicht übersteigt. Ebenso ist auf eine geringe Lichtmenge zu achten, diese richtet sich nach der benötigten Beleuchtungsstärke und wird in Lux angegeben. Welchen Unterschied es macht, wenn man diese Empfehlungen umsetzt sieht man anhand der Abbildungen 4 und 5. Abbil-dung 5 stellt eine Beleuchtungssituation mit 3.000 K dar. Eine Lichtfarbe welche weniger als 3.000K hat wäre jedoch wünschenswert.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die meisten Menschen künstliche Beleuchtung mit ei-nem hohen Blauanteil, sowie eine zu hohe Beleuchtungsstärke als störend empfinden. Darüber hinaus wirkt es sich negativ auf unsere innere Uhr aus. Da Insekten kurzwellige Beleuchtung mit einem hohen Blauanteil sehr viel stärker wahrnehmen, sind diese weit mehr davon beeinträchtigt.

Blendende, überbeleuchtete Parkplatzsituation

Nicht blendende, ausreichende Parkplatzbeleuchtung

Wer sich dazu entscheiden möchte, seine Außenbeleuchtung nachhaltig zu verbessern kann sich an den Abbildungen 6 bis 9 orientieren. Abbildung 6 und 8 zeigen und beschreiben die häufigsten Feh-ler privater und gewerblicher Beleuchtung. Die Abbildungen 7 und 9 veranschaulichen Verbesse-rungsvorschläge.

Darstellung einer privaten Freifläche mit mangelhafter Beleuchtung

Darstellung einer privaten Freifläche mit nachhaltiger Beleuchtung

Darstellung einer gewerblichen Fläche mit mangelhafter Beleuchtung

Darstellung einer gewerblichen Freifläche mit optimierter Beleuchtung

weitere Informationen zu nachhaltiger Beleuchtung

 Kontakt/Ansprechpartnerin

Frau Barbara Fiselius
Landschaftspflegeverband MKK e.V.
Georg-Hartmann-Straße 5-7
63637 Jossgrund - Burgjoß
Tel. 06059 / 90 66 88
E-Mail: barbara.fiselius@lpv-mkk.de