Am 1. September: Auftakt der Interkulturellen Wochen in der ehemaligen Synagoge Gelnhausen

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27.08.2018. - Anfang September beginnen die Interkulturellen Wochen 2018 – einen ganzen Monat lang wird auch im Main-Kinzig-Kreis mit Kunstausstellungen, Lesungen, Tanz, Filmkunst, kulinarischen Events und Begegnungsfesten ein beeindruckender Querschnitt des interkulturellen Lebens in der Region abgebildet. In diesem Jahr haben die Organisatoren im Landkreis ein noch bunteres und vielfältigeres Programm zusammengestellt, das interessante Einblicke in den Reichtum der interkulturellen Aktivitäten ermöglicht. Dass gerade auch Flüchtlinge und Zugewanderte zu dieser Vielfalt beitragen und gemeinsam mit ihren Unterstützern ein wunderbares Beispiel für Austausch und Dialog geben, darauf sind die Veranstalter – das Integrationsbüro des Main-Kinzig-Kreises in Kooperation mit verschiedenen Partnern – besonders stolz.

Die Auftaktveranstaltung am 1. September in der ehemaligen Synagoge Gelnhausen steht unter dem Motto Exil und Migration von Frauen im Main-Kinzig-Kreis. Denn Frauen und Mädchen haben häufig andere Gründe für die Flucht aus ihren Heimatländern als Männer – neben dem Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen sie auch nach Möglichkeiten zu einem selbstbestimmten Leben abseits von einengenden Traditionen und kulturellen Vorschriften. Ab 17 Uhr kommen an diesem Tag Frauen aus Afghanistan und dem Iran zu Wort und berichten über ihre Erfahrungen vor, während und nach der gefahrvollen Flucht.

Gleichzeitig findet auch die Vernissage zur Ausstellung Kunst im Kontext von Migration und Exil statt, die während des gesamten Zeitraums der Interkulturellen Wochen in der Ehemaligen Synagoge zu sehen sein wird. Die iranische Künstlerin Farzaneh Ravesh, die sich gemeinsam mit ihrem Ehemann auch in ihrer neuen Heimat künstlerisch engagiert, zeigt dabei erstmals ihre in Deutschland entstandenen Bilder. Am iranisch-afghanischen Buffet und musikalisch umrahmt von Instrumentalisten aus Afghanistan und dem Iran bietet sich im Anschluss für alle Gäste Gelegenheit zu anregenden Gesprächen.

Auch an den folgenden Tagen wird die Ehemalige Synagoge Gelnhausen ein spannender Begegnungsort sein: Im Rahmen des türkischen Kulturnachmittages am 2. September ab 14 Uhr in Kooperation mit dem Kreisausländerbeirat, am 3. September ab 19 Uhr beim Poetry Slam mit Artem Zolotarov (siehe Zusatzinfo am Ende) sowie am 4. September ab 18 Uhr mit einer Veranstaltung der Bildungspartner Main-Kinzig und dem italienischen Kulturverein Pinocchio. An diesen Terminen ist auch die Brentano-Buchhandlung jeweils mit ausgewählter Literatur vertreten.

Am 7. September werden dann ab 18 Uhr im Haus der Bildungspartner GmbH Impressionen einer Reise zur Partnerstadt Fethiye vorgestellt, eine Filmreihe im Kino Gelnhausen zum Thema Integration und Kino bietet spannende filmische Einblicke in die Alltagskultur unserer neuen Nachbarn. Den Auftakt bildet die Matinee am Sonntag, 9. September, 11 Uhr, mit der Clash-Komodie „Die Migrantigen“.

Mit vielen weiteren Veranstaltungen und Workshops in den teilnehmenden Gemeinden wird das Programm abgerundet. In der ersten Woche sind das unter anderem am 1. September das Begegnungscafé in Erlensee von 14 bis 16 Uhr und das 5. Maintaler Suppenfest ab 16 Uhr im Kinder- und Jugendhaus Bischofsheim. „Essen verbindet“ heißt es auch am 2. September ab 14 Uhr im Haus der Vereine in Flörsbachtal. In Steinau und Bad Soden Salmünster gibt es jeweils montags und mittwochs im Rahmen der Interkulturellen Wochen den offenen Treff „Drop In(klusive)“.

Alle Termine und weiterführende Informationen sind online zu finden, der Flyer dazu liegt im Besucherforum des Main-Kinzig-Kreises und einigen Rathäusern aus. Das Integrationsbüro und die Organisatoren vor Ort freuen sich über den hoffentlich zahlreichen Besuch kulturinteressierter Bürger und Bürgerinnen. Weitere Infos unter www.mkk.de .

Artem Zolotarov: Seine Wortspiele kreisen um Liebe und Nähe sowie Heimat und Fremde

Seit 2014 ist Artem Zolotarov in der deutschen Gemeinde der Alltagspoeten zu Hause – und das durchaus erfolgreich. Im Oktober 2015 setzte er sich als Sieger bei den Rheinland-Pfälzischen Landesmeisterschaften im Poetry Slam gegen 19 Mitbewerber durch und begeisterte mit seinen lyrischen, aber auch politischen Texten die Jury und das Publikum gleichermaßen. 2016 und 2017 trat er für das Goethe-Institut in Metz und Paris auf. Beim Slammen auf der Bühne unterstützen seine eindringliche Vortragsweise und eine starke persönliche Präsenz die Botschaften, die sich in seinen Texten finden – viele seiner Gedanken und Wortspiele kreisen um Themen wie Liebe und Nähe, stellen aber auch nachdenkliche Fragen im Kontext von Heimat und Fremde oder dem Glauben an Gott.

Der gebürtige Ukrainer studierte in Mainz Germanistik und Europäische Literatur. Beim Schreiben verarbeitet er natürlich auch die eigenen Erfahrungen in Deutschland, wo er seit 1998 lebt. Damals kam er als Elfjähriger mit seiner Familie aus Donezk nach Kaiserslautern, seine Texte spiegeln diesen sicher nicht einfachen Werdegang und die Frage nach nationaler Identität wider. Dabei erzeugt er immer wieder vielschichtige Bilder und Botschaften, die sich im Kopf der Zuhörer zu kunstvollen Gebilden verdichten. Auch beim Schreiben seiner Bücher bewegt sich Artem Zolotarov in einem Rahmen, der durch interkulturelle Spannungen geprägt ist.

Im Rahmen der Interkulturellen Wochen präsentiert das Integrationsbüro Artem Zolotarov am 3. September, 19 Uhr, in der Ehemaligen Synagoge Gelnhausen. Bei seinem Auftritt wird er von Frank Albersmann begleitet, einem Frankfurter Singer/Songwriter, der sich ebenfalls dem Poetry Slam verschrieben hat und die Lyrik Zolotarovs musikalisch ergänzt.