Kreisausschuss legt Konzept für neue wohnortnahe Pflegeeinrichtungen vor

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„Wir schaffen Raum für ein Älterwerden in der vertrauten Heimat“: Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler mit den Bürgermeister Rainer Schreiber (links) und Andreas Weiher.

29.10.2018. - Im Main-Kinzig-Kreis wird das Angebot an pflegerischer Versorgung und Betreuung ausgebaut – so denn die Abgeordneten des Kreistages dem zustimmen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistags am Freitag, 2. November, sollen in Jossgrund und Wächtersbach sowie einer weiteren Kommune wohnortnahe voll- und teilstationäre Hilfeangebote errichtet werden. „Ältere Menschen, ganz gleich ob im städtischen oder ländlichen Raum, haben das große und verständliche Bedürfnis, in dem Ort leben zu bleiben, in dem sie aufgewachsen sind oder ihren Lebensmittelpunkt über Jahrzehnte hatten. Wir schaffen Raum für ein Älterwerden in der vertrauten Heimat“, erklärt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler.

Zusammen mit den Bürgermeistern Rainer Schreiber und Andreas Weiher ging Susanne Simmler nun die ersten Pläne durch. Zunächst soll in Jossgrund-Pfaffenhausen im kommenden Jahr mit dem Bau einer ersten Einrichtung begonnen werden. Der Zeitplan sieht eine Eröffnung der Einrichtung bereits für das Jahr 2020 vor. Daran schließt sich ab 2020 der Bau des Hauses in Wächtersbach-Waldensberg an. „Wenn man die Region Jossgrund/Flörsbachtal und Wächtersbach/Brachttal ansieht, dann wird klar, dass das Gebiete sind, in denen die Menschen keinerlei wohnortnahe Pflegeinfrastruktur vorfinden. Das ist für die Menschen selbst, aber auch die Angehörigen eine sehr schlechte Situation“, so Dieter Bien, Geschäftsführer der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig Kreises.

Bei einem Abstimmungsgespräch in Jossgrund vor wenigen Tagen, an dem für die Gemeinde neben Bürgermeister Schreiber auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung Lothar Röder sowie die Fraktionsvorsitzenden der SPD und FWG, Reinhold Walz und Georg Röder, teilnahmen, ging Susanne Simmler auf die nähere zeitliche Planung des ersten Projekts ein. Die Bürgermeister Schreiber und Weiher zeigten sich erfreut, dass die Bauvorhaben in ihrer Gemeindevertretung beziehungsweise ihrem Magistrat auf breite Unterstützung gestoßen sind.

Dependance-Modell als Vorbild

Der Kreistag hatte bereits im November 2017 den Kreisausschuss damit beauftragt, in Zusammenarbeit mit interessierten Kommunen vorrangig des ländlichen Raumes Konzepte zu entwickeln, um voll- sowie teilstationäre sowie ambulante Hilfeangebote zur pflegerischen Betreuung wohnortnah zu realisieren. Das Dependance-Modell der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises diente hierbei als Vorbild. Doch auch weitere am Markt Tätige sollen mit zukunftsfähigen Konzeptionen und Kooperationen an den neuen Einrichtungen beteiligt werden. Im Fokus steht dabei die Entwicklung von Angeboten, insbesondere für kleinere Städte und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis, die bereits seit längerer Zeit vergeblich versuchen, eine wohnortnahe Pflege zu realisieren oder neue Konzepte zu entwickeln. Insofern sind die Verantwortlichen froh darüber, dass auch private Anbieter für ambulante Versorgungsangebote gewonnen werden können.

Der Kreisausschuss hat in den vergangenen Monaten bereits erste Gespräche mit Kommunen geführt. Konkretes Interesse an einer Umsetzung sowie die Zusage, eigene Mittel in angemessenem Rahmen zur Verfügung zu stellen, haben die Kommunen Jossgrund und Wächtersbach signalisiert. Durch die Bereitstellung von Investitionskostenzuschüssen an die Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises soll der Kreistag nun seine Absicht konkretisieren, ländlich geprägten Kommunen im Kreisgebiet eine wohnortnahe pflegerische Versorgung zu ermöglichen. Die Projekte in Jossgrund und Wächtersbach werden dann jeweils mit bis zu 1,2 Millionen Euro gefördert.

Kommunen beteiligen sich an Kosten

In den Gesprächen mit interessierten Bürgermeistern hat der Kreisausschuss seine Erwartungshaltung zum Ausdruck gebracht, dass sich die Städte und Gemeinden in einem angemessenen Rahmen bei der Errichtung und der Unterstützung während des laufenden Betriebes einer Einrichtung in ihrer Kommune engagieren. Dies haben Jossgrund und Wächtersbach grundsätzlich zugesichert. So wird von den Kommunen erwartet, dass sie für entsprechende Investitionsmaßnahmen geeignete, bebaubare und erschlossene Grundstücke zur Verfügung stellen, und mögliche, weitergehende Dienstleistungen in die Projekte einbringen.

„Wir füllen vor Ort gemeinsam eine Lücke, die Anbieter auf dem freien Markt nicht füllen und auch in Zukunft nicht füllen wollen. Die Gewinnmargen sind ganz sicher nicht verlockend genug bei einem kleinräumigen Pflegeangebot mit neuen Wohnformen, verschiedensten Versorgungsmöglichkeiten und einem integrierten externen ambulanten Dienst“, sagt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. „Aber der Landkreis und die Kommunen übernehmen diese Aufgabe im Rahmen der Daseinsfür- und -vorsorge im Sinne der Menschen. Der Vorteil in kommunaler Verantwortung ist, dass wir nicht die gleichen Gewinnerzielungsabsichten haben müssen – zumindest nicht beim Thema Pflege.“

Die Dependancen der Alten- und Pflegezentren seien ein gutes Beispiel der wohnortnahen Versorgung in ländlichen Gebieten, so Simmler. Die Akzeptanz für die Einrichtungen in Ronneburg, Neuberg, Hammersbach und Limeshain sei groß, was an der Belegungsquote deutlich wird.

Die neuen Räumlichkeiten in Jossgrund und Wächtersbach sollen ähnlich wie bei den Dependancen im Ronneburger Hügelland so angeordnet werden, dass sie viel Bewegungsfläche für die Bewohner bieten und gleichzeitig die Wege für das Personal so gering wie möglich halten.

Der Main-Kinzig-Kreis ist mit einer weiteren Kommune im Kreis in intensive Gespräche eingetreten, um auch hier im kommunalen Schulterschluss eine Bedarfslücke in der wohnortnahen pflegerischen Versorgung zu schließen.

Die Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises sind verantwortlich für die Neubauten und erhalten nach einem Beschluss im Kreistag den Auftrag zur Konzepterstellung, Projektplanung und -umsetzung. „Der Kreistag hat weitsichtig eine Entscheidung für die älteren und pflegebedürftigen Bürgerinnen und Bürger gefasst. Ich hoffe, dass wir diesen Weg auch am 2. November gemeinsam weiter gehen. Gerade in den Orten des Ländlichen Raumes wird Pflegeinfrastruktur dringend benötigt“, so Simmler abschließend. Der Aufsichtsrat der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises hat sich in seiner Sitzung vom 26. September mit den Vorhaben der Alten- und Pflegezentren befasst.