Main.Kinzig.Blüht.Netz

Der Main-Kinzig-Kreis hat gemeinsam mit dem Landschaftspflegverband MKK e.V. und weiteren Verbänden mit einer Initiative zur Schaffung von Blühflächen im Siedlungsbereich in den letzten vier Jahren bereits dafür gesorgt, dass zahlreiche Flächen ökologisch aufgewertet wurden. Unter dem Titel „Main.Kinzig.Blüht.Netz“ startet nun ein neues Projekt, welches auf die bisherigen Aktivitäten im Natur- und Insektenschutz aufbaut. Hierbei können alle unterstützen: Kommunen, Landwirtschaft, Naturschutz, Vereine, Privatpersonen und viele mehr. Das Vorhaben wird bis Dezember 2025 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

Im Rahmen des Projekts werden 500 Flächen in insektenfreundlichen Lebensraum umgewandelt, indem kompetente Projektmitarbeitende den Personen, die geeignete Flächen besitzen, verwalten oder bewirtschaften beratend zur Seite stehen. Darüber hinaus werden ehrenamtliche „Blühbotschafterinnen und Blühbotschafter für die Insektenvielfalt“ ausgebildet und mehr Naturbewusstsein sowie Akzeptanz für „wildere Flächen“ in der Bevölkerung aufgebaut.

Unter www.mainkinzigbluehtnetz.de erfahren Sie mehr über das Projekt und wie Sie den Insekten- und Naturschutz im Kreisgebiet unterstützen können.“

Für mehr biologische Vielfalt vor der Haustür

Die Idee zu dem Projekt „Main-Kinzig blüht“ ist bereits 2015 unter Federführung der Unteren Naturschutzbehörde und des Landschaftspflegeverbandes entstanden und auf den Weg gebracht worden. Im Mittelpunkt steht das Ziel, die Biodiversität im besiedelten Bereich zu erhöhen und eine größere Vielfalt an einheimischen Pflanzen und wildlebenden Insekten auf öffentlichen und privaten Grünflächen zu erwirken. Schon ein Jahr später starteten die Aktivitäten „Jossgrund summt“ und „Maintal blüht“, weitere Maßnahmen in anderen Kommunen folgten. Im März 2016 wurde zudem am Main-Kinzig-Forum eine große Wildblumenwiese (Bild siehe oben) angelegt. Mit der Förderung durch das Land Hessen für die Jahre 2018 und 2019 kann die Arbeit im Projekt „Main-Kinzig blüht“ nun intensiviert werden. So sollen Beschäftigte der Kommunen, insbesondere der Bau- und Betriebshöfe durch Fachleute entsprechend geschult werden. Darüber hinaus sollen Gewerbebetriebe und Privatpersonen motiviert werden, ihre Grünflächen und Gärten ebenfalls vielfältiger und insektenfreundlicher zu gestalten. Es sind außerdem Vorträge, Exkursionen und Pressearbeit vorgesehen. 2019 wurde „Main-Kinzig blüht“ als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Logo Main-Kinzig blüht

Beispiele aus der Praxis

Es summt und brummt am Main-Kinzig-Forum: 2016 ist auf einer Fläche hinter der Kreisverwaltung ein reicher Lebensraum für Insekten erstellt worden; inzwischen sieht man das dazugehörige Motto „Main-Kinzig blüht“ mit Leben erfüllt. Mit eigenem Beispiel ist der Main-Kinzig-Kreis rund um sein Gelnhäuser Verwaltungsgebäude vorangegangen und hat zusammen mit dem BUND hinter dem Main-Kinzig-Forum eine größere Rasenfläche in eine artenreiche Blumenwiese umgewandelt,

Hinter dem Main-Kinzig-Forum befand sich vorher eine intensiv genutzte Rasenfläche, die regelmäßig in der Vegetationszeit gemäht wurde. Der artenarme Intensivrasen stellte damals keinen ökologisch wertvollen Bereich dar. Daher wurde ein Teil der Rasenfläche von ca. 600m² in eine extensiv genutzte Blumenwiese umgewandelt. Vor dem Hintergrund, dass direkt angrenzend ein Altarm der Kinzig die Wiesenfläche berührt, konnte im Rahmen der Vernetzung eine erhebliche Aufwertung des Geländes erfolgen.

Die Maßnahme wurde wie folgt ausgeführt:

  • Aufbringen von nährstoffarmer Steinerde (0/8)
  • Einbringen einer geringen Humusauflage
  • Einsaat mit einer kräuterreichen, naturnahen und standortgerechten Samenmischung
  • Pflanzung von 500 einheimischen und standortgerechten Stauden

Die Pflege erfolgt durch zweimalige Mahd nicht vor der Samenreife. Das Material wird abgeräumt und ordnungsgemäß entsorgt. Es erfolgt keine Düngung und kein Pestizideinsatz.

Die Aufwertung für den Naturhaushalt ergibt sich aus der aufwendigen Herrichtung der Fläche mit nährstoffarmer Steinerde, die bereits ab dem ersten Jahr mit einem besonders hochwertigen Blühaspekt aufwarten konnte. Die nachfolgende Pflege gewährleistet die Erhaltung des Blütenreichtums und wird in Verbindung mit dem Altarm der Kinzig einen Trittstein zum Auenbereich des Landschaftsschutzgebietes „Auenverbund Kinzig“ für viele blütenbesuchende Insekten darstellen. Ein Insektenhotel und eine Beute der Gelnhäuser Imker vervollständigen heute die Anlage.

Momentan wird auch die angrenzende Fläche extensiv gemäht und mit Heudrusch von der Nachbarfläche geimpft in der Hoffnung, dass sie sich ähnlich entwickeln wird.

Foto J.Schlieker: 2016 Mitglieder des BUND und der UNB bei der Arbeit

Foto B. Leutnant: Forumswiese 2019

Foto B. Leutnant: Angrenzende Fläche 2019

Der BUND Gelnhausen arbeitet seit 2017 mit der Türkisch-Islamischen Gemeinde zusammen an der Umgestaltung des Geländes um die Moschee in Gelnhausen. Nach der Bodenvorbereitung wurde 5 cm Sand mit der Fräse eingearbeitet zur Abmagerung des Substrates. In einem gemeinsamen Arbeitseinsatz wurde danach 2 cm unkrautfreier Kompost aufgebracht und eingearbeitet, damit die Feuchtigkeitsregulierung für die Einsaat besser gewährleistet ist. Danach wurden im Juni 2017 Samen für eine Magerwiese eingesät. Die Wiesensamen sind von 37 Arten gewonnen worden und enthalten z.B. Schafgarbe, Färberkamille, Wundklee, Glockenblumen, Margerite, kleine Bibernelle, Wiesensalbei und Wiesenbocksbart. Im ersten Jahr wurde die Wiese einmal gemäht, im folgenden Jahr 2 mal.

Neuer Lebensraum für Nieswurz, Quendel und Fingerhut

Am Schafhof in Burgjoss, dem Sitz des Landschaftspflegeverbandes Main-Kinzig, wurde im Herbst 2018 auf 40 qm ein bunt blühendes Wildstaudenbeet angelegt, wo vormals exotische Stauden herrschten und Wurzelflies den Boden von der Atmosphäre trennte. In gemeinsamer Aktion von Bauhof und „Schafhoflern“ wurden bodendeckende und hochwachsende heimische Wildstauden gepflanzt und ausgesät, dabei auch vorhandene Wildstauden und Zwiebelpflanzen integriert. Insgesamt waren es fast 250 Setzlinge von 30 Pflanzenarten, die vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein blühen. Mit Trockenmauern, Steinhaufen, einem „Sandbett“ für bodennistende Wildbienen wurden Kleinlebensräume geschaffen, die zugleich dem Beet Struktur geben. Ein Wildbienenhotel bereichert das Schaubeet seit dem Frühjahr 2019. Nachhaltigkeit war bei der Neugestaltung ein großes Anliegen. Außer dem maroden Wurzelflies wurde nichts weggeworfen, die ausgegrabenen Stauden fanden in Gärten ein neues Heim, Steine und Erde lieferte der Bauhof aus der nächsten Umgebung.

vorher

die Umgestaltung

nachher

Blütenpracht mit Blütenbesucher

Dieser Standort in Maintal Hochstadt ist eine der Pilotflächen, die im Projekt „Maintal blüht“ bereits im Frühjahr 2017 umgestaltet wurde. Für eine Erhöhung der Blütenvielfalt auf dieser artenarmen Grasfläche wurde auf drei Abschnitte die Grasnarbe mit Oberboden abgezogen und aus einem Mineralgemisch und einer dünnen Schicht gütegesichertem Kompost unkrautfreie Magerflächen angelegt. Diese wurden mit verschiedenen heimischen Wildstaudenarten bepflanzt und angesät, wie z.B. Moschus-Malve, Wilder Majoran, Zypressen-Wolfsmilch, Wiesen-Flockenblume und Steppen-Salbei. Auch in die unbearbeiteten Grasabschnitte wurden einzelne Stauden gepflanzt. Die Magerstreifen werden nur noch einmal jährlich gemäht, und auf den Grasflächen wurde die Mahdhäufigkeit reduziert, damit sich hier blühende Arten etablieren können.

Ausgangszustand der Fläche im Mai 2016

Bepflanzung und Einsaat im April 2017

Mitte Juli 2017

Dieser Rasenstreifen vor der katholischen Kirche in der Eichendorffstraße Maintal-Dörnigheim wurde im Mai 2019 mit einer Pfadfindergruppe im Rahmen der 72-Stunden-Aktion als halbschattiger Saum bepflanzt. Nach der Bodenvorbereitung durch eine Gartenbaufirma und der Platzierung von Holzstämmen und Wurzelstöcken als Totholzelemente wurden viele verschiedene, standortpassende heimische Wildstauden sowie einzelne Gehölze gepflanzt. Die Kornelkirsche ist durch ihre frühe Blüte eine wichtige Nahrungsquelle für viele Wildbienen. Kreuzdorn und Rote Heckenkirsche sind bedeutende Raupenfutterpflanze für verschiedene Schmetterlings-Arten. Die ausgewählten Wildstauden und Zwiebelarten bieten mit einem langen Blühspektrum vom Frühjahr bis den Herbst Nektar und Pollen für viele Wildbienen und Schmetterlinge. Gepflanzt und gesät wurden u.a. Pfirsichblättrige Glockenblume, Frühlings-Platterbse, Nachtviole, Silberblatt und Akelei. Den ersten Blühaspekt im Frühjahr bringen Geophyten wie Schneeglöckchen, Winterling und Elfenkrokus. Die Pflege der Pflanzung beschränkt sich auf eine einmalige Mahd nach dem Winter, wenn die Stauden neu austreiben. So können die toten Pflanzenstengel von verschiedenen Insektenarten zur Überwinterung genutzt werden. Die Früchte der Sträucher und die Samenstände der Wildstauden werden zudem gerne von Vögeln als Winternahrung angenommen.

Ausgangszustand der Fläche im März 2019

Pflanzaktion mit Pfadfindern am 25. Mai 2019

Mitte Juni 2019

Auf dieser zuvor spärlich bewachsenen, (halb-)schattigen Fläche unter Lindenbäumen an der Maintaler Stadtverwaltung in Hochstadt wurde im Herbst 2018 nach einer entsprechenden Bodenvorbereitung und Entfernung von Kirschlorbeersträuchern eine Pflanzung aus vorwiegend heimischen Wildstauden, Gräsern und Farnen angelegt. Gepflanzt wurden zum Beispiel Wald-Habichtskraut, Purpur-Fingerhut, Mandelblättrige Wolfsmilch, Wald-Hainsimse und Echtes Lungenkraut. Weitere Arten wurden eingesät (Wald-Vergißmeinnicht, Akelei, Rote Lichtnelke u.a.). Zudem wurden viele verschiedene Frühblüher als Zwiebeln und Knollen gesteckt, wie z.B. Elfenkrokus, Winterling, Schneeglöckchen und Lerchensporn.

Ausgangszustand der Fläche im Juli 2018

9. Oktober 2018: Staudenpflanzung, Zwiebel stecken und Einsaat

Anfang März 2019: Schneeglöckchen, Krokus, Schneestolz und Winterlinge blühen

Mitte April 2019: Große Sternmiere, Blaue Anemone, Tulpen, Wald-Vergißmeinnicht und Gold-Wolfsmilch

Auf dieser Pflanzfläche am Eingangsbereich der Maintaler Stadtverwaltung im Hochstadt wurde im Herbst 2018 nach Entfernung des verunkrauteten Substrats eine Magerfläche aus einem Mineralgemisch und einer dünnen Schicht Kompost angelegt. Für ein buntes Wildblumenbeet wurden Arten der sonnigen, mageren, trockenen Standorte gepflanzt (z.B. Natternkopf, Quirlblütiger Salbei, Tauben-Skabiose und Schwarze Königskerze) und weitere Arten zusätzlich in die Lücken eingesät (z.B. Karthäuser-Nelke, Rundblättrige Glockenblume, Ausdauernder Lein). Verschiedenen Wildtulpen-Arten Narzissen und Traubenhyazinthen wurden als Zwiebeln gesteckt, um den frühen Blühaspekt zu erweitern.

Ausgangszustand der Fläche im Juli 2018

Bepflanzung und Einsaat im Oktober 2018

Im Mai 2019

Mitte Juni 2019

Neuanlage der Fläche 2-Schlüchtern-24 und 25

06.04.2019, Samstagmorgen, 8.00 Uhr. Mehr als 300 Helfer haben sich vor dem Rathaus in Schlüchtern versammelt, um ihre Stadt zu verschönern. Zusammen mit allen Ortsteilen sollen es rund 1.000 Helfer werden. Normalerweise erwarten mich jetzt mehrere Männer in Orange gekleidet.

Farbenwechsel; heute sind es der Umweltbeauftragte der Stadt Schlüchtern, Thomas Müller und einige Mitglieder des Schlüchterner Ortsverbandes Bündnis 90 Die Grünen. Die Mitarbeiter des Bauhofes haben heute genug damit zu tun, immer das richtige Arbeitsgerät an die richtige Stelle zu bringen.

Eine unauffällige Rasenfläche an der Kinzigbrücke soll in eine bunte Wildblumenwiese und einen Wildblumensaum für Schmetterlinge und Wildbienen verwandelt werden. Dafür wurde in der Vorwoche bereits die Grasnarbe an den Rändern abgezogen und auf der Fläche einplaniert.

Danach die gesamte Fläche mit magerer und unkrautfreier Steinerde als Pflanzssubstrat abgedeckt.

Heute gilt es 6m³ Kompost ca. 2cm stark auf der Fläche zu verteilen und in die obersten 10cm der Steinerde einzuarbeiten. Im Anschluss wird die Fläche abgerecht, mit regionalem Wildpflanzensaatgut der Firma Rieger-Hofmann eingesät und angewalzt. Neue Hinweisschilder zur Kampagne MKK-Blüht sorgen für die richtigen Informationen.

Auf dem Abschlussfoto mit Schild sind von Links zu sehen:

Günther Koch (GRÜNE/B 90), Karin Nievelstein (GRÜNE/B 90), Ralf Geyer (Planer MKK-Blüht), Gerd Neumann (GRÜNE/B 90),Jürgen Baier (stellv. Bauhofleiter) und Thomas Müller (Umweltbeauftragter Schlüchtern)

Auf dem Bild fehlt Erna Rullmann (GRÜNE/B 90)

Sechs Wochen später wurde die Fläche von der Kinzig vollständig überflutet. Es sind trotz der Überschwemmung der Fläche einige einjährige Pflanzen (vor allem Kornblumen und Mohn) aber auch mehrjährige Stauden (z.B. Moschus - Malve, Wilde Möhre, Mageriten, Schafsgabe und Taubenkropf - Leimkraut) aufgegangen. Allerdings ist der Bewuchs doch sehr lückig.

Bad Soden-Salmünster Palmusacker

Anfang April begannen die Planungsarbeiten für die Neugestaltung der 500m² großen Kreisinsel auf dem Palmusacker in Bad Soden-Salmünster. Für den „Golfer“ des Golfclub Spessart soll ein attraktives Umfeld, verbunden mit der ökologischen Aufwertung der Fläche, entstehen. Nachdem der Vorschlag des Naturgartenplaners Ralf Geyer vom Büro Dernbach von den Gremien der Stadt und Hessen Mobil am 20.05.2019 final genehmigt wurde, begannen am 24.05.2019 die Bauarbeiten.

Die Modellierung der Fläche erfolgte, zusammen mit dem Bau der Fundamente für die Skulpturen, durch die lokale Firma Franz Bau. Danach übernahmen am 29.06.2019 Pascal Weber vom städtischen Bauhof und Planer Ralf Geyer die weiteren Arbeiten. Bis zum Pflanztermin am 05.06.2019 wurden rund 200 to. Steinerde und 18 m³ Kompost verteilt, sowie 13 to Findlinge und ein großer Birkenstamm auf der Fläche eingebaut. Eine Sandlinse als „Bunker“ und Lebensraum für grabende Insekten rundet die Baumaßnahmen ab. Jetzt fehlen nur noch die Pflanzen. Eine naturnahe, blau-weiß-gelbe Steppenpflanzung, ergänzt um 20 Wildsträucher und ungefüllten Wild- und Gartenrosen, ist das Ziel. Bei über 30 Grad pflanzten 25 Mitarbeiter aus 7 kommunalen Bauhöfen des MKK im Rahmen eines „Bauhoftrainings“ die rund 2.200 heimischen Wildstauden. Die trockene und heiße Witterung erfordert eine regelmäßige Bewässerung in den ersten beiden Jahren. Durch ihre Erfahrungen aus dem Feuerwehrdienst stellt dies für die Mitarbeiter des Bauhofes jedoch keine große Herausforderung dar.

Dank der Unterstützung des Bauzentrums Herbst mit dem firmeneigenen Kranwagen konnte 4 Wochen später die 3,5 Meter hohe Skulptur eines abschlagenden Golfes punktgenau auf dem Fundament befestigt werden. Bis Ende Oktober sollen noch die Zwiebel von 8.000 Frühblühern in einer von Bürgermeister Dominik Brasch initiierten Bürgeraktion gesteckt werden. Abschließend erfolgt die Einsaat mit echter Schlüsselblume, so dass von Ende April bis spät in den Herbst der Tisch für viele Insektenarten reichhaltig gedeckt sein wird.

Mein Fazit: Straffer Zeitplan, großartige Zusammenarbeit von Kreis, LPV, der Stadt, Bauhof und lokalen Unternehmern. Hat richtig Spaß gemacht.

Bad Soden - Badestraße

Neuanlage Wildstaudenbeete im September 2019

Die Badestraße verbindet den alten Ortskern von Bad Soden mit dem Kurbereich und ist Bestandteil des alten Kurparkes. Nachdem im Frühjahr bereits einige Staudenbeete erneuert wurden, galt es jetzt zwei weiter Beete zu bepflanzen und Blumenzwiebel für die Frühblüher zu stecken.

Im Rahmen eines Firmen-Workshop der Firma Celanese wurden uns 40 helfende Hände in Aussicht gestellt, denn solch ökologische oder auch soziale Einsätze sind schon lange fester Bestandteil der Fimenphilosophie von Celanese. Pascal Weber vom städtischen Bauhof und ich staunten allerdings nicht schlecht, als um 15.30 Uhr anstatt der angekündigten 20 rund 40 Helfer in roten T-Shirts erschienen. So wurde die Gruppe kurzerhand aufgeteilt. Die neu angelegte Wildblumenwiese am Festplatz ist mit 3.500 qm groß genug, damit alle eine sinnvolle Beschäftigung fanden. Zwischen den Wiesenblumen sind einjährige „Unkräuter“ wie Gemeine Melde, Flohknöterich und Katzenschweif gekeimt, die es vor der Samenreife zu entfernen galt. Bei herrlichem Sonnenschein, inmitten blühender Wildblumen und umherschwirrender Schmetterlinge zu arbeiten, genau das Richtige nach einem Seminartag.

In der Badestraße wurden in der gleichen Zeit 300 heimische Wildstauden gepflanzt und 2.400 Blumenzwiebel gesteckt. So konnten die Teilnehmer direkt in der Praxis üben wie eine Staudenmischpflanzung erstellt und die Stauden richtig gepflanzt werden. Die anschließende Aussaat von einjährigen Wildblumen zwischen die Stauden ersetzt den sonst üblichen Rindenmulch und verhindert das Aufkommen von Unkräutern. Es wurde viel gelacht und gescherzt und am Ende sind alle mit dem guten Gefühl in ihr Hotel zurückgegehrt, an einem sinnvollen und ökologisch wertvollen Projekt mitgearbeitet zu haben.

Alter Festplatz in Ahl

Der alte Festplatz wird nicht mehr genutzt und ist so ungewollt zu einem Parkplatz geworden.

Hier soll im Rahmen von MKK-Blüht ein reich strukturierter Saum für Schmetterlinge und Wildbienen entstehen. Dafür wurde aus Unterboden und Steinerde, auf einer Fläche von rund 250 qm, ein Hügelbeet modelliert und dieses mit Totholz und großen Steinen eingefasst. Stehendes Totholz (mit Bohrungen für Wildbienen) sowie eine Sandlinse komplettieren den Lebensraum für Insekten und andere Kleintiere.

30 Mitarbeiter der Firma Celanese haben nach einem Firmen-Workshop oberflächig rund 7 m³ Kompost in die Steinerde eingeharkt. Solch ökologische oder auch soziale Einsätze sind fester Bestandteil der Fimenphilosophie von Celanese. Auf der Fläche wurden danach 12 Sträucher mit heimischen Arten gepflanzt und der gesamte Hügel Einzelarten (Flockenblumen, Hain- und Quirlblütiger Salbei, Dorniger Hauhechel) und speziellen Saummischungen (von Rieger-Hofmann und Syringa) mit heimischen Wildpflanzen angesät. Bei der Handaussaat eines Pflaster- und Schotterrasen (Rieger-Hofmann) auf weiteren 250 m² Fläche um den Hügel herum schlossen einige Helfer erste Bekanntschaft mit einer Saatschüssel. Es wurde viel gelacht und gescherzt und am Ende sind alle mit dem guten Gefühl in ihr Hotel zurückgegehrt, an einem sinnvollen und ökologisch wertvollen Projekt mitgearbeitet zu haben.

Blütenbesucher

Informationen zum Projekt

Pilotfächen der Städte und Gemeinden

Im gesamten Main-Kinzig-Kreis werden im Rahmen des Projektes Main-Kinzig blüht angelegt.

Die Idee und Notwendigkeit Wildpflanzen auch im städtischen bzw. kommunalen Grün anzusiedeln ist auf überwältigendes Interesse gestoßen. Im ersten Jahr des Projekts 2018 wurden von vielen Städten und Gemeinden Vortragsabende initiiert und konkrete Planungen zur Umwandlung von öffentlichen Grünflächen in naturnahe Blumenwiesen und -säume, oder Wildpflanzenblumenbeete realisiert. Weitere Pilotflächen sind für das Jahr 2019 in Arbeit. Dabei ist nicht nur die Anlage auf oft mageren, schottrigen Substraten ungewöhnlich für den Betrachter, sondern auch die Pflege wird sich grundlegend vom Gewohnten unterscheiden. Wildblumenwiesen werden nur zweimal im Jahr gemäht, Blumensäume dürfen sogar über den Winter stehen bleiben. In den Stängeln überwintern viele Insektenarten wie in einem großen Insektenhotel. Auch Singvögel, wie Rotkehlchen, Haubenmeisen, Amseln und Goldammern sind auf die Insekten der nächsten Generation angewiesen zur Aufzucht ihrer Jungen.

Die Pilotflächen sollen mit dem Schild zum Projekt gekennzeichent werden.

Schild Main-Kinzig blüht

Der Main-Kinzig-Kreis soll aufblühen, und zwar für Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten. Verschiedene Organisationen haben aus diesem Grund eine gemeinsame Initiative gestartet, die in den kommenden Wochen konkrete Formen annehmen soll.

Rund 100 interessierte Besucherinnen und Besucher der Verbände aus Naturschutz, Landwirtschaft, Imkerei, Obst und Gartenbau sowie aus den Kommunen waren der Einladung der Unteren Naturschutzbehörde zur Auftaktveranstaltung gefolgt, um die Wege und Möglichkeiten für eine vielfältigere Landschaftsgestaltung kennenzulernen. „Es dürfen auch erst einmal kleine Schritte sein, um diese Idee sichtbar werden zu lassen“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler in ihrer Begrüßungsrede.

Die Akteure sind sich einig, dass zu einem erfolgreichen „Aufblühen“ auch ein hohes Maß an Information und Überzeugungsarbeit nötig sein wird. „Wir wollen zunächst die Informationen rund um die Biodiversität und hier insbesondere um die Artenvielfalt auf blütenreichen Wiesen aktiv an die Bevölkerung herangetragen“, erläuterte Bernd Leutnant, Abteilungsleiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises.

Die Bedeutung auch kleinerer Flächen im innerstädtischen und öffentlichen Grün für die Insektenwelt soll den Menschen vor Ort verdeutlicht werden. Wie solche „Tummelplätze für Blütenbesucher“ aussehen können, schilderte der Vorsitzende der Naturlandstiftung und Hammersbacher Bürgermeister Michael Göllner. In der Gemeinde wird seit mehreren Jahren auf öffentlichen Flächen für blühende Vielfalt gesorgt. Nektar und Pollen bieten hier zahlreichen Insekten wertvolle Nahrung und sind nach der Samenreife auch für die Vogelwelt attraktiv.

Für das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz berichtete Gabriele Fillbrandt über Fördermöglichkeiten und machte deutlich, dass bereits kleinere Maßnahmen unkompliziert gefördert werden können. Insgesamt veranschaulichten die Vorträge mit blütenreichen Fotos, was sich mit Engagement bewegen lässt kann. Auch die Diskussion wurde zum Teil lebhaft geführt, etwa wenn es darum ging, wie viel Geld lässt sich in der Kommune mit solchen extensiv gepflegten Flächen sparen und welche Saatguthersteller werden empfohlen.

„Aus naturschutzfachlicher Sicht ist darauf zu achten, dass es sich um einheimisches und regionales Saatgut handelt“, betonte Bernd Leutnant, der sich im Nachhinein über viele positive Rückmeldungen freuen konnte. Daher zeigte er sich überzeugt, dass sich zumindest im öffentlichen Grün an manchen Orten schon bald etwas verändern wird. Darüber hinaus sei vorgesehen, in diesem Sinne auch die Beratung der Landwirte zu den Fördermöglichkeiten von Blühstreifen zu intensivieren.

Die biologische Vielfalt nachhaltig entwickeln

Im vergangenen Herbst wurde das Insektensterben in Deutschland mit einer Langzeitstudie auf dramatische Weise belegt. Eine engagierte Forschergruppe hatte an 63 Orten in verschiedenen Naturschutzgebieten über 27 Jahre lang zuverlässige Daten gesammelt und daraus eine erschreckende Bilanz gezogen: Seit 1989 ist die Masse der Insekten um durchschnittlich 76 Prozent zurückgegangen. „Hier ist jeder aufgefordert, etwas dagegen zu tun“, sagt die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, die vor drei Jahren mit verschiedenen Partnern das Projekt „MKK blüht“ auf den Weg gebracht hat.

Die vielfältigen Aktionen zur Förderung der Artenvielfalt werden nun mit Unterstützung aus dem Regierungspräsidium Darmstadt noch einmal verstärkt, denn aus Mitteln der hessischen Biodiversitätsstrategie fließen 200.000 Euro in den Main-Kinzig-Kreis. Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid überreichte in Gelnhausen persönlich den Förderbescheid und informierte sich dabei über eine beispielhafte besondere Kooperation im Projekt mit dem Behinderten-Werk Main-Kinzig.

„Wir erleben rund um das Thema ein großes Interesse, das wir nun nachhaltig weiter entwickeln können“, berichtet Susanne Simmler. Auf der anderen Seite sei mitunter noch eine erhebliche Überzeugungsarbeit nötig, um aus einer eintönigen Rasenfläche am Ende eine artenreiche Blumenwiese entstehen zu lassen. Doch dieses Umdenken sei dringend nötig, um vielerorts die biologische Vielfalt zurückzuholen.

Schon 2015 hatte die Umweltdezernentin zur Auftaktveranstaltung „Main-Kinzig blüht“ mit über 100 Interessierten eingeladen und zum Mitmachen aufgerufen. Ein Jahr später starteten Aktionen wie „Jossgrund summt“ und „Maintal blüht“ sowie weitere Maßnahmen in anderen Kommunen. Außerdem gestaltete die Untere Naturschutzbehörde (UNB) gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Landratsamt eine naturnahe Blumenwiese.

Im Kontakt mit den Kommunen sowie den örtlichen Bauhöfen zeigte sich, dass die persönliche Beratung der Schlüssel zum Erfolg ist. „Daraus entstand gemeinsam mit Naturschutzverbänden, Imkern sowie weiteren örtlichen Akteuren ein Konzept zur konkreten Beratung und Begleitung bei exemplarischen Maßnahmen“, erklärt Susanne Simmler. Herauszustellen sei dabei das Engagement von Dr. Stephan Consemüller (BUND Gelnhausen), der unermüdlich im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für das Projekt geworben hat und gemeinsam mit anderen engagierten Personen vor Ort als Berater für die interessierte Bevölkerung zur Verfügung steht.

Im Rahmen des Projektes „Main-Kinzig blüht“ soll nun eine größere Vielfalt an einheimischen Pflanzen und wildlebenden Insekten auf öffentlichem und privaten Grünflächen entstehen. Dies soll über eine gezielte Fortbildung der zuständigen Mitarbeiter aus Kommunen, ihren Bau- bzw. Betriebshöfen und Gewerbebetrieben erreicht werden. Es werden durch beauftragte Planungsbüros exemplarisch Flächen biologisch entwickelt und umgewandelt und die neuen Lebensräume über ein bis zwei Jahre gemeinsam mit den Bearbeitern vor Ort betreut.

Es sind außerdem Vorträge, Exkursionen und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen. Die Aktion wird jeder der 28 Kommunen im Main-Kinzig-Kreis angeboten. Der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig wird das Projekt koordinieren und über den Förderzeitraum Ende 2019 hinaus fachlich begleiten.

Für Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid ein überzeugendes Konzept, dass die Förderung in bester Weise rechtfertigt. Sie zeigte sich überzeugt, dass diese guten Beispiele im öffentlichen Raum zur Nachahmung anregen werden und den strategischen Entwicklungsprozess begünstigen. „Wir können hier schon in kurzer Zeit sichtbare Veränderungen bewirken und eine neue Heimat zum Beispiel für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge schaffen“, betonte sie.

Diese Idee verfolgt auch das Behindertenwerk Main-Kinzig e.V. auf dem Gelände der ehemaligen Baumschule Müller in Gelnhausen. Wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Joachim Schröck gemeinsam mit Projektleiterin Christa Hummel erläuterte, werden insgesamt 2.700 Quadratmeter der Fläche ökologisch aufgewertet. Noch in den kommenden Wochen wird eine 80 Meter lange Wildrosenhecke gepflanzt, entlang der Autobahn sollen Wildsträucher wachsen, ein Duftgarten ist geplant und es wird eine Wildstaudenzucht entstehen.

Zum Abschluss des Übergabetermins wurde auch gleich ein lebendiges Zeichen gesetzt. Denn der Betriebsleiter des Tochterunternehmens Grün & Grün des Behinderten-Werkes, Manfred Schäfer, pflanzte gemeinsam mit Joachim Schröck, der Ersten Kreisbeigeordneten Susanne Simmler und der Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid eine Salweide, die hier in Kürze die ersten Blütenbesucher anlocken wird

Die Akteure rund um das Projekt „MKK blüht“ (von rechts): Imker Matthias Ullmann, Barbara Fiselius (Landschaftspflegeverband), Projektleiterin Christa Hummel, Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, Bernd Leutnant (UNB), Joachim Schröck (Vorstand Behinderten-Werk), Dr. Stephan Consemüller (BUND Gelnhausen) und Manfred Schäfer (Grün & Grün). sowie der Plan für das Gelände der ehemaligen Baumschule Müller.

Erste Eindrücke neu angelegter Flächen