Erfolgreiche Auftaktveranstaltung auf dem Weg zum Fairtrade-Landkreis

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"Wir wollen den fairen Handel und seine Wirkung in unserer Region bekannter machen": Landrat Thorsten Stolz.

28.09.2018. - Der Main-Kinzig-Kreis hat einen weiteren Baustein zur Fairtrade-Region hinzugefügt. Rund 40 interessierte Gäste und erfahrene Akteure waren der Einladung zur Auftaktveranstaltung gefolgt, um den vom Kreistag im April beschlossenen Weg zu gehen und die Initiative aktiv zu unterstützen.

In seiner Begrüßung verwies Landrat Thorsten Stolz auf die Mitverantwortung auch der Kommunalpolitik in einer globalisierten Welt. Dabei gehe es dem Main-Kinzig-Kreis nicht um eine repräsentative Auszeichnung mit dem entsprechenden Siegel, sondern um das Zusammenwirken der vielen engagierten Menschen auf lokaler Ebene. „Wir wollen den fairen Handel und seine Wirkung in unserer Region bekannter machen und dazu beitragen, diese Welt ein bisschen gerechter zu machen“, sagte er. Dabei sei Fairtrade keine Konkurrenz zu regionalen Produkten.

Die Hintergründe und den Anspruch des 1992 gegründeten Siegels schilderte „Ehrenbotschafter“ Manfred Holz. Das „faire Sortiment“ umfasst inzwischen rund 5000 Artikel. Aus seiner Erfahrung wusste er zu berichten, wie die Idee des fairen Handels enorme Kräfte frei setzt und auch jede Menge Kreativität in Gang bringt, angefangen im Rathaus, bis hin zu Kirchen, Vereinen, Schulen, Betrieben und Geschäften. „Dieses Potenzial sehe ich auch im Main-Kinzig-Kreis“, zeigte er sich von den Anfängen überzeugt.

Für die Auszeichnung „Fairtrade-Town“ seien die gestellten fünf Anforderungen recht hoch, aber erfüllbar. Doch dann gehe die Arbeit erst richtig los, denn es sei ein langer Weg, bis die Konsumenten das Gütesiegel nicht nur als gelegentliches Beruhigungsmittel für das eigene Gewissen verstehen. „Fairer Handel lebt vom Handeln“, lautete seine einfache Botschaft, die im Main-Kinzig-Kreis bereits vielfältig in die Tat umgesetzt wird.

Die Projektleiterin des Main-Kinzig-Kreises, Alice Engel-Kanani, hatte dazu einige Vertreterinnen und Vertreter von erfolgreichen Projekten eingeladen. So berichtete Renate Tonecker-Bös, Sprecherin der Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt Erlensee, von den Erfahrungen aus dem 2012 gestarteten Prozess. Bereits 2011 erhielt die Stadt Gelnhausen das Siegel, erzählte Initiatorin Bixi Scheffler, die am Mittwoch auch zahlreiche Produkte aus dem Gelnhäuser Weltladen mitgebracht hatte. Natalie Eschrich schilderte die Erfahrungen der noch jungen Initiative in Maintal und Stephan Loquai berichtete aus Rodenbach.

Welche Dynamik die Beschäftigung mit menschenwürdigen Produktionsbedingungen, fairen Preisen und sozialem Handeln erreichen kann, erzählte Andrea Tacke, Lehrerin an den Beruflichen Schulen in Gelnhausen. „Der Einsatz und die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler hat mich überwältigt“, zeigte sie sich von der nachhaltigen Wirkung des Themas beeindruckt. Es sei in jedem Fall eine lohnende Anstrengung, für diese gute Sache einzutreten und Überzeugungsarbeit zu leisten.

Die begeisternden Erfahrungsberichte verfehlten ihre Wirkung nicht. Denn zum Abschluss der Veranstaltung konnte Landrat Thorsten Stolz mitteilen, dass sich bereits acht Personen bereit erklärt hätten, in der neuen Steuerungsgruppe aktiv an der Koordinierung und Vernetzung mitzuwirken. Damit sei nach dem Kreistagsbeschluss eine weitere Voraussetzung erfüllt.

Nun müsse es noch gelingen, Interessierte aus dem Einzelhandel, der Gastronomie, der Floristik oder dem Gastgewerbe für eine aktive Teilnahme zu gewinnen. Die künftigen Partner müssen als Voraussetzung wenigstens zwei Produkte aus fairem Handel anbieten. Auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen – und natürlich auch im Landratsamt – sollte sich das Angebot entsprechend entwickeln.

„Wir haben für diesen Prozess noch ein paar Hausaufgaben zu machen“, kündigte der Landrat an. Darüber hinaus werde der Main-Kinzig-Kreis auch Bildungsaktivitäten zum Thema fairer Handel umsetzen. Ein wichtiger Baustein ist außerdem die Öffentlichkeitsarbeit, um möglichst viele weitere Bürgerinnen und Bürger beziehungsweise Einrichtungen für das Thema fairer Handel zu sensibilisieren. Hat der Main-Kinzig-Kreis diese fünf Kriterien dann erfüllt, wird er sich offiziell bei TransFair e.V. um die Auszeichnung bewerben.