Kreisspitze diskutiert mit dem Pflegebeauftragten des Bundes

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Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler setzte sich mit Dr. Maria Haas-Weber und Bettina Müller bei Andreas Westerfellhaus (von rechts) für eine gerechtere Finanzierung im Bereich der palliativen Versorgung ein.

29.08.2019. - Verbesserungen für den Pflegeberuf und die Fachkräftesuche sowie eine neue Finanzierungsstruktur für den Palliativbereich: Mit diesen Forderungen gingen Landrat Thorsten Stolz und Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler in die Gespräche mit Andreas Westerfellhaus, den Pflegebeauftragten der Bundesregierung, der den Main-Kinzig-Kreis besucht hat. Er zeigte großes Verständnis für die Anliegen des Kreises und seiner betreffenden Kreisgesellschaften.

Westerfellhaus hatte zunächst das Wohnstift Hanau der Alten- und Pflegezentren Main-Kinzig besucht. Er informierte sich dort über die Palliativoase und das Expertenteam für Palliative Pflege, kurz EPP-Team.

„Es kann nicht sein, dass es bei diesen Angeboten auf dem letzten Lebensweg keine gesicherte, solidarische Finanzierung gibt“, sagte Sozialdezernentin Simmler. Es brauche eine grundlegende Änderung in der gesamten Finanzierungsstruktur der Altenpflege. Sie wurde in dieser Forderung unter anderem unterstützt durch Dr. Maria Haas-Weber vom Förderverein Palliative Patienten-Hilfe in Hanau. Haas-Weber machte darauf aufmerksam, dass es einzelne gute Palliativangebote gebe. Sie deckten aber nur einen sehr geringen Teil der Menschen ab, die auf solche Angebote angewiesen wären. „Menschenwürde darf auch im Alter keine zwei Klassen kennen“, brachte es Haas-Weber auf den Punkt.

Neben der Finanzierung sprachen Simmler und Geschäftsführer Dieter Bien die Digitalisierung an. Die tägliche Arbeit könne durch ein breiteres technisches Fundament erleichtert werden; die Glasfaserversorgung sei im Kreisgebiet ohnehin gut. Einen Teilbereich hatten die Alten- und Pflegezentren jüngst in einem Pilotprojekt grundlegend analysiert und für die eigene Arbeit digital aufgerüstet. Doch für eine flächendeckende Digitalisierung brauche es der Zustimmung, Förderung und Begleitung durch den Bund, hier könne Andreas Westerfellhaus seine Kontakte nutzen.

In Gelnhausen führte Landrat Thorsten Stolz den Pflegebeauftragten in die aktuelle Diskussion um die Anwerbung von Pflegefachkräften aus dem europäischen Ausland durch die Main-Kinzig-Kliniken ein. Aktuell gebe es schon 32 anerkannte Pflegekräfte, überwiegend aus Serbien, 26 befänden sich als Praktikanten in der Anerkennungsphase. Binnen weniger Tage, berichtete Kliniken-Geschäftsführer Dieter Bartsch, könne gerade in Serbien eine größere Zahl an Interessenten angeworben werben, „dann beginnt aber unser Problem“.

Die folgenden Genehmigungs- und Anerkennungsschritte verzögerten die Arbeitsaufnahme um durchschnittlich zwölf Monate, verdeutlichte Landrat Thorsten Stolz. Hinzu käme ein enormer finanzieller Aufwand für die Fachkräfte. An Andreas Westerfellhaus formulierte der Kreis die Forderung, die bürokratischen Hürden deutlich zu senken und den hohen finanziellen Eigenanteil im Ausbildungsbudget verrechnen zu können.

Der Pflegebeauftragte nahm die Anregungen und Forderungen aus dem Main-Kinzig-Kreis auf. Er versprach, mit der Kreisspitze bei diesen Themen im Gespräch zu bleiben.