Unternehmen blühen auf - Beispiele aus der Praxis

Regina Saase, Bernd Heil, Mark Parr, Katja Harnischfeger, Jörg Schmitz

Bereits zum zweiten Ideenaustausch über Maßnahmen zur Erhöhung der Artenvielfalt und zu naturnaher Gestaltung von kirchlichen Grünflächen trafen sich im Bildungs- und Exerzitienhaus Kloster Bad Soden-Salmünster Verwaltungsleiterinnen und -leiter von katholischen Pfarrgemeinden im Dekanat Kinzigtal. Mit dabei war zudem Bernd Heil als Leiter des Bildungshauses Kloster Salmünster. Nach dem ersten Treffen in Gelnhausen im Februar 2020 bremste die Coronakrise weitere Aktivitäten zunächst aus. Umso mehr freuten sich die Teilnehmenden, den roten Faden nun wiederaufzunehmen.

Auf Einladung von Pastoralreferent Oliver Henkel stellte Jörg Schmitz im Auftrag des Amtes für Umwelt, Naturschutz und ländlichem Raum des Main-Kinzig-Kreises das Förderprogramm „Unternehmen blühen auf“ vor. Katja Harnischfeger, Regina Saase und Mark Parr, die als Verwaltungsleiter Gemeindeverbünde von Bad Soden-Salmünster über Gelnhausen bis nach Freigericht vertreten, zeigten sich höchst interessiert am Förderprogramm des Kreises, mit dem Konzeption und Pflegeplanung von insektenfreundlichen Grünflächen finanziert werden. Diskutiert wurden erste Ideen zu Leuchtturmprojekten, die Einbindung lokaler Initiativen und eine Folgekommunikation in die Gemeinden hinein.

Als eigenen Anspruch für ein Programm für mehr Artenvielfalt und Insektenschutz auf kircheneigenen Flächen formulierten die Anwesenden schließlich den griffigen Titel „Kirchen blühen auf – Verantwortung für Gottes Schöpfung“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verblieben hochmotiviert mit der Absicht, dem zweiten Treffen nun erste konkrete Planungen folgen zu lassen.

Marketingleiterin Kathrin Wies (li.) mit Geschäftsführer Lars Börgel an der künftigen Blühfläche.

Erst 2018 hat Geschäftsführer Lars Börgel das traditionsreiche Unternehmen Dreiturm in Steinau übernommen. Hier stellen mehr als 300 Mitarbeiter seit mehr als 180 Jahren Seifen, Reinigungsmittel und Naturkosmetik her. Schon 2019 wurden mit Marketingleiterin Kathrin Wies die ersten Flächen für „Unternehmen blühen auf“ identifiziert.

An Fläche mangelt es Dreiturm wahrlich nicht: über 15.000 Quadratmeter nicht mehr benötigte Ausbaureserve sind auf dem riesigen Unternehmensareal vorhanden. Einige davon wirken schon heute wie ein Stück Urwald, in dem es summt und brummt. Nun werden weitere Flächen insektenfreundlich und naturnah umgestaltet. „Gewerbegebiete in Deutschland müssen nicht unbedingt aufgeräumt und clean aussehen“, sagt Lars Börgel. „Rasenflächen waren in den 1970er Jahren vielleicht richtig – heutzutage haben wir eine andere Philosophie. Es würde Deutschland gut stehen, Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit in Gewerbegebieten zu werden“.

Und so berichtet Börgel, der als Manager aus der Naturkosmetik kommt, wie er Nachhaltigkeit im Unternehmen von Kopf bis Fuß lebendig umsetzt. „Da wir in unseren Produkten den Ressourcenverbrauch senken und weitgehend auf umweltschädliche Stoffe verzichten, ist es nur logisch, dass wir auch den Schritt hin zu mehr Artenvielfalt auf unseren Grünflächen gehen“. Daher hat Börgel in den nächsten Jahren noch viel vor: Von der unternehmenseigenen Streuobstwiese bis hin zur Anpflanzung von Lavendel für die Parfumproduktion gibt es viele Ideen.

Erste Kreisbeigeordnete und Umweltdezernentin Susanne Simmler ist begeistert: „Diese Auffassung ist vorbildlich und der Main-Kinzig-Kreis kann stolz auf diese Art eines zeitgemäßen Unternehmertums sein.“ Der Einklang von Umsatz und Nachhaltigkeit sei schlichtweg mustergültig und mache Mut für die Zukunft, betont Simmler.

(v.l.n.r.) Umweltingenieurin und Naturgartenplanerin Dorothee Dernbach neben Lucas und Gottfried Brückner mit dem Main-Kinzig-blüht-Siegel

Mithilfe des Förderprogramms „Unternehmen blühen auf“ entstehen immer weitere insektenfreundliche Areale im Main-Kinzig-Kreis: Mit kompetenter Beratung durch ein Fachplanungsbüro hat auch die Brückner Steuerberatungsgesellschaft in Freigericht ihre Grünflächen gezielt aufgewertet.

„Wir freuen uns jetzt schon darauf, in einigen Jahren eine meterhohe Hecke auf unserem Grundstück zu bestaunen“, erklärte Seniorchef Gottfried Brückner, der die unternehmenseigene Grünfläche in Somborn seit Jahren selbst pflegt und fünfzehn Heckenpflanzen eigenhändig in die Erde gesetzt hat. Juniorchef Lucas Brückner ergänzt: „Angesichts des dramatischen Insektensterbens wollten wir im eigenen Garten etwas tun. Mit recht kleinen Eingriffen können wir unser Grundstück beträchtlich aufwerten – und damit Insekten sichtbar nützen“.

So ist aus einer maroden Linde, die man unlängst fällen musste, bereits ein Totholzhaufen entstanden, in dessen Umgebung sich Kleintiere ansiedeln sollen. Für die bestehende Rasenfläche, die den Firmensitz umgibt, ist im nächsten Jahr die Umstellung des Mährhythmus‘ vorgesehen. Statt bis zu 15mal jährlich wird die Rasenfläche zukünftig nur noch zweimal gemäht: Im Sommer ein Heuschnitt, im Spätherbst gleich abräumen. Denn bereits jetzt wachsen dort Magerwiesen-Pflanzenarten wie Schafgarbe, Habichtskraut und gelbblühende Kleearten, die sich künftig nach dem Prinzip “wachsen lassen“ entfalten dürfen.

Währenddessen kann sich in der Hecke eine bunte Mischung aus seltenen Wildrosenarten wie der rotblättrigen Rose, der duftenden Apfelrose und der Essigrose entwickeln. Als heimische Arten sind sie Insektenmagnete. Daneben fanden auch die im Frühjahr reich blühende Felsenbirne und die echte Berberitze ihren Platz so wie auch der Liguster, der als Schmetterlingsstrauch gilt – sofern er blühen darf und nicht vorher beschnitten wird.

Zum maßgeschneiderten Pflanz- und Pflegekonzept der 1.500 Quadratmeter großen Unternehmensfläche erläutert die verantwortliche Fachplanerin Dorothee Dernbach: „Mit dem Anpflanzen einer Hecke schaffen wir beständige Strukturen im Garten. Denn Hecken sind Rückzugsorte für brütende Vögel und Insekten.“ Als Gegenentwurf zum aufgeräumten Garten, in denen Insekten keine Nahrung finden, setze man bunte und vielfältige Strukturen, die allerlei Gartenbewohnern eine Heimat bieten.

Als Erstkontakt des Förderprogramms „Unternehmen blühen auf“ besucht Jörg Schmitz im Auftrag des Main-Kinzig-Kreises die örtlichen Unternehmen. Für das aktuelle Jahr hofft er noch auf weitere Unternehmen, die ihre Rasen- und Brachflächen zu Insektenmagneten umwandeln. Die Hürden für Unternehmen, eine Förderung und Beratung über den Landkreises zu erhalten, sind denkbar niedrig: ein Erstkontakttermin und eine Selbstverpflichtungserklärung zur fünfjährigen Pflege der Flächen sind die einzigen Bedingungen.

Seit 2015 wird die Initiative „Main-Kinzig blüht“ in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig sowie dem BUND vorangetrieben. Im Auftrag des Main-Kinzig-Kreises schulen Fachplanerinnen Städte, Gemeinden und Unternehmen im „Wildblumendenken“. Schwerpunkte einer naturnahen Freiflächenplanung sind eine Pflegeumstellung und das Einbringen regionalen Saatguts. Je nach Standort werden auch Staudenmischpflanzungen oder insektenfreundliche Gehölze empfohlen.

Geschäftsführer Michael und Lukas Horst (v.l.n.r.) vor der zukünftigen Blühwiese am Firmengebäude

Geschäftsführer Michael und Lukas Horst (v.l.n.r.) vor der zukünftigen Blühwiese am Firmengebäude

„Es war gar nicht so einfach, eine Bodenfräse zu finden, mit der wir durch den harten Boden kamen“, berichtet Geschäftsführer Lukas Horst, der gemeinsam mit seinem Vater und Seniorchef Michael Horst in vierter Generation die Gummiwarenfabrik Horst leitet. Eigenhändig hatte der Juniorchef kürzlich zwei große Schneisen in die Rasenfläche vor dem Firmengebäude in der Altenhasslauer Straße in Gelnhausen gefräst.

Unter Anleitung von Umweltingenieurin Dorothee Dernbach wurden Wildblumensamen aus Regiosaat ausgesät. Daraus soll eine bunte Wiese werden, die Firmenbesucher künftig als insektenfreundlich blühende Firmenvisitenkarte empfängt. „Natürlich brauchen wir Geduld und auch das Wetter muss mitspielen“, weiß Horst. Denn die Keimung der Samen, die sechs Wochen lang feucht gehalten wurden, dauert eben seine Zeit. Auch die Konkurrenz der lokalen Wildkräuter – früher als „Unkraut“ bezeichnet – spielt eine Rolle.

„Keiner muss hunderte Quadratmeter Flächen umgraben, um aus einer Rasenfläche eine insektenfreundliche Blühwiese zu machen“, ermuntert Dorothee Dernbach die Unternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis. Die Umweltingenieurin leistet Beratung vor Ort und macht Pflanzvorschläge, die gut zu den jeweiligen Unternehmensflächen passen. „Oft reichen wenige Schneisen, in die wir Wildblumensamen einsäen. Im Laufe der Jahre breitet expandiert die Wiese dann von selbst“, erklärt sie das Konzept. „Das klappt natürlich nur, wenn anschließend auch auf Wiesenpflege umgestellt wird: zweimal im Jahr mähen, Sommerschnitt heuen und immer alles abräumen. Die Mulchmahd ist der Feind der Wiesenblumen.“ Ferner stünden Staudenmischpflanzungen oder Gehölze zur Verfügung, um Grünflächen insektenfreundlicher und naturnaher zu gestalten. Über das Förderprogramm »Unternehmen blühen auf« informiert Jörg Schmitz, der im Auftrag des Kreises der Erstkontakt für Unternehmen ist.

Projektingenieurin Dr. Katja Fuhr-Boßdorf betreut das Gleisausbauprojekt im mittleren Kinzigtal und widmet sich auch der Idee „Natur auf Zeit“.

Projektingenieurin Dr. Katja Fuhr-Boßdorf betreut das Gleisausbauprojekt im mittleren Kinzigtal und widmet sich auch der Idee „Natur auf Zeit“.

Mit dem Förderprogramm „Unternehmen blühen auf“ stärkt der Main-Kinzig-Kreis seit einigen Monaten die Artenvielfalt. In Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig e.V. werden Unternehmen motiviert, ihre nicht genutzten Gewerbeflächen in Blühflächen umzuwidmen. Mehr lebendige Vielfalt als gestutzte sterile Rasenmonotonie, lautet die Devise.

Nachdem bereits zahlreiche Städte und Gemeinden das 2016 gestartete Programm „Main-Kinzig blüht“ zur Anlage von heimischen Blühwiesen mit Begeisterung umsetzen, werden seit 2019 nun auch gezielt Unternehmen angesprochen. „Wir wollen keine Chance ungenutzt lassen, um neue Lebensräume für Insekten und andere Kleintiere zu schaffen“, erläutert Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. Die Resonanz auf das Angebot ist enorm.

Mit dem Konzept „Natur auf Zeit“ wird nun ein weiterer „bunter Ableger“ dieser Idee in die Tat umgesetzt. Das Programm fördert die befristete insektenfreundliche Bepflanzung von Brachflächen. Zudem entwickelt sich auf diesen temporären Standorten eine ganz eigene Pflanzenwelt mit interessanten „Pionierarten“. Die Deutsche Bahn stellt hierfür temporär ungenutzte Baustelleneinrichtungsflächen bereit.

Umweltdezernentin Susanne Simmler zeigt sich entschlossen: „Auch während der Corona-Krise arbeiten wir mit Nachdruck daran, das Insektensterben zu stoppen, indem wir gemeinsam heimische Pflanzenarten verbreiten helfen. Nun starten wir mit der temporären Nutzung von Flächen“. Der Kreis schafft Planungs- und Rechtssicherheit für eine zeitweise insektenfreundliche Bepflanzung, bis die Fläche nach einigen Jahren anders genutzt wird. Unter diesen Rahmenbedingungen überlässt die Deutsche Bahn in Gelnhausen eine erste Baustelleneinrichtungsfläche der Natur. Die Fläche werde später beim viergleisigen Ausbau der Strecke Hanau–Gelnhausen benötigt. Für die aktuellen vorbereitenden Kabelarbeiten ist nur ein Teil der Fläche nötig.

Projektingenieurin Dr. Katja Fuhr-Boßdorf, die für die DB Netz AG das Gleisausbauprojekt umwelttechnisch betreut, erläutert: „Natur auf Zeit heißt für uns, dass wir von Flächen, die wir heute nur teilweise benötigen, ungenutzte Bereiche abteilen und dem Naturschutz widmen. So können darauf attraktive Blühflächen entstehen.“ Die erste Fläche liegt bei Gelnhausen gegenüber der Burgmühle und wird vollständig erst ab 2024/2025 beim Gleisbau gebraucht. Für weitere Flächen, wo die Arbeiten zum Kabeltiefbau bald abgeschlossen sind, wird diese Option ebenfalls geprüft.

Bernd Leutnant von der Unteren Naturschutzbehörde des Main-Kinzig-Kreises erklärt: „Das Konzept Natur auf Zeit ist ein dynamischer Ansatz und entspricht den Zielen des Naturschutzes. Wie auch das Bundesamt für Naturschutz ausführt, muss zur Sicherung der biologischen Vielfalt nicht zwingend jedes einzelne Biotop oder Individuum einer Art erhalten werden. Vielmehr kommt es auf die Populationen von Tieren und Pflanzen an.“ Was zähle, sei also letztlich der größere Zusammenhang der Gesamtbilanz.

Im Rahmen des Förderprogramms „Unternehmen blühen auf“ übernimmt der Main-Kinzig-Kreis die Beratung, Planung und Pflegeplanung von Gewerbeflächen. Die Realisierung liegt bei den Unternehmen selbst. Ansprechpartner für die Unternehmen ist Jörg Schmitz im Auftrag des Kreises.

Aus den zunächst noch unscheinbaren Pflanzinseln wird sich ein Meer an Wildblumen entwickeln – zur Freude von Wildbiene, Schmetterling & Co.

Vor rund einem Jahr starteten bereits die Vorbereitungen zu einem naturnahen Bepflanzungsprojekt der Superlative rund um die CI-Factory von Engelbert Strauss am Distelrasen in Schlüchtern: zehntausende Wildstauden wurde dann im Herbst 2019 in die Erde gebracht. Nun beginnt bereits die erste Blütezeit.

Insgesamt waren es 15.000 Wildstauden auf 16 Paletten mit jeweils 40 Kisten voller heimischen Pflanzen und die unglaubliche Anzahl von 25.000 Blumenzwiebeln: mitten im Gewühl der Schlüchterner Großbaustelle wirken die Pflanzflächen nun wie Inseln, in denen jahreszeitbedingt die künftige Pflanzenfülle erst zu erahnen sind, während die Sträucher durch einen Wald an Pflanzstäben markiert sind. „Ich bin beeindruckt, wie hier die ganz großen Schritte im Dienste der Artenvielfalt gegangen wurden“, zeigt sich die Erste Kreisbeigeordnete und Umweltdezernentin des Main-Kinzig-Kreises Susanne Simmler begeistert. „Mit dieser Anpflanzung hat Engelbert Strauss ein weithin sichtbares Vorbild geschaffen, wie gerade Unternehmen den Insekten und Kleintieren wieder eine Heimat geben können.“

Von der Zwischenlagerung der Großmengen an Wildstauden, Zwiebeln und Sträuchern über die Flächenvorbereitung - bis hin zu den Vorrichtungen für die spätere Bewässerung war es eine logistische Meisterleistung, all dies in den voluminösen Baustellenablauf einzufügen. Mitte Oktober konnte dann die Pflanzzeit auf der Baustelle beginnen. Gemeinsam mit zehn Gärtnerinnen und Gärtnern der Firma Eversmann unter der Bauleitung von Dorothee Dernbach, Expertin für naturnahe Grünplanung aus Büdingen, fanden die 40.000 Pflanzen ihren neuen Standort.

Wie der Bauherrenvertreter Matthias Fischer betont, sei die termingetreue Herstellung der Bepflanzung ein wichtiges Anliegen gewesen. Fachplanerin Dorothee Dernbach bedankte sich für die gute Zusammenarbeit in allen Fragen der Abwicklung. Abgestimmt auf das Corporate Design von Engelbert Strauss wird der Parkplatz künftig von einem Blütenmeer im Farbklang rot-weiß eingerahmt. Gleichzeitig entsteht neuer Lebensraum für Biene, Hummel und Co. Eine Mittelstrauchhecke aus heimischen Gehölzen bildet den Hintergrund, soll lange Jahre ohne Schnitt auskommen und so Vögeln, Insekten und Kleinsäugern ein Zuhause bieten. Neben geläufigen Sträuchern wie Liguster und Berberitze kamen seltenere Wildstraucharten wie Rosmarinweide, Blasenstrauch und Zimtrose zum Einsatz.

Zusätzlich zur XXL-Pflanzung heimischer Wildstauden wurden auch viele Tausend Quadratmeter eingesät. Neben differenzierten Einzelsaaten gibt es auch den Schmetterlings- und Wildbienensaum auf den Böschungen, Wildblumenwiesen aus regionalem Saatgut, Feuchtpflanzen am Kautzer Wasser und bunte ein- und zweijährige Arten. Daneben sind Baumreihen und eine großwüchsige Wildstrauchhecke geplant.

Seit 2015 wird die Initiative „Main-Kinzig blüht“ in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig sowie dem BUND konsequent vorangetrieben. Im Auftrag des Main-Kinzig-Kreises sind Fachplanerinnen eingebunden, die Städte, Gemeinden und Unternehmen im „Wildblumendenken“ schulen. Eine Pflegeumstellung und das Einbringen regionalen Saatguts Grundlage einer naturnahen Freiflächenplanung. Je nach Standort werden auch Staudenmischpflanzungen oder insektenfreundliche Gehölze empfohlen. Hürden für Unternehmen, eine Förderung des Kreises zu erhalten, sind denkbar niedrig: ein Erstkontakttermin und eine Selbstverpflichtungserklärung zur 5-jährigen Pflege der Flächen sind die einzigen Bedingungen.

Umweltplanerin Dorothee Dernbach (links) im Herbst bei der Übergabe des »Main-Kinzig blüht-Schildes« mit Geschäftsführerin Sabine Schrecke und Firmenhund Ben vor der künftigen Hecke.

Die Firma RBS Förderanlagen GmbH in Gelnhausen-Roth hat im vergangenen Herbst eine Hecke aus heimischen Wildsträuchern gepflanzt. Fast 30 Einzelpflanzen grenzen das Unternehmensgrundstück zur Nachbarfläche ab. Die künftige bis zu drei Meter hohe winterharte Hecke wird reichlich neuen Lebensraum für Insekten und Vögel bieten. Neben Arten, die fast jeder kennt wie Liguster, Schneeball und Bauernjasmin, wurden nördlich der Produktionshalle auch seltenere Wildstraucharten gepflanzt.

„Erstaunlich, was man in einer Schattenlage alles zum Blühen bringen kann“, freut sich Geschäftsführerin Sabine Schrecke. Im Frühjahr startete nun die Saison mit dem rosablühenden Seidelbast, gefolgt von den hellgelben Blüten der schwarzen Heckenkirsche. Im Sommer sind die gelben Schmetterlingsblüten der Strauchkronwicke, die Wildrosen und das Mannsblut am Blühen. Der Herbst bringt bunte Hagebutten und andere Früchte in die Hecke und vor allem die späte Blüte des Strauchefeus lockt eine Wolke an Insekten an.

Geschäftsführerin Sabine Schrecke betont, dass sie sich sehr gerne an dem vom Main-Kinzig-Kreis unterstützten Programm „Unternehmen blühen auf“ beteiligen. „Das auf uns zugeschnittene Pflanz- und Pflegekonzept wertet unser Gelände sichtbar auf. Dass wir mit relativ einfachen Maßnahmen dem dramatischen Insektensterben entgegenwirken können, macht gleichermaßen Spaß und Sinn“, erläutert sie.

Zusätzlich sollen hinter der Produktionshalle noch 320 Quadratmeter vom Scherrasen zur Blumenwiese aufgewertet werden. In unmittelbarer Nähe zum Spazierweg an den Kinzigwiesen werden dafür Streifen in die Rasenfläche gefräst und anschließend hochwertige Wildblumen aus so genanntem Regiosaatgut eingesät, die sich im Laufe der Jahre in die Rasenfläche ausbreiten. Regiosaatgut enthält Blumensamen, die aus dem Naturraum gesammelt und getrennt vermehrt werden. So passt die neue Blumenwiese zu den Tieren und besonders Insekten der Region wie ein Schlüssel zum Schloss, wie Fachplanerin Dorothee Dernbach erläutert: „Der Platz um die Unternehmensgebäude war begrenzt und für bestimmte Funktionen musste die Fassade freigehalten werden. Deshalb haben wir hier mit Augenmaß die Funktion und die ökologische Aufwertung unter einen Hut gebracht.“

Foto (von links): Bernd Leutnant von der Unteren Naturschutzbehörde, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler sowie Matthias Fischer und Nadine Riedel von der Bauleitung vereinbarten die Gestaltung einer Blumenwiese für Insekten.

Das Projekt „Main-Kinzig blüht“ ist inzwischen in zahlreichen Kommunen auf fruchtbaren Boden gefallen. „In 28 Städten und Gemeinden gibt es schon sehr konkrete Ideen und Maßnahmen, um den Insekten wieder passende Lebensgrundlagen zu bieten“, berichtet Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. Für die fachliche Beratung und Begleitung hatte der Main-Kinzig-Kreis entsprechende Gelder bereitgestellt und beim Land Hessen beantragt.

Nun soll im Bereich der Industriebetriebe und Unternehmen ebenfalls für die notwendige Sensibilität gesorgt werden. Denn schon mit einfachen Mitteln kann eine große Wirkung für das Ökosystem erzielt werden, erklärt der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Bernd Leutnant. In diesem Sinne sollen Grünflächen in den Gewerbegebieten vermehrt mit naturnahen Stauden, Kräutern und Gehölzen aufgewertet werden.

Ein erster Partner in diesem Projekt ist das Unternehmen Engelbert Strauss aus Biebergemünd. Der Bekleidungshersteller baut aktuell seine hochmoderne „CI-Factory“ am Distelrasen bei Schlüchtern. Dort könnte im Frühjahr 2020, passend zum Produktionsbeginn, eine lebensfreundliche Wiese für kleine Blütenbesucher entstehen. Die entsprechende Kooperation wurde jetzt mit der zuständigen Bauleitung, Matthias Fischer und Nadine Riedel, in einem persönlichen Gespräch vereinbart.

„Für unser Anliegen ist es ein wirkungsvolles Signal, wenn ein so bekanntes Unternehmen wie Engelbert Strauss mit im Boot ist“, sagt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. Zudem sei es ein großer Vorteil, wenn die Fachleute der Naturschutzbehörde bereits in dieser frühen Phase eingebunden sind. Denn für das geplante Biotop braucht es gar keine „fette Gartenerde“, sondern der natürliche Untergrund ist deutlich besser geeignet.

Nach Auskunft des Diplom-Ingenieurs für Landschaftspflege, Bernd Leutnant, wachsen die ausgesuchten Stauden und Wildkräuter auf dem mageren Substrat ganz hervorragend. Ein weiterer Aspekt für den Erfolg ist die reduzierte Pflege. „Um einen schönen Blütenteppich zu erhalten, darf die Fläche nur zweimal im Jahr gemäht werden“, betont er. Auch dazu bietet der Kreis über das Projekt „Main-Kinzig blüht“ den beteiligten Unternehmen die fachliche Unterstützung an.

In den kommenden Monaten soll nun die Werbetrommel gerührt werden, um weitere Betriebe und Unternehmen für die Idee eines naturnahen Außenbereichs zu begeistern. „Wir haben gemeinsam bereits einige schöne Projekte in den Kommunen umsetzen können und dieses erfolgreiche Konzept wollen wir engagiert weiterführen“, sagt Susanne Simmler, die auch am Landratsamt eine entsprechende Blumenwiese durchgesetzt hat. Nach anfänglicher Skepsis findet die Fläche nun immer mehr Bewunderer, die sich am Anblick der Bienen, Hummeln und Schmetterlingen erfreuen.

Umweltplaner Dr. Stefan Huck (Mitte) und Team freuen sich über insektenfreundliche Bepflanzung ihrer Neubauflächen.

„Schon jetzt warten wir ganz besonders ungeduldig auf den nächsten Frühling“ sagt Dr. Stefan Huck, der mit seinem 7-köpfigen Team in Gelnhausen ein Planungsbüro betreibt. „Denn die Flächen, auf denen es bald summen und brummen wird, sind auch unsere Visitenkarte.“ Nach dem Umzug in den Firmenneubau im oberen Herzbachweg nähe Wartturm in Gelnhausen stellte sich den Umweltplanern die Frage nach der Gestaltung ihrer Außenflächen. Schnell war klar: möglichst naturnah sollte es sein. Schließlich ist das Büro in den Bereichen Umwelt- und Landschaftsplanung, regionale Ressourcensicherung und Naturschutzforschung tätig und berät Unternehmen in naturschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren.

Für den Diplom-Geographen sind Blühflächen ästhetische Gestaltungselemente, ermöglichen Naturerleben und bieten Erholungswert. Überzeugt hat ihn aber vor allem der ökologische Aspekt dieser Flächengestaltung. „Wir wollen mit unserem Projekt dafür sorgen, dass in dem vielfach ausgeräumten und biologisch monotonen urbanen Raum wieder Rückzugsorte für eine Reihe von Pflanzen und Tierarten geschaffen werden“, sagt dazu die Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. In den oft gemähten und Grünbeständen finden die Kleintiere keine Überlebensmöglichkeiten. Doch die entstehenden Blühflächen sind sommerliches Nahrungshabitat für Insekten und Vögel und durch die zurückhaltende Pflege auch ein essentielles Winterquartier für Jugendstadien vieler Insektenarten. So überwintern in den vertrockneten Stängeln Wildbienenarten, in trockenen Blättern und Laub überwintern Käfer, Spinnen und Wanzen.

Vom Büro für naturnahe Grünplanung Dernbach kam die Planung und Bauleitung für die rund 800 quadratmetergroße Unternehmensfläche – eine vom Kreis geförderte Leistung. Ralf Geyer, als zuständiger Mitarbeiter, zur Grundidee: „Ein Großteil der Flächen war im Zuge der Baumaßnahmen bereits mit Recyclingschotter aufgefüllt worden, dies erwies sich als Glücksfall für die weiter Planung.“ Denn ein magerer und durchlässiger Boden ist die ideale Voraussetzung für viele besonders attraktive und wertvolle Wildstauden. Die Idee einer rot-weiß-gelben Steppenmischpflanzung mit 30 Arten heimischer Wildpflanzen, konnte so ohne große Bodenbewegungen umgesetzt werden. Ergänzt wurden die repräsentativen Staudenbeete mit Wildrosen, heimischen Sträuchern und über 3000 Blumenzwiebel. Auf den restlichen Flächen wurde statt dem üblichen Schurrasen eine regionale Mager- und Sandrasenmischung ausgebracht.

Die zusammen mehr als 100 Arten sind so zusammengestellt, dass es von März bis Oktober blüht. Denn davon profitieren neben vielen Insekten und Vögeln auch die Menschen, die hier arbeiten. In den nächsten Tagen werden die städtischen Bereiche um den Firmenneubau und die Basketballhalle ebenfalls mit heimischen Wildstauden aufgewertet. Einhergehend mit einer radikalen Umstellung der Pflege, weg vom Mulchen, hin zu maximal zwei Mähterminen, können die Grün- und Gewerbeflächen einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten. Für die Ausführung hatte Stefan Huck das Behinderten-Werk Main Kinzig mit der Ausführung beauftragt. „Die Zusammenarbeit hat allen Beteiligten richtig viel Spaß gemacht“, bestätigt Ralf Geyer.

Als Erstkontakt des Förderprogramms „Unternehmen blühen auf“ besucht Jörg Schmitz im Auftrag des Kreises die örtlichen Unternehmen. Er hofft auf weitere Nachahmer: „Das Gebiet rund um den Wartturm hat noch viel mehr Potential – und die Hürden für Unternehmen, eine Förderung des Kreises zu erhalten, sind denkbar niedrig: ein Erstkontakttermin und eine Selbstverpflichtungserklärung zur fünfjährigen Pflege der Flächen sind die einzigen Bedingungen.“

Seit 2015 wird die Initiative Main-Kinzig blüht in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig sowie dem BUND konsequent vorangetrieben. Im Auftrag des Main-Kinzig-Kreises sind Fachplanerinnen eingebunden, die Städte, Gemeinden und Unternehmen im „Wildblumendenken“ schulen. Dabei sind eine Pflegeumstellung und das Einbringen regionalen Saatguts Grundlage einer naturnahen Freiflächenplanung. Je nach Standort werden auch Staudenmischpflanzungen oder insektenfreundliche Gehölze empfohlen.

 Ansprechpartner

Herr

Jörg Schmitz

Tel. 06051 53 87 845

E-Mail: schmitz@unternehmen-bluehen-auf.de