Fakten und Hintergründe

Die Corona-Pandemie wirft viele Fragen auf. Diese Rubrik bereitet Informationen rund um die neue Lungenkrankheit auf und bildet den momentanen Stand des Wissens ab. Wer es noch genauer wissen will, findet Links zu weiterführenden Seiten und Materialien.

Die tagesaktuellen Zahlen der dem Gesundheitsamt bekannten Infizierten im Main-Kinzig-Kreis finden Sie in der neuesten Pressemitteilung, die abends auf der Startseite www.mkk.de veröffentlicht wird.

Coronavirus-Tests und Fallzahlen

Über die sozialen Medien verbreiten sich derzeit allerlei Gerüchte und Spekulationen. Hintergrund ist dabei oftmals, dass nach allgemeiner Einschätzung zu wenig getestet werde oder die Fallzahlen nicht vertrauenswürdig seien. Die unterschiedlichen Zeitpunkte der Veröffentlichung auf Bundes-, Landes- und Kreisebene sind dabei häufig nicht leicht verständlich und unterstützen vermeintlich die Zweifel.

Als untere Gesundheitsbehörde gibt einzig der Kreis die Zahlen für alle hiesigen Städte und Gemeinden bekannt. Der Main-Kinzig-Kreis führt die Testungen auf das Coronavirus nicht durch, das macht die Kassenärztliche Vereinigung.

Dem Gesundheitsamt sind, Stand 7. Juli, 810 Fälle von Coronavirus-Infektionen aus dem Main-Kinzig-Kreis gemeldet worden. Das umschließt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht alle Erkrankungsfälle. In manchen Fällen können die Symptome derart milde in Erscheinung treten, dass der Betroffene von einer normalen Erkältung ausgeht und einfach so zu Hause bleibt. Mittlerweile empfehlen die Gesundheitsbehörden aber allen, die selbst eher leichte Symptome haben, dies medizinisch abklären zu lassen. Doch ganz gleich, um welche Hintergründe es sich letztlich handelt: Jeder sollte bis zur Klärung zu Hause bleiben, die sozialen Kontakte drastisch herunterfahren und sich vollständig auskurieren.

Die vom Main-Kinzig-Kreis herausgegebenen Zahlen basieren auf den von den Testlaboren an das Gesundheitsamt gemeldeten positiven Testergebnissen. Diese werden einmal täglich veröffentlicht. Damit ist sie bei hoher Testfrequenz insofern belastbar, als sie über einen Zeitraum von mehreren Tagen einen deutlichen Trend abbilden kann. Sie bildet aber sicher nie zu hundert Prozent alle Covid-19-Fälle in einer Region ab. Je höher die Zahl der Tests und der Testfrequenz, desto klarer lassen sich diese Trends ablesen. Der Main-Kinzig-Kreis hat dies über Wochen hinweg gefordert, mit nun dem Ergebnis, dass in der Tat mehr getestet wird. Die Entscheidung lag und liegt nicht in der Hand des Kreises, sondern bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

Nein. Von der Verfügbarkeit des Testmaterials und der Laborkapazitäten einmal abgesehen macht es fachlich wenig Sinn. Wer sich möglicherweise infiziert, aber noch keine bemerkbaren Symptome entwickelt hat, bei dem sind die Testergebnisse höchst unsicher. In sensiblen Bereichen indes ordnet das Gesundheitsamt in der Tat vorsorgliche Testungen in größere Zahl an, etwa bei einem Ausbruch in einer Pflegeeinrichtung oder auf einer bestimmten Station.

Das lässt sich nicht genau sagen. Im Vergleich zu anderen Staaten schätzt das Robert-Koch-Institut die sogenannte Dunkelziffer für Deutschland als deutlich geringer ein. Das hänge mit den frühzeitigen Testungen und der vergleichsweise hohen Zahl an Coronatests zusammen. Klar ist aber: Nicht jeder Infizierte entwickelt Symptome und hat sich entsprechend freiwillig selbst häuslich isoliert. Die seit Kurzem in Kraft getretenen Verordnungen und Allgemeinverfügungen von Bundesregierung, Landesregierung sowie des Main-Kinzig-Kreises, zuletzt die bundeseinheitliche Kontaktbeschränkung für den öffentlichen Raum, haben aber praktisch genau das zum Ziel: viele jener zu erreichen und an sozialen Kontakten zu hindern, die das Virus in sich tragen und weitergeben könnten, selbst aber kaum Erkältungssymptome zeigen. Das Virus behält allerdings seine Eigenschaften und damit auch sein bedrohliches Potenzial für ältere Menschen und Vorerkrankte. Insofern gibt die Belegungszahl in Krankenhäusern einen Hinweis über die Verbreitung in der Bevölkerung. Diese Zahl war im Main-Kinzig-Kreis selbst Ende März, Anfang April eher konstant und ist zuletzt deutlich rückläufig gewesen.

Jede Patientin und jeder Patient, wo es medizinisch und epidemiologisch notwendig ist, wird getestet, nicht nur im Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung, sondern auch in Kliniken und bei niedergelassenen Ärzten. Die Frequenz der Tests ist seit März deutlich erhöht worden, auch durch Unterstützung des Main-Kinzig-Kreises, der etwa den Aufbau von „Infektsprechstunden“ befördert hat, mit denen der medizinische Bereich und die Abklärung von „grippigen Patienten“ gestärkt werden konnte. Zuständig für die Testungen bleibt aber die Kassenärztliche Vereinigung.

Ja. Das ist gerade bei wieder gelockerten Auflagen wichtig, um die Infektionszahlen nicht schnell und gravierend wieder ansteigen zu lassen. Genau wie in den Hoch-Zeiten der Pandemie im Frühjahr kommt es somit stark auf die Eigenverantwortung des Einzelnen an, was aber im Übrigen für jede ansteckende Krankheit gilt. Es ist das Wichtigste, dass sich eine Person, die sich krank fühlt, von anderen fernhält, die Symptome abklären lässt und so lange zu Hause bleibt. Das ist vor allem als vorsorglicher Schutz gedacht: Nicht jedes Krankheitsgefühl ist gleich Covid-19.

Der Main-Kinzig-Kreis gibt bekannt, wenn und wie viele Menschen aus der häuslichen Isolierung entlassen wurden. Das war schon beim ersten Fall aus Hanau so, der am 3. März gemeldet wurde. Zunächst erfolgt aber über das Gesundheitsamt in jedem Fall eine fachliche Einschätzung des gesundheitlichen Zustands. Sind die Erkältungssymptome noch nicht gänzlich auskuriert, wird die häusliche Isolierung verlängert. Insofern kann die gemeldete Zahl der Coronavirus-Fälle von 14 Tagen zuvor von der tagesaktuellen Zahl jener Fälle abweichen, die offiziell wieder in den normalen Alltag entlassen werden. So erklärt sich die mitunter deutliche Diskrepanz zu den Zahlen anderer Stellen, die sich an der 14-Tage-Faustregel orientieren.

Die Statistiken gehen in der Tat auseinander. Der Hauptgrund liegt darin, dass Genesene nicht gemeldet werden müssen, im Gegensatz zu neuen laborbestätigten Fällen und Sterbefällen. Es gibt bundesweit kein „Zentralregister“, aus dem sich alle Statistiker bedienen, wenn sie eine „Genesenen-Quote“ wiedergeben wollen. Da behelfen sich viele mit der 14-Tage-Faustregel. Wer 14 Tage vorher als krank gemeldet worden ist, müsste demnach heute gesund sein. Ganz so einfach ist es aber nicht. Viele Menschen zeigen auch nach 14 Tagen noch Symptome und können ansteckend sein. Der Main-Kinzig-Kreis geht daher sehr sensibel bei der Abklärung vor und verlängert im Zweifel eher die häusliche Isolierung. Eine wünschenswert höhere Zahl an Genesenen in kürzerer Zeit wird damit zwar nicht erreicht, aber eine erfolgreichere Eindämmung und Verlangsamung der Pandemie.

Die Definition des Robert-Koch-Instituts ist hier leitend. In dessen Statistik werden die Covid-19-Todesfälle gezählt, „bei denen ein laborbestätigter Nachweis des Coronavirus vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind“. Das RKI unterscheidet die Sterbefälle nicht im Detail und begründet das so: Das Risiko an Covid-19 zu sterben sei bei Personen mit bestimmten Vorerkrankungen höher. „Daher ist es in der Praxis häufig schwierig zu entscheiden, inwieweit die Sars-CoV-2-Infektion direkt zum Tode beigetragen hat. Sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind (,gestorben an‘) als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit Sars-CoV-2 infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die Todesursache war (,gestorben mit‘) werden derzeit erfasst.“ Der Main-Kinzig-Kreis hält es genauso und formuliert daher in seinen Mitteilungen die Sterbefälle „im Zusammenhang mit Covid-19“.

Bei den ersten einzelnen Fällen war das hessenweit noch üblich, ja. Der Main-Kinzig-Kreis ist ähnlich vorgegangen, obwohl der Nachrichtenwert des Geschlechts und des Alters eher gering war. Natürlich besteht für Ältere ein höheres Risiko, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln, aber davor sind Jüngere nicht vollends gefeit. In den vergangenen Wochen entstand ein neues Phänomen, die „Suche nach dem Patienten in der Nachbarschaft“. Der Main-Kinzig-Kreis wurde vielfach aufgefordert, konkrete Krankheitsverläufe, Vorerkrankungen, Bewegungsprofile der 14 Tage zuvor sowie nähere Ortsangaben zu den Infizierten zu machen. Eine sehr spezielle Neugier, die nicht noch weiter befeuert werden sollte.

Badesaison in Corona-Zeiten

Seit 15. Juni dürfen in Hessen die Schwimmbäder wieder öffnen. Die Kommunen entscheiden in Eigenregie, wann und unter welchen Einschränkungen sie den Badebetrieb ermöglichen. Vereine und Kurse sind in den Bädern bereits seit 1. Juni wieder erlaubt.

Doch wie sieht es mit den Risiken aus? In gechlortem Badewasser sind Schwimmer offenbar sicher. Nach Aussage der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) deuten alle vorliegenden Erkenntnisse darauf hin, dass Viren durch das Chlor im Wasser abgetötet werden. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat keine Hinweise darauf, dass das Sars-CoV-2-Virus über den Wasserweg übertragen wird. Daher bestehe „in Schwimmbädern kein größeres Ansteckungsrisiko als in anderen Einrichtungen auch“, so die DGfB.

Das Umweltbundesamt (UBA) geht ebenfalls davon aus, dass „Wasser keinen relevanten Übertragungsweg“ für das Sars-CoV-2-Virus darstellt. Die Reinigung und Desinfektion im Schwimmbad müsse jedoch strikt eingehalten werden. Grundsätzlich gehe von Bädern mit biologischer Aufbereitung verglichen mit konventionell aufbereiteten Bädern (in der Regel mit Chlor) ein höheres Infektionsrisiko aus. Darauf sollten Badegäste hingewiesen werden.

Auch in Badegewässern wie Seen sind nach Einschätzung des UBA keine Viruskonzentrationen zu erwarten, die zu einer Infektion führen können. Zwar sei es möglich, dass infizierte Personen Coronaviren in Badegewässer eintragen. Eine Ansteckung auf diesem Weg hält das Amt aber für äußerst unwahrscheinlich. Grundsätzlich sollten aber Menschen, die an einem akuten Infekt der Atemwege oder an einer Durchfallerkrankung leiden, nicht baden, um andere Badende nicht zu gefährden.


Weitere Informationen:

Deutsche Gesellschaft für das Badewesen: https://www.baederportal.com/aktuelles/details/coronavirus-umgang-im-oeffentlichen-badbetrieb-1582804800/

Stellungnahme Umweltbundesamt

Umweltbundesamt Badegewässer

Verhindern Schutzmasken eine Ansteckung mit Sars-CoV-2?

Experten sind sich einig, dass ein einfacher Mund-Nasen-Schutz, wie er vom medizinischen Personal in Kliniken und Altenheimen getragen wird, oder eine selbstgefertigte Maske nicht vor einer Ansteckung des Maskenträgers mit den sehr kleinen Viren schützt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigt, dass eine einfache Maske das Risiko verringern kann, andere anzustecken, „weil sie die Geschwindigkeit der Tröpfchen, die durch Husten, Niesen oder Sprechen entstehen“ reduziere. Sie dient also dem Fremd-, nicht dem Eigenschutz. Wichtig ist, dass die Maske eng anliegt und gewechselt wird, wenn sie durchfeuchtet ist. Der effektivste Schutz vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 ist allerdings nach wie vor die Selbstisolierung bei Erkrankung, eine gute Handhygiene, Husten und Niesen in die Armbeuge oder ein Taschentuch und das Abstandhalten (mindestens anderthalb Meter).

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung als einen zusätzlichen Baustein, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus zu verringern – insbesondere in Geschäften oder dem Nahverkehr, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Durch eine „textile Barriere“ können infektiöse Tröpfchen, die man beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, abgefangen werden. Das Risiko, eine andere Person anzustecken, kann so verringert werden. Gesichtsvisiere aus Plexiglas können dagegen laut RKI lediglich die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen. Belege für eine gleichwertige Schutzwirkung wie bei der eng anliegenden Alltagsmaske lägen nicht vor.

Für einen Eigenschutz gibt es dagegen keine Hinweise. Das Tragen einer einfachen Mund-Nase-Bedeckung kann sogar ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln und dazu führen, dass Hygieneregeln und Abstandhalten vernachlässigt werden. Frank Ulrich Montgomery hält die Pflicht zum Tragen von Masken für falsch. Inzwischen gilt eine solche Pflicht bundesweit für Geschäfte und den Nahverkehr. Der Präsident des Weltärztebundes warnt eindringlich vor unsachgemäßem Gebrauch. Im Stoff konzentriere sich das Virus. Beim Abnehmen berühre man die Gesichtshaut. Schneller könne man sich kaum infizieren, so Montgomery. Eine Studie der Bundeswehr-Universität München bestätigt den mangelhaften Eigenschutz von Alltagsmasken. Mit Strömungsexperimenten wurde untersucht, was passiert, wenn jemand hustet oder niest. Das Ergebnis: Ein einfacher Mund-Nase-Schutz kann die Ausbreitung der Tröpfchen im Raum deutlich begrenzen. Einer nicht infizierten Person hingegen bietet er nahezu keinen Schutz, wenn sie sich in einer mit Viren kontaminierten Umgebung aufhält und einatmet.

Für medizinisches Personal gedacht sind Atemschutzmasken des Typs FFP2 und FFP3 (Filtering Face Pieces). Sie haben ein Atemventil und schützen vor Tröpfchen und Flüssigkeitsnebel (Aerosole), die die Coronaviren transportieren. Verwendet werden sie von Klinikpersonal im Hochrisikobereich bei direktem Kontakt mit infizierten Patienten, um sich nicht selbst anzustecken. Die Masken müssen die Norm DIN EN 149 erfüllen.


Weitere Informationen:

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Robert-Koch-Institut
Universität der Bundeswehr

Wie gefährlich ist das Virus?

Das Virus Sars-CoV-2 ruft die Lungenkrankheit Covid-19 (Abkürzung für: Corona virus disease 2019) hervor. Es ist neu für das menschliche Immunsystem, deshalb werden sich viele Menschen damit anstecken. Experten gehen über einen längeren Zeitraum von bis zu 70 Prozent der Bevölkerung aus. Wie gefährlich das Coronavirus ist, darüber streiten sich die Wissenschaftler. Die Infektion verläuft in den meisten Fällen mild, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Für die meisten Menschen ist sie nicht lebensbedrohlich. Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen haben allerdings ein erhöhtes Risiko für schwerere Verläufe (siehe unten: „Wer ist besonders gefährdet?“). Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) endet eine Ansteckung mit dem Virus häufiger tödlich als die Grippe. Die genaue Sterberate werde man aber erst nach dem Ende der Epidemie sehen, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler in Berlin. Todesfälle gab es bisher vor allem bei Patienten, die älter waren, an chronischen Erkrankungen litten beziehungsweise ein geschwächtes Immunsystem hatten. Wenn die Krankheit milde oder sogar ohne Symptome verläuft, können allerdings auch Krankheitsfälle übersehen werden und das Virus wird dann unbemerkt von Infizierten an weitere Menschen übertragen. Das Virus verbreitet sich leicht, durch Tröpfcheninfektion, ist also sehr ansteckend.

Daher ist es so wichtig, verstärkt auf Abstand und Hygiene zu achten ( Hygieneregeln ). Es gilt, sich selbst und andere vor einer Ansteckung zu schützen, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, damit nicht zu viele schwer Erkrankte gleichzeitig das Gesundheitssystem überfordern.

Eine Corona-Infektion äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch Symptome wie Fieber über 38 Grad, Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit sowie Kratzen im Hals. Bei einigen Personen kommt es zu einem vorübergehenden Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes, dessen Ursache derzeit erforscht wird.

Das neue Virus Sars-CoV-2 stammt offenbar von einem Markt im chinesischen Wuhan, wo es vermutlich Anfang Dezember 2019 von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung von Covid-19 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts handelt es sich weltweit und in Deutschland um „eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation“. Das Gesundheitsrisiko für die hiesige Bevölkerung stuft das RKI als „hoch“ ein.

Wer ist besonders gefährdet?

In den meisten Fällen verläuft die Infektion mit dem Coronavirus Sars CoV-2 mild, oft sogar ohne Symptome. Allerdings gibt es einige Personengruppen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben. Das sind ältere Menschen, insbesondere Hochbetagte, Raucher und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen:

  • des Herzens (zum Beispiel koronare Herzerkrankung)
  • der Lunge (zum Beispiel Asthma, chronische Bronchitis)
  • Patienten mit chronischen Lebererkrankungen
  • Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Patienten mit einer Krebserkrankung
  • Patienten mit geschwächtem Immunsystem (zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie zum Beispiel Cortison).

Um diese Menschen zu schützen, sollte jeder und jede derzeit Händeschütteln oder Küsschen zur Begrüßung unbedingt vermeiden und generell ein bis zwei Meter Abstand halten – so wie im Übrigen auch bei jeder Grippewelle. Kontakt zu Familienmitgliedern und Freunden kann man auch per Telefon oder Mail halten – oder ganz altmodisch mal wieder einen Brief schreiben.

Hinweise zur Prävention und zum Management von Erkrankungen in Alten- und Pflegeheimen:

Wird das Virus übertragen, wenn wir Bargeld, Kartenterminals, Türklinken, Smartphones oder Griffe von Einkaufswagen berühren?

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 kann grundsätzlich durch Niesen oder Husten einer infizierten Person auf Oberflächen gelangen und eine Zeit lang überleben. Bis dato sind keine Fälle nachgewiesen, bei denen sich Menschen durch den Kontakt zu Gegenständen, an denen das Virus haftet, angesteckt haben. Die Überlebensfähigkeit der Coronaviren in der Umwelt ist recht gering. Denkbar sind allerdings Schmierinfektionen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Corona kontaminiert wurden – etwa wenn eine infizierte Person direkt auf eine Türklinke geniest oder gehustet hat. Fasst man diese Klinke unmittelbar danach an und greift sich dann an Nase oder Augen, könnten Erreger aufgenommen werden. Deshalb ist es so wichtig, sich nicht ins Gesicht zu fassen und die Hände regelmäßig gründlich zu waschen ( Hygieneregeln ).

Nach starker Kontamination kann das Sars-CoV-2-Virus nach Aussage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bis zu drei Stunden als Aerosol (Flüssigkeitsnebel in der Luft), bis zu vier Stunden auf Kupferoberflächen, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu zwei bis drei Tage auf Edelstahl und Plastik überleben. Allerdings beruhen diese Angaben auf Untersuchungen unter Laborbedingungen. Dem BfR sind bisher keine Corona-Infektionen über diesen Übertragungsweg bekannt geworden.

Von einer Verpflichtung zur regelmäßigen Desinfektion von Einkaufswagen, Kartenterminals oder Kassenbändern im Lebensmitteleinzelhandel sehen die Behörden des Main-Kinzig-Kreises gegenwärtig ab. Eine Flächendesinfektion muss von geschultem Personal durchgeführt werden und der Effekt hält nur kurz an, bis die nächste Person die Fläche berührt. Es würde unverhältnismäßig viel Desinfektionsmittel verbraucht: Das ist giftig und der Nutzen völlig unklar. Außerdem wird das Personal in den Geschäften dringend an den Kassen gebraucht und um Lebensmittel bereitzustellen. Statt Desinfektionsmittel ist konsequentes Händewaschen das wesentlich wirksamere Mittel, um sich zu schützen.

Fragen und Antworten des BfR

Können sich Haustiere mit Corona anstecken und Menschen infizieren?

Je nach Tierart ist das nicht völlig auszuschließen. Es gibt aber keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Haustiere das Virus weitergeben, also bei der Entwicklung der Corona-Pandemie eine Rolle spielen. Darauf weist das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hin. Das FLI ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

Studien aus China haben gezeigt, dass sich bei Katzen im dortigen Epidemie-Gebiet Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 nachweisen ließen, berichtet das FLI. In weiteren Studien ließen sich Katzen experimentell infizieren und gaben das Virus auch an andere Katzen weiter. Zudem, so das Loeffler-Institut, wurden in verschiedenen Ländern mehrere Hauskatzen aus von Covid-19 betroffenen Haushalten sowie in den USA Tiger und Löwen aus einem Zoo positiv auf Sars-CoV-2 getestet.

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass sich „empfängliche Haustiere durch engen Kontakt mit infizierten Personen“ anstecken, so das Friedrich-Loeffler-Institut. Katzen und Frettchen scheinen eher empfänglich für das Virus zu sein als etwa Hunde. Allerdings gibt es laut FLI bisher keine Hinweise darauf, dass Haustiere Sars-CoV-2 auf den Menschen übertragen – auch Katzen oder Frettchen nicht. Die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) hält das Übertragungsrisiko vom empfänglichen Haustier auf den Menschen ebenfalls für gering.

Bestätigt infizierte Personen sollten den engen Kontakt mit ihrem Haustier möglichst vermeiden, sich zum Beispiel nicht durchs Gesicht schlecken lassen und die Hygieneregeln beachten. Haustiere, die mit einem infizierten Menschen im selben Haushalt leben und daher wahrscheinlich dem Virus ausgesetzt waren, sollten während der häuslichen Quarantäne des Menschen ebenfalls daheim bleiben. Am besten kümmert sich ein anderes Haushaltsmitglied um das Tier oder man bittet Verwandte, Freunde oder Nachbarn um Hilfe bei der Versorgung des Haustieres.

Empfehlungen für den Umgang mit "empfänglichen Haustieren" spricht das Friedrich-Löffler-Institut an dieser Stelle aus .

Weitere Hinweise zu Haustieren und Corona finden sich auf der >>Website des Friedrich-Löffler-Instituts .

Was tut der Landkreis zur Bekämpfung der Corona-Pandemie?

Die 21 Landkreise und fünf kreisfreien Städte spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen das neuartige Coronavirus in Hessen. Nachdem am 28. Februar 2020 mit einem Fall aus dem Lahn-Dill-Kreis die erste Person in Hessen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden war, veranlasste der Main-Kinzig-Kreis wie alle anderen Landkreise und kreisfreien Städte mit Test- und Quarantäne-Maßnahmen und Veranstaltungsverboten die ersten Regelungen im Kampf gegen die Pandemie. Die hessische Landesregierung erließ dann bis Anfang April sechs Verordnungen nach dem Infektionsschutzgesetz mit einer ganzen Reihe von Verboten, die das öffentliche Leben fast zum Erliegen brachten: von der Einstellung des Schul- und Kitabetriebs über die Schließung von Geschäften, Gaststätten und Sportanlagen bis zum Kontaktverbot und einem Bußgeldkatalog, mit dem Verstöße geahndet werden. Mitte April wurden erste Lockerungen beschlossen.
Die Landkreise müssen all diese Regelungen durchsetzen. Insbesondere die Gesundheitsämter haben zusätzliche Aufgaben zu schultern. Sie informieren über positive Testergebnisse, veranlassen häusliche Isolierung, machen Kontaktpersonen ausfindig und vieles mehr.

Die Kreisverwaltungen stellten zunächst auf Online-Service um und begannen mit der umfassenden Aufklärung und Beratung der Bevölkerung. Der Main-Kinzig-Kreis etablierte das CoroNetz auf mkk.de als hilfreiche Internet-Plattform, auf der die notwendigen Informationen gebündelt werden.

Zur Unterstützung des Einzelhandels initiierten die Wirtschaftsförderung und die Pressestelle des Kreises den digitalen „Marktplatz“ auf CoroNetz, auf dem sich Geschäftsleute und Gastronomen mit Lieferservice eintragen können. Ein Verwaltungsstab unter Federführung von Landrat Thorsten Stolz tagt zweimal täglich, um die Lage zu besprechen. Mit dabei sind unter anderen Gesundheitsamt, Gefahrenabwehr und Polizei, Kliniken und Pressestelle.

Die Kreiskliniken in Gelnhausen und Schlüchtern, aber auch die nicht in Trägerschaft des Kreises betriebenen Krankenhäuser in Hanau (städtisches Klinikum und katholisches St. Vinzenz-Krankenhaus) stellten sich auf Covid-19-Patienten ein. Die Zahl der Intensivbetten und Beatmungsgeräte wurde ausgeweitet. Die Leitstelle steuert den Transport von schwer am Coronavirus erkrankten Patienten in die jeweils geeignete Klinik. Der Main-Kinzig-Kreis rief alle Unternehmen auf, Schutzmaterial für das medizinische und pflegerische Personal zu spenden. Das Gefahrenabwehrzentrum verteilt es dorthin, wo es am nötigsten gebraucht wird.

Der geschäftsführende Direktor des Hessischen Landkreistages, Jan Hilligardt, hat die Aufgaben der Landkreise in der Coronakrise in einer >>Übersicht zusammengestellt.