„Kindeswohlgefährdung im Sport“: Seminare für Vereine

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Mit vier Informationsveranstaltungen für die heimischen Sportvereine rücken die Verantwortlichen des Landkreises und des Sportkreises das Thema Kindeswohlgefährdung in den Mittelpunkt (von links): Ursula Steinau, Landrat Thorsten Stolz, Stefan Bahn und Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann.

24.09.2018. - Das Thema „Kindeswohlgefährdung im Sport“ hat in jüngerer Vergangenheit viele hiesige Sportvereine beschäftigt. Um den Schutz der Kinder zu gewährleisten, gleichzeitig Vereinen aber einen geringstmöglichen bürokratischen Aufwand zuzumuten, haben der Sportkreis Main-Kinzig e.V. und der Main-Kinzig-Kreis im vergangenen Jahr eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Mit Seminaren in vier Städten des Main-Kinzig-Kreises informiert der Sportkreis nun alle interessierten Vereinsvertreter ausführlich zum Thema „Kindeswohlgefährdung“. Gemeinsam mit Landrat Thorsten Stolz und dem Kreisbeigeordneten Winfried Ottmann gaben der Sportkreisvorsitzende Stefan Bahn und Ursula Steinau, verantwortlich im Sportkreis für Seminare, in Gelnhausen den Startschuss.

„Der Schutz des Kindeswohls hat die höchste Priorität für uns als Gesellschaft, das ist Teil unserer zentralen Werte. Diesen Schutz müssen wir gewährleisten von der Familie bis in alle weiteren sozialen Gruppen und bis hin zu den Vereinen“, betonte Sportdezernent Thorsten Stolz. Jugenddezernent Winfried Ottmann ergänzte: „Neben der Aufmerksamkeit für das Thema ist die Aufklärung über Grenzen und Verhaltensregeln wichtig, deshalb stellen wir für einen der Seminartermine gerne einen Raum in der Kreisverwaltung zur Verfügung.“

Stefan Bahn schloss sich an. „Es geht in der Nachwuchsarbeit in den Vereinen nicht nur um die sportliche Entwicklung und um Erfolge, sondern auch um einen verantwortungsvollen Umgang mit den Kindern, die den Vereinen anvertraut werden. Wir brauchen gerade auch in den Sportvereinen eine Kultur des Hinsehens“, sagte der Vorsitzende des Sportkreises Main-Kinzig e.V.

„Betreuungspersonen im Sportverein übernehmen nicht nur Verantwortung für das sportliche Programm, sondern auch für einen verantwortungsvollen Umgang mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Dies bedeutet, dass sich der Verein gegen jede Form von Kindeswohlgefährdung, auch gegen sexuelle Gewalt, einsetzt und eine Kultur des Hinsehens entwickelt“, so Referentin Ursula Steinau.

Der Sportkreis Main-Kinzig möchte entsprechend der Rahmenvereinbarungen mit dem Main-Kinzig-Kreis seine Vereine unterstützen. So werden zukünftig Seminare für oder in Kooperation mit Vereinen zum Thema Kindeswohl angeboten um Übungsleiter und Trainer entsprechend zu sensibilisieren und zu schulen. In diesen Seminaren werden die wichtigsten Grundlagen des Kinderschutzes im Sport vermittelt, Verhaltensregeln für den Vereinsalltag erarbeitet und über erste Schritte bei einem Verdachtsfall informiert. Gleichfalls werden die Erscheinungsformen von Kindeswohlgefährdung, wie körperliche und seelische Vernachlässigung, emotionale/seelische oder körperliche Vernachlässigung, Misshandlung, Grenzüberschreitungen, Übergriffe sowie sexuelle Gewalt aufgezeigt. Ursachen können außerhalb des Vereins im familiären Umkreis liegen, unter Kindern und Jugendlichen z. B. durch Mobbing, aber auch durch Mitarbeiter/innen des Vereins vorkommen. Auch Fragen, wie erkenne ich, dass eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, welche Auffälligkeiten zeigen Kinder und wie gehe ich im Verdachtsfall vor, werden in diesen Fortbildung erörtert. Durch ein erweitertes Seminarangebot sollen Übungsleiter auch die Möglichkeit bekommen, sich als Ansprechperson zum Thema Kinder- und Jugendschutz im Verein zu qualifizieren.

Das erste Seminar findet am Mittwoch, 26. September, in Hanau statt. Weiter geht es mit Veranstaltungen am 1. November im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen, am 22. November in Bruchköbel-Roßdorf und im Frühjahr 2019 in Schlüchtern. Anmeldungen nimmt der Sportkreis schriftlich per Mail an b.senftleben@sportkreis-main-kinzig.de oder über die Internetseite www.sportkreis-main-kinzig.de entgegen. Die Gebühr beträgt je Teilnehmer fünf Euro (Mitgliedsverein des Sportkreises Main-Kinzig), zehn Euro (Mitgliedsvereine des Landessportbunds Hessen) beziehungsweise 15 Euro (weitere Vereine).

Rahmenvereinbarung für das Kreisgebiet online abrufbar

Mit einer Rahmenvereinbarung zwischen dem Sportkreis und dem Main-Kinzig-Kreis hatten die Unterzeichner, Landrat Thorsten Stolz und der damalige Jugenddezernent Matthias Zach für den Main-Kinzig-Kreis sowie Stefan Bahn und Florian Dinges für den Sportkreis Main-Kinzig, im vergangenen Jahr den Schutz des Kindeswohls als einvernehmliches Ziel erklärt. Gleichzeitig haben sie damit den Sportvereinen notwendige Bürokratie abgenommen und die möglichen Überprüfungen der neben- und ehrenamtlich tätigen Personen an die Gegebenheiten im Sport angepasst.

In den anderen Kreisen in Hessen wurden hingegen Vereinbarungen zwischen jedem Verein und dem Kreis geschlossen und daher die Vereine in ein enges Muster gedrängt. Im Main-Kinzig-Kreis führte der Sportkreis Gespräche mit dem Jugendamt sowie den politischen Entscheidungsträgern, stellvertretend für die vielen einzelnen Vereine. So wurde ein Weg gefunden, um auf der einen Seite den erforderlichen Schutz der Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten und auf der anderen Seite die ehrenamtlich geführten Vereine nicht in Verwaltungsvorschriften „ersticken zu lassen“.

Die Rahmenvereinbarung kann über die Internetseite des Sportkreises Main-Kinzig heruntergeladen werden. Dort sind auch weitere Hintergründe zu dem Thema abrufbar: www.sportkreis-main-kinzig.de.