Start des Projekts Babylotsen in allen Geburtskliniken des Kreises

pm-img
Alle Projektbeteiligten unterzeichneten am Ende der Pressekonferenz die Kooperationsvereinbarung.

29.04.2019. - Ein Neugeborenes verändert im Leben eines Paares viel, manchmal so viel, dass die junge Familie unterstützende Hilfe von außen benötigt. Hier setzen seit Jahren bereits die Netzwerkpartner der Frühen Hilfen an. Mit „Babylotsen“ treten sie ab sofort noch direkter und in einem ganzen frühen Stadium in den Kontakt zu möglichen Hilfesuchenden: In den drei Klinikstandorten mit Geburtsstationen im Gebiet des Main-Kinzig-Kreises helfen diese Lotsen dabei, die Bedarfe bei Eltern zu erkennen und für sie Unterstützung zu vermitteln. Ziel ist es, durch eine möglichst wirksame Vernetzung des Gesundheitswesens und der Kinder- und Jugendhilfe Kinder früher und besser vor Gefährdungen zu schützen und Eltern mit ihren ganz individuellen Belastungen wirksamer zur Seite zu stehen. Dazu haben die beiden Jugendämter der Stadt Hanau und des Main-Kinzig-Kreises kooperiert – in dieser Form hessenweit einmalig. Als gemeinsame Koordinierungsstelle Jugendhilfe und Gesundheitswesen fungiert der Verein Albert-Schweitzer-Kinderdorf Hessen.

Babylotsen sind festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kliniken und für ihr Aufgabengebiet entsprechend in Theorie und Praxis qualifiziert worden. Erkennen sie in ihrer täglichen Arbeit in den Geburtskliniken einen Bedarf, etwa in Gesprächen mit Eltern auf den Geburtsstationen, können sie direkt als Vermittler von kurzfristigen Hilfsleistungen auftreten oder über die Koordinierungsstelle Jugendhilfe und Gesundheitswesen des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs diese Hilfe vermitteln lassen.

„Teilweise fehlt es jungen Eltern am Überblick über die Unterstützungsangebote, die ihnen persönlich oder finanziell gut tun würden, teilweise erkennen junge Eltern ihren Bedarf an Unterstützung für sich und für ihr Neugeborenes noch nicht richtig. Babylotsen helfen niederschwellig und sehen sehr früh, rund um die Tage der Geburt, wo eine Stärkung der jungen Familie und eine Stütze für ein gutes Aufwachsen des Babys sinnvoll sind“, erklärt Dr. Wolfram Spannaus, Geschäftsführender Vorstand des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs Hessen.

Für die jeweils eigenständigen Träger der öffentlichen Jugendhilfe, die Jugendämter der Stadt Hanau und des Main-Kinzig-Kreises, fungiert das Albert-Schweitzer-Kinderdorf (ASK) als gemeinsamer Koordinator der Babylotsen. Das ASK bildet die Schnittstelle zwischen den Lotsen und dem Netzwerk Frühe Hilfen. Unterstützung erfährt die Jugendhilfe zudem über die Stabstelle Prävention, Sicherheit und Sauberkeit der Stadt Hanau. Alle Beteiligten aus Kreis und Stadt sitzen zudem gemeinsam in der Projektgruppe und haben sich auf ein einheitliches Dokumentationssystem und eine gemeinsame Weiterentwicklung der Babylotsen im Kreisgebiet verständigt. Diese enge Abstimmung und Kooperation zweier Jugendämter ist bemerkenswert, auf dem Feld der Babylotsen als Form der interkommunalen Zusammenarbeit hessenweit einmalig.

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz im Dietrich-Brüggemann-Haus in Hanau waren die Jugenddezernenten Axel Weiss-Thiel und Winfried Ottmann voll des Lobes für das neue Angebot wie auch für die Form der Zusammenarbeit. „Wir können in den Netzwerken unserer Jugendämter und der Frühen Hilfen auf eine Vielzahl guter und wertvoller Angebote zurückgreifen, um Säuglingen und jungen Eltern in der ersten Zeit nach der Geburt Schutz und Hilfe zu gewähren. Für uns ist es entscheidend, dass diese Hilfe bei den Familien ankommt, und zwar ganz unerheblich, ob es sich um Krankenhausgäste aus Hanau oder dem näheren Umland handelt“, sagt Bürgermeister Weiss-Thiel. Der Kreisbeigeordnete Ottmann hebt die Synergien der Kooperation hervor: „Im Endeffekt profitieren alle Klinikstandorte im Kreisgebiet davon. Wir bringen aus Gelnhausen und Hanau die Erfahrungen der Lotsinnen zusammen und entwickeln gemeinsam das Projekt weiter. So können Babylotsen ein zentrales, wirksames und immer stärkeres Element der Präventionskette im Bereich der Frühen Hilfen werden. Es ist sehr zu begrüßen, dass wirklich alle Familien im Kreisgebiet, unabhängig davon, für welche der drei Kliniken sie sich entscheiden, von diesem starken Beratungsangebot profitieren können.“

Erfahrungswerte aus der Stadt Frankfurt, wo erste Babylotsen seit 2014 im Einsatz sind, deuten auf eine hohe Nachfrage hin. Von den rund 13.000 Familien nehmen pro Jahr etwa 20 Prozent das freiwillige Beratungsangebot der Babylotsen in Anspruch. Der Gesamtumfang im Bereich des Main-Kinzig-Kreises ist mit rund 4.200 Geburten pro Jahr vergleichsweise geringer – der Anteil derjenigen, die eine Beratung bei den Babylotsen suchen, könnte aber ebenfalls hoch sein, wie Dieter Bartsch, Geschäftsführer der Main-Kinzig-Kliniken, Volkmar Bölke, Geschäftsführer des Klinikums Hanau sowie Melanie Scharlemann, Referentin der Geschäftsführung des St. Vinzenz-Krankenhauses Hanau unisono einschätzen.

Jeweils in Teilzeit mit unterschiedlichen Stundenanteilen stehen bei den Main-Kinzig-Kliniken und dem Klinikum Hanau eine, im St. Vinzenz-Krankenhaus zwei Babylotsinnen als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Sie wurden in den vergangenen Monaten über die Stiftung „SeeYou“ ebenso wie die Koordinierungsstelle Jugendhilfe und Gesundheitswesen auf die Arbeit vorbereitet. Das interkommunale Gesamtprojekt wird finanziert über den Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau, eigene Mittel der Geburtskliniken sowie Zuwendungen des Landes Hessen und der Stiftungen „SeeYou“ und Kathinka-Platzhoff-Stiftung. Das gemeinsame Projekt ist zunächst bis Ende 2021 angelegt, soll aber darüber hinaus etabliert werden.