Landwirtschaft braucht Entwicklungsmöglichkeiten für den Gewässerschutz

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Der Runde Tisch zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie hat bei seiner jüngsten Sitzung in Gelnhausen das Thema Gülle und Düngung diskutiert.

24.01.2019. - Der Runde Tisch zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie hat bei seiner jüngsten Sitzung in Gelnhausen das Thema Gülle und Düngung diskutiert. Dabei forderten die Teilnehmer unter anderem mehr Verständnis für den notwendigen Bau von Güllelagern, um bei der Düngung zeitlich flexibler zu sein und die Böden auf längere Sicht stärker zu entlasten.

Der Runde Tisch fungiert als Steuerungsgremium innerhalb des Beratungsprojektes zur EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Main-Kinzig-Kreis. Gemeinsames Ziel ist es, die Gewässerqualität im Kreisgebiet zu verbessern. Das Beratungsprojekt hat der Landkreis in Trägerschaft für das Land Hessen 2012 aufgelegt. Der Runde Tisch setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern von Wasserversorgungsunternehmen, Wasser- und Landwirtschaftsbehörden, kommunalen Abwasserverbänden sowie Vertretern der Landwirte und den WRRL-Beratern.

Im Rahmen des Projekts werden die Landwirte bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen mit dem Ziel unterstützt, die Belastungen für das Grund- und Oberflächengewässer möglichst gering zu halten. Das vom Main-Kinzig-Kreis mit der Beratung beauftragte Ingenieurbüro Schnittstelle Boden führt zum Beispiel Bodenuntersuchungen bei so genannten Leitbetrieben und Messungen an Pflanzenbeständen durch. Daraus ermitteln sie dann für Landwirte optimal abgestimmte Düngeempfehlungen. Außerdem leisten sie Hilfestellungen bei der möglichst lückenlosen Begrünung der Ackerflächen.

Ein wichtiger Beratungsschwerpunkt liegt auf dem optimalen Einsatz von organischen Düngern wie zum Beispiel Mist, Kompost, Gülle und Gärresten. Alle diese Dünger fallen unweigerlich bei der Produktion von Fleisch, Milch, Eiern und Käse oder der Kompostierung von Garten- und Haushaltsabfällen an. Diese „Abfallstoffe“ sind wertvolle und natürliche Düngemittel und führen bei einem nachhaltigen Einsatz zu keinen Belastungen in der Umwelt.

Die Grundwasserschutzberatung gibt den Landwirten darüber hinaus Informationen zu den Nährstoffgehalten der organischen Dünger, dem optimalen Zeitpunkt der Düngung und der Düngermenge. In extremen Witterungssituationen wie der diesjährigen Trockenheit unterstützt die WRRL-Beratung die Landwirte ebenfalls, um ein gewässerschonendes Vorgehen bei dieser Herausforderung zu ermöglichen.

Wichtig für einen effektiven und optimalen Grundwasserschutz sind auch die technische Ausstattung der Landwirte, um die organischen Dünger verlustarm auf die Flächen und an die Pflanzenwurzeln zu bringen sowie ein ausreichender Lagerraum für die im Jahresverlauf anfallenden Dünger. Die verlustarme und bodenschonende Technik, die immer mehr Anwendung findet, sorgt dafür, dass die Nährstoffe optimal verwertet werden und dadurch weniger künstlich mit viel Energieaufwand erzeugter Mineraldünger für die Nahrungsmittelproduktion eingesetzt werden muss. Eine Bodenschonung wird beispielsweise erreicht, indem die Gülle per Schlauch zum auf dem Acker fahrenden Verteilgerät transportiert wird, sodass die Böden nicht durch schwere Güllefässer belastet und verdichtet werden.

Um Lagerkapazitäten ging es auch in der Diskussion beim Runden Tisch im Anschluss an die Fachvorträge. Wichtig ist ein ausreichender Lagerraum für die organischen Dünger. In diesem Zusammenhang zeigten sich die Mitglieder des Runden Tisches besorgt über die zunehmende Ablehnung des Baus von Güllelagern durch die Bevölkerung. Eine ausreichend dimensionierte Lagerkapazität ist allerdings notwendig, um die Gülle nur bei bestehendem Düngebedarf auszubringen. Nur so kann das Grund- und Oberflächenwasser wirksam geschützt werden.