Analyse zur Auskreisung: Kreis wird hoher Verantwortung gerecht

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Trafen sich zum ausführlichen Informationsaustausch (von rechts): Michael Hoffmann, Thomas Bauer, Salih Tasdirek (IHK-Vizepräsidenten), IHK-Präsident Dr. Norbert Reichhold, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, Landrat Thorsten Stolz, Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde, Karl-Friedrich Rudolf (IHK-Vizepräsident), Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann und Bernhard Beck (IHK-Vizepräsident).

04.02.2019. - Die Themenpalette beim jährlichen Gespräch der Kreisspitze mit dem Präsidium der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern spiegelte diesmal die Bandbreite der aktuellen Aufgaben wider. Erster Punkt auf der Tagesordnung waren die Vorbereitungen einer möglichen Auskreisung der Stadt Hanau. Dazu schilderte Landrat Thorsten Stolz die zahlreichen Anforderungen sowie das weitere Verfahren, das er als „ergebnisoffen“ bezeichnete.

Unabhängig vom Ausgang sei es „ein in Hessen bisher einmaliger Vorgang, für den es keinen Masterplan gibt“. Der Landrat betonte die besondere Verantwortung des Kreises für die bisherigen Strukturen sowie die anderen 28 kreisangehörigen Städte und Gemeinden. „Neben dem politischen Wunsch und den allgemeinen Vorstellungen braucht es vor allem eine solide Planung, um am Ende eine sach- und fachgerechte Entscheidung treffen zu können“, erläuterte er.

Diese Einschätzung teilten auch die Vertreter der IHK, die sich bereits für eine nachvollziehbare Kosten-Nutzen-Analyse ausgesprochen hatten. Der Main-Kinzig-Kreis hat diese Anregung bereits aufgegriffen und auf den Weg gebracht. Denn auf den ersten Blick sei ein tatsächlicher Gewinn für das Gemeinwohl nicht erkennbar, sondern funktionierende Synergien würden zu Gunsten separater Strukturen aufgegeben. Als ein Beispiel schilderte der Landrat die Aufgaben des Gesundheitsamtes, die bisher für die Stadt Hanau übernommen werden.

Die hier derzeit angesetzten 13 Personalstellen würden künftig nicht ausreichen, wenn in Hanau ein eigenes Gesundheitsamt entsteht. Nach fachkundiger Einschätzung würden voraussichtlich doppelt so viele Personen benötigt, um die gesetzlichen Aufgaben erfüllen zu können. Völlig offen ist auch der Übergang der rund 10.700 Leistungsempfänger im Bereich von Hartz IV sowie die Betreuung der rund 4.000 Fälle im Sozialamt. Für diese Aufgabenbereiche sind im Landratsamt sowie beim KCA und der AQA rund 170 Personen nur für die Stadt Hanau tätig.

„Solche Dienstleistungen lassen sich nicht einfach so aus dem Hut zaubern und bedeuten auch mehr, als nur reine Arbeitsvermittlung“, erläuterte die verantwortliche Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. Zwar gebe es eine Absichtserklärung der Bundesagentur für Arbeit, diese Aufgaben in der Stadt Hanau teilweise zu übernehmen, doch die konkrete Umsetzung mit den räumlichen und personellen Anforderungen sei „eine ganz andere Hausnummer“. Derzeit arbeite der Main-Kinzig-Kreis mit großer Sorgfalt daran, alle relevanten Informationen und gesetzlichen Bestimmungen für diesen Prozess zusammenzutragen.

Ein besonderes Augenmerk lenkte die IHK beim Gespräch im Landratsamt auf die Region zwischen der Niddertalbahn (Stockheimer Lieschen) und der A66. Für IHK-Präsident Dr. Norbert Reichhold ist insbesondere der Ausbau der Nahverkehrsverbindung zwischen Frankfurt und Glauburg (Wetteraukreis) unverzichtbar. Daher sollte in den kommenden Monaten eine entsprechende Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht werden, um kreisübergreifend die Möglichkeiten und die Rahmenbedingungen zu konkretisieren.

„Wir haben auch dieses Thema im Blick und stehen dazu in konkreten Verhandlungen mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund“, bestätigte Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann. So sollen zum Beispiel die Optionen einer Ertüchtigung der Strecke ermittelt werden. Um dazu ein Verfahren in Gang zu setzen, wird der Verkehrsdezernent im kommenden Frühjahr zu einer 2. Niddertalkonferenz alle interessierten Vertreter der Anliegergemeinden, auch aus dem Wetteraukreis, einladen. Insgesamt sieht der Kreisbeigeordnete das Thema Mobilität als eine besondere Herausforderung der kommenden Jahre und will auch den Nahverkehrsplan 2020 in dieser Richtung aufwerten. Notwendig sei eine strategische Betrachtung nicht nur von Bus- und Bahnverbindungen sondern auch anderer Formen der Fortbewegung bis hin zum Fahrrad, betonte er. IHK-Präsident Reichhold begrüßte dies und bot die Unterstützung der IHK bei der Planung an.

Ein anderes Thema, das seit mehreren Jahren mit hoher Priorität im Kreis vorangetrieben wird, ist der Ausbau des Glasfasernetzes. Wie Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann dazu berichtete, wird derzeit ein Förderprogramm zur direkten Anbindung aller Gewerbegebiete gestartet. Im Rahmen dieser Initiative sollen noch einmal rund 900 Kilometer Glasfaser direkt zu den einzelnen Unternehmen verlegt werden, um künftig deutlich höhere Übertragungsraten zu ermöglichen. Dafür nutzt der Kreis ein Förderprogramm des Bundes und steuert selbst weitere Finanzmittel hinzu.

Diese Pläne treffen laut IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde genau den Bedarf der Unternehmen, die eine gute Internetverbindung als wichtigstes Kriterium anführen. In den jüngsten Umfragen rangiert die Bedeutung der digitalen Infrastruktur inzwischen sogar vor dem Autobahnanschluss. Darüber hinaus sieht Quidde ein Entwicklungspotenzial bei der Schaffung und Vermarktung neuer Gewerbegebiete. Hier sei eine stärkere Kooperation des Main-Kinzig-Kreises mit den Kommunen wünschenswert.