Stolz und Ottmann warnen: „Bahn wird nicht auf Gelnhausen warten“

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„Jeden Monat, der ohne Entscheidung verstreicht, rückt die vollständige Schließung des Übergangs näher“: Der Kreis richtet eine deutliche Warnung an die Kommunalpolitiker in Gelnhausen.

01.11.2018. - Mit großer Verwunderung hat der Main-Kinzig-Kreis zur Kenntnis genommen, dass nach über 18-monatiger Diskussion in den Gremien der Stadt Gelnhausen und der Öffentlichkeit Teile der Wählergruppe „Bürger für Gelnhausen“ einen völlig neuen Vorschlag zur Beseitigung des Bahnübergangs zwischen Hailer und Meerholz ins Spiel bringen. „Ich erinnere nur daran, dass die ‚Bürger für Gelnhausen‘ die treibenden Kräfte waren, dass der Kreis all seine bisherigen Planungen für eine Überführung auf der Kreisstraße 904 gestoppt und der Stadt Gelnhausen noch einmal zusätzlichen Entscheidungsspielraum eingeräumt hatte“, erklärt Landrat Thorsten Stolz.

Der Main-Kinzig-Kreis hatte im vergangenen Jahr gemäß der Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung Gelnhausen die weiteren Planungen für die Beseitigung des Bahnübergangs Hailer-Meerholz und den Bau einer Überführung an der K904 eingestellt. Der Ball liegt seither bei der Gelnhäuser Stadtpolitik grundsätzlich zu klären, welche Lösung die Barbarossastadt selbst favorisiert. Eine Entscheidung darüber steht noch immer aus.

In der Kreisverwaltung sorgte die Kritik der „Bürger für Gelnhausen“ für Verwunderung, denn nicht mit Zurückhaltung, sondern mit großer Offenheit hat der Main-Kinzig-Kreis der Gelnhäuser Politik eine Diskussion über die Querungsvariante auf der Kreisstraße 904 ermöglicht, fachlich unterstützt durch Hessen Mobil. Genau so hatte es Gelnhausen gewünscht, erinnert Verkehrsdezernent Winfried Ottmann. „Wir lassen seit Monaten keinen Zweifel daran: Wir treffen keine Entscheidung gegen den Willen der Stadt Gelnhausen“, resümiert der Kreisbeigeordnete Ottmann. „Aber die Stadt Gelnhausen selbst muss eben auch eine Entscheidung treffen und abwägen. Jeden Monat, der ohne Entscheidung verstreicht, rückt die vollständige Schließung des Übergangs näher. Dann wird es auf lange Sicht gar keine Querung mehr geben.“

Der Main-Kinzig-Kreis verweist auf zahlreiche Schreiben und Informationen der Deutschen Bahn, zuletzt von Mitte Oktober. Darin gibt die DB Netz AG klar vor, dass ohne die rechtzeitige Fertigstellung eines Ersatzbauwerks am Schienenabschnitt Hailer-Meerholz der Bahnübergang geschlossen werde. Fertiggestellt werden müsste die neue Schienenquerung „vor dem vierten Quartal 2023“. Dazu heißt es in dem jüngsten Schreiben: „Nur so ist eine Verzögerung der weiteren geplanten Bautätigkeiten im Rahmen der ABS (Ausbaustrecke) Hanau-Gelnhausen auszuschließen.“ Im Klartext: „Die Bahn drückt aufs Tempo und wird im Zweifel nicht auf Gelnhausen warten“, bringt es Landrat Thorsten Stolz auf den Punkt.

Für Hailer-Meerholz bedeute das, dass das Planrecht für den Bereich der Querung der K904 bereits im kommenden Jahr vorliegen müsse, so der Kreis. „Das alles ist bekannt, nicht nur dem Main-Kinzig-Kreis sondern auch der Stadt Gelnhausen und ihren Entscheidungsträgern. Wenn jetzt wieder, nach 18-monatiger Diskussion in den städtischen Gremien und der Öffentlichkeit, eine gänzlich neue Alternative ins Spiel gebracht wird, trägt das in keiner Weise dazu bei, innerhalb des Zeitrahmens eine Entscheidung zu treffen. Es scheint eher der Versuch zu sein, sich aus der Verantwortung zu stehlen, eine der längst vorliegenden und diskutierten Optionen auszuwählen“, macht Stolz deutlich.

„Die Optionen liegen auf dem Tisch, die Vor- und Nachteile sind bekannt“, fügt Ottmann hinzu. „Am Ende müssen die Fraktionen und die Stadtspitze eine Abwägung vornehmen und sich positionieren. Das nimmt ihnen jetzt keiner mehr ab, genau wie es vor einem Jahr der klare Wunsch aus Gelnhausen gewesen ist.“

Landrat Thorsten Stolz und Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann bringen ihre Sorge zum Ausdruck, dass am Ende die Bürgerinnen und Bürger die Leidtragenden sein könnten. Wenn immer neue Vorschläge vorgebracht und immer neue Kommissionen und externe Gutachter zugeschaltet würden, verstreiche wertvolle Zeit. Die Folge werde sein, dass der Bahnübergang mangels Planungszeit für eine Ersatzvariante komplett zugemacht wird. „Das wird heftige Auswirkungen auf die verkehrliche Situation in Gelnhausen und Umgebung haben. Es fällt eine direkte Verbindung nach Gründau weg. Der Verkehr wird über Hasselroth und noch verstärkter über die ohnehin schon stark beanspruchte Westspange fließen“, warnt Thorsten Stolz. „Was heute in Gelnhausen nicht entschieden wird, schafft die gravierenden Probleme von morgen“, ergänzt Winfried Ottmann.