Neues Gelnhäuser Heimatjahrbuch ist erhältlich

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Über 40 Autorinnen und Autoren haben sich für die neue Ausgabe des Gelnhäuser Heimatjahrbuches engagiert.

04.10.2018. - Der Schelmenmarkt feierte vergangenes Jahr sein 70-jähriges Bestehen, die Messe Wächtersbach in diesem Jahr, nun blicken auch die Autoren des frisch gedruckten Gelnhäuser Heimatjahrbuches „Zwischen Vogelsberg und Spessart“ auf 70 Jahre „Geschichte und Geschichtchen“ zurück. So formulierte es Landrat Thorsten Stolz bei der Präsentation der neuen Ausgabe im Main-Kinzig-Forum, und er dankte in diesem Zusammenhang allen Fleißigen im Hintergrund, „dass diese feste Größe in der Dokumentation von Regional- und Heimatgeschichte immer noch aktuell ist und weiter fortgeschrieben wird“: „Im Heimatjahrbuch wird Zeitgeschichte für die Nachwelt festgehalten. Das ist für die Zukunft von unschätzbarem Wert.“

Generalthema der diesjährigen Ausgabe sind „Geschichten vom Geld und ähnlichen Zahlungsmitteln“. 44 Autorinnen und Autoren haben ihr Wissen dazu, wie auch zu vielen anderen Themen rund um Heimatgeschichte, in dem 224 Seiten starken Buch untergebracht. Das Hauptthema begegnet dem Leser in Form von Geld an sich, etwa in Form von „Silbertalern aus Hailer“ oder als falsches Geld wie ein Rechenpfennig aus der Marienkirche Gelnhausen, der ausgegraben wurde und vielleicht einst in der Kollekte gelandet war. Notgeld und Geldmangel in allen Lebenslagen werden beschrieben. So lässt sich erfahren, dass eine Kleinbahnfahrt von Meerholz nach Gelnhausen inflationsbedingt am 20. Oktober 1923 90 Millionen Mark kostete. Es werden wohlmeinende Geldverleiher und ihr Gegenteil vorgestellt: Bei Letzteren handelt es sich um Geldschleicher, die als „Betrügerkönige“ die Menschen der Region in den 1990er Jahren um ihr Erspartes brachten.

Landrat Stolz ging auf einzelne Beiträge ein und schlug den Bogen von den Anfängen des Heimatjahrbuchs bis in die Gegenwart: „Der Landrat für den Kreis Gelnhausen, Heinrich Kreß, hat damals mit der Herausgabe eines Heimatkalenders etwas schaffen wollen, was den Menschen ihren Lebensraum bewusst macht und sie mit ihrer Heimat verwurzelt. Das war angesichts Tausender Heimatvertriebener, die im ländlichen Raum untergekommen sind und es dort wahrlich nicht leicht hatten, eine guter und idealistischer Gedanke. Wir halten diesen Gedanken in Ehren und füllen ihn auch nach 70 Jahren mit Leben, gerade angesichts neuer Fluchtbewegungen, die wiederum auch das Gebiet des heutigen Main-Kinzig-Kreises betreffen.“ Dem Dank an die Autoren schlossen sich auch Christine Raedler, Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte, und Oliver Naumann, Geschäftsführer des drucklegenden Verlagshauses Naumann an.

Weitere Beiträge im Heimatjahrbuch behandeln zum Beispiel das Kirchenputzen auf dem Berg in Niedergründau, wozu früher Mitglieder der Kirchengemeinde sowie Konfirmandinnen und Konfirmanden um Mithilfe gebeten wurden, die Via Regia, die als Fernhandelsroute über Jahrhunderte Europa und auch die hiesige Region prägte, Liegenschaften wie das Quartier „Alte Stadtschreiberei“ in Gelnhausen und die „Neue Herberge“ in Lieblos sowie barocke Schmückstücke wie das Retabel von 1660 der Evangelischen Oberen Kirche von Biebergemünd-Bieber.

Natur, Flora und Fauna und leiblicher Genuss aus dem Main-Kinzig-Kreis kommen ebenfalls nicht zu kurz. Den Vogel des Jahres 2018 – den Star – stellt Norbert Möller vor. Ein Gedicht ist einem Leitmotiv von Heimat, dem „alten Kirschbaum“, gewidmet. Der Orber Trinkwasserspeicher „Horst“ wird ebenso thematisiert wie der Orber Stadtwald selbst. „Latwerche“ und „Beutelches“ werden als typische Gaumenfreuden beschrieben.

Wie üblich werden im Heimatjahrbuch auch diesmal wieder Lebensbilder regionaler Persönlichkeiten vorgestellt. Darunter sind unter anderem der Knopfmacher, Vermögensverwalter und Privatbanker Conrad Kalbfleisch, der Küfermeister „Boller Lippsche“ aus Orb und „Schuhmacher Kalla“ aus Bernbach, der Pfarrer und Geistliche Rat August Görge, der unter anderem in Bieber wirkte, Martha Schneider-Bürger aus Gelnhausen, Deutschlands erste Bauingenieurin, sowie der Unternehmer und Stiftungsgründer Heinrich Sauer.

Für das aktuelle Heimatjahrbuch haben sich wieder Monsignore Hans Höfler und Pfarrer Dr. Michael Lapp als „Fachmänner“ den kirchlichen Gedenk- und Feiertagen des Kalendariums angenommen. Der Gelnhäuser Künstler Achim Gogler ist erneut mit seinen zwölf Tierkreiszeichen im Kalendarium präsent. Wie schon seit 2006 hat Redaktionsmitglied Hans Jürgen Freund auch für die aktuelle Ausgabe in prägnanter Weise die Jahreschronik zusammengestellt.

Druckwerk wird seit 1949 herausgegeben

Seit 1949 gibt es das Gelnhäuser Heimatjahrbuch „Zwischen Vogelsberg und Spessart“. Aufgelegt wurde es für den „Altkreis Gelnhausen“ vom damaligen Landrat Heinrich Kreß selbst. Seit 1969 ist der Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises der Herausgeber. In der Zeit haben drei verschiedene Betriebe für die ordentliche Drucklegung gesorgt: Bis in die 80er Jahre die Firma Kalbfleisch, dann kurzzeitig die ehemalige Druckerei Geku, seit 1989 übernimmt das Druck- und Pressehaus Naumann (Gelnhausen) diese Aufgabe. Neben einem Leitthema runden jeweils die Jahreschronik, Naturkundliches, Unterhaltsames und Nützliches sowie die Daten der Altersjubilare und die neusten Daten des Main-Kinzig-Kreises das Buch ab. Über 44 ehrenamtliche Autorinnen und Autoren wirken an den einzelnen Ausgaben mit. Die neue Auflage ist jetzt zu erhalten im Buchhandel in Gelnhausen sowie im Bürgerportal des Main-Kinzig-Forums oder auch beim Zentrum für Regionalgeschichte. Der Preis beträgt 6,50 Euro.