Zusatzqualifikation zu 3D-Drucker für AQA-Azubis

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„Wir antworten auf den Umbruch der Digitalisierung adäquat“: AQA-Ausbilderin Simone Bohlender mit dem Auszubildenden Daniel Riggi.

02.04.2019. - Leise surrt die Düse über der heißen Glasplatte. Das Kunststoffgemisch fließt in haardünnen Strängen heraus. Lage für Lage entsteht ein Gitter, so sieht es zumindest zunächst aus. Daraus wird mehr und mehr eine Art Kiste, dann immer sichtbarer ein dreidimensionales Objekt. Am Ende wird es ein Schiff sein, das der 3D-Drucker auf dem Hanauer Gelände der AQA erstellt hat, bedient von einem Auszubildenden, dem Hanauer Daniel Riggi.

Riggi verfolgt den Druck mit prüfendem Blick. „Die Daten habe ich vorher in den Computer eingegeben, jetzt kommt es drauf an zu schauen, dass der Druck ohne Störung und Fehler vonstattengeht.“ Der 30-Jährige eignete sich wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge dafür, die Einführung von 3D-Druck in die Ausbildung am Standort Hanau der Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung (AQA) zu begleiten. Sein Faible für Programmierung zahlt sich nun im Beruf direkt aus.

„Wer heute einen Beruf im Metallbereich erlernt, bekommt natürlich immer noch ganz wichtige praktische und theoretische Grundlagen, also so etwas wie klassische Ausbildung. Aber das Berufsbild befindet sich ebenso im Umbruch der Digitalisierung wie alle anderen Wirtschaftsbereiche. Darauf antworten wir adäquat", erklärt Simone Bohlender, Lehrkraft für gewerbliche Ausbildung bei der AQA.

Das Stichwort laute „additive Fertigung“, in der Material Schicht für Schicht mittels Druckmaschinen übereinander- und zusammengefügt wird. Natürlich ist das im metallverarbeitenden Betrieb nicht unbedingt immer ein Kunststoff, wie er in der Hanauer Donaustraße im Unterricht eingesetzt wird. Es geht jedoch um die Bedienfähigkeit. „In großen Industriebetrieben der Region ist die additive Fertigung teils schon seit Jahren festes Produktionselement. Da ist es nur sinnvoll, dass die Auszubildenden bei der AQA die Möglichkeit haben, sich in dem Bereich fortzubilden und sich mit einem Zertifikat noch besser auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren“, sagt AQA-Geschäftsführer Hans-Jürgen Scherer.

Im neuen 3D-Drucker auf dem Gelände an der Donaustraße werden unterschiedliche Arten von Kunststoff-Filamenten (Kunststoffdrähte) mit einem Durchmesser bis 2,85 Millimetern verwendet. Diese Kunststoffe werden mit Temperaturen von bis zu 280°C aufgeschmolzen und durch die Düsen schichtweise auf das 90°C heiße Druckbett aus Glas aufgetragen. Trotz der großen Hitze härtet das Material sofort aus. Je nach Objektgröße kann ein solcher Vorgang mehrere Stunden andauern.

Perspektivisch sollen alle Auszubildenden der AQA am Standort Hanau diese Zusatzqualifikation erhalten können. Additive Fertigung soll zu einem Kernbestandteil der Ausbildung werden, die letzten Abstimmungen laufen innerhalb der AQA derzeit. Analoge Arbeitsweisen sind nach wie vor wichtig, aber auch bewährte Ausbildungsinhalte müssen der fortschreitenden Digitalisierung angeglichen werden. Darauf hat das Bundesinstitut für Berufsbildung reagiert und Möglichkeiten geschaffen, Zusatzqualifikationen mit Zertifikat während der Ausbildung in den Metall-, Elektro- und Mechatronikerberufen zu erlangen – und von diesen Möglichkeiten macht die AQA nun Gebrauch.

Von der Zeichnung zum Druck

Daniel Riggi strebt in diesem Jahr seinen Abschluss als Fachkraft für Metalltechnik bei der AQA an. Er ist der Erste, der sich die praktischen Zusatzkenntnisse aneignet. Seine Erkenntnisse und Anregungen sind der AQA wichtig, wenn sie nun die Nutzung des 3D-Druckers dauerhaft einrichtet. Die Auszubildenden sollen bei der AQA von der Zeichnung der Objekte mithilfe einer CAD-Software bis hin zum Übertragen des Programms aufs Druckgerät, das Kalibrieren und das Betreuen des Druckvorgangs alle notwendigen Schritte und Fertigkeiten erlernen können.

„Für die AQA wie auch das KCA ist es wichtig, dass wir die Frauen und Männer in unserer Ausbildung so qualifizieren, dass sie in den Unternehmen unserer Region schnell und passgenau in der Produktion eingesetzt werden können. Unser Ausbau des Bereichs additive Fertigung entspricht dem, was uns die Industrie und das Handwerk als konkreten Bedarf zurückgemeldet haben“, verdeutlicht Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, Aufsichtsratsvorsitzende der AQA. „Ich bedanke mich bei Frau Bohlender und natürlich auch bei Herrn Riggi, dass sie beim guten Start in Hanau maßgeblich mitgeholfen haben.“