Pflegestützpunkte des Kreises als wichtige Anlaufstelle

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Madeleine Gluth vom Pflegestützpunkt des Main-Kinzig-Kreises in Schlüchtern berät ältere Menschen und ihre Angehörigen zu den unterschiedlichen Möglichkeiten, die dabei helfen, den Alltag trotz Einschränkungen zu bewältigen.

28.01.2022. - Wer das Beratungsangebot in einer der drei Pflegestützpunkte des Main-Kinzig-Kreises in Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern in Anspruch nimmt, benötigt in der Regel unterschiedlich große Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags. Nicht immer fällt es den Betroffenen und den Angehörigen leicht, Kontakt aufzunehmen. „Dabei ist das der erste Schritt, damit sich eine kritische Situation entschärft und der Lebensalltag der Betroffenen leichter gestaltet werden kann“, weiß Irmhild Neidhardt, Leiterin der Abteilung Leben im Alter beim Main-Kinzig-Kreis. Doch wie läuft eine solche Beratung ab? Welche Hilfestellung und Unterstützung kann gewährt werden?

Ein fiktiver, aber beispielhafter Fall könnte der eines über 80-jährigen Ehepaares sein: Karl (83) und Lieselotte (83). Der Ehemann meldet sich beim Pflegestützpunkt, weil seine Frau durch ihre Parkinsonerkrankung stark in ihrer Mobilität eingeschränkt ist. Sie ist in letzter Zeit öfters gestürzt und hat Angst, wieder zu fallen. Hinzu kommt, dass sie unter Schwindel leidet und Hilfe benötigt, um morgens aus dem Bett aufzustehen. Weil ihre Hände durch die Erkrankung nicht mehr so gut greifen und halten können, muss ihr Mann ihr beim Waschen helfen. Ihre Feinmotorik ist gestört. Auch Arztbesuche und Einkäufe kann sie nur noch in Begleitung erledigen. Lieselotte hat bislang keinen Pflegegrad und keine Hilfsmittel, die ihr den Alltag erleichtern würden.

„Solche Verschlechterungen der körperlichen Motorik kommen oft schleichend, so dass die Betroffenen zunächst versuchen, sich damit zu arrangieren, weil sie auch niemandem zu Last fallen wollen“, weiß Madeleine Gluth, die als Pflegeberaterin im Pflegestützpunkt Schlüchtern arbeitet. „Oftmals stellen wir fest, dass die Betroffenen ängstlich in dieser für sie unangenehmen Situation verharren, sie wissen nicht, was auf sie zukommt und wollen sich vielleicht auch nicht mit ihrer Situation auseinandersetzen“, erklärt Irmhild Neidhardt. Die Folge: Das Ehepaar lebt in einem Zustand der Überforderung, die Situation wird als sehr belastend und schwierig erlebt. „Ich bin verzweifelt und weiß nicht mehr weiter - das ist ein Satz, den wir in den Pflegestützpunkten häufig hören“, erklärt Madeleine Gluth. Denn das Ehepaar wolle auch der berufstätigen Tochter nicht zur Last fallen, die in einer weit entfernten Stadt lebt und nur alle drei Wochen zu Besuch kommen kann.

„Das ist eine ganz typische Situation bei einer ersten Kontaktaufnahme. Wenn Menschen in das Alter kommen, in dem sie auf Hilfe angewiesen sind, wird es oft schwierig, denn sie wollen sich das vielleicht selbst erst mal nicht eingestehen“, sagt Irmhild Neidhardt. In den Beratungsgesprächen sei deshalb neben Einfühlungsvermögen in die Lebensumstände der Betroffenen auch Fingerspitzengefühl gefragt. Die Angehörigen werden nach Möglichkeit deshalb in die Beratung einbezogen.

Das Beratungsgespräch mit Karl und Lieselotte findet bei ihnen zu Hause statt, kann aber seit einiger Zeit auch per Videoschaltung geführt werden. Die Pflegeberaterinnen fordern einen Antrag auf Pflege bei der Pflegekasse an und stellen ihn gemeinsam mit der Klientin. Und sie bereiten sie auch auf die Begutachtung des Medizinischen Dienstes vor. Ein weiterer Antrag auf Schwerbehinderung wird beim Versorgungsamt angefordert und die Klientin wird mit der Beratungsstelle (EUTB) vernetzt. „Das sind die ersten wichtigen Schritte, die wir gemeinsam mit den Betroffenen unternehmen“, erklärt Madeleine Gluth.

Dann geht es mit der praktischen Hilfestellung weiter, indem der Kontakt zu einem Sanitätshaus hergestellt wird, um passende Gehhilfen und Hilfsmittel zum selbständigen Verlassen des Bettes vorzustellen. Auch andere Hilfsmittel können den Alltag erleichtern, wie ein ergonomisches Besteck, Greifzange und Greifadapter. Die Beraterinnen schauen aber auch vor Ort in der Wohnung, wie diese sicherer und barrierefrei gestaltet werden kann und geben Tipps, etwa für einen Handlauf, und schauen, wo Teppiche zur Stolperfalle werden können. Auch Licht mit Bewegungsmelder kann den Alltag erleichtern. Ebenso wie technische Geräte, die über Sprachsteuerung funktionieren und Fernbedienungen mit extra großen Schaltflächen. „Der Hausnotruf ist ein zusätzlicher Baustein, der für mehr Sicherheit sorgt, denn damit kann schnell Hilfe gerufen werden“, erläutert Madeleine Gluth.

Sofern dies nötig erscheint, wird auch das Gespräch mit dem Hausarzt oder dem Neurologen gesucht, weil Lieselotte depressive Stimmungslagen hat, unter denen sie sehr leidet. „Wir werfen also einen Rundumblick auf die Einzelsituation und gehen die entsprechenden Schritte mit unseren Klienten. Je nachdem, zu was sie sich in der Lage fühlen, können sie auch einzelne Bereich selbst übernehmen, das hängt ganz von der individuellen Lebenssituation ab“, erklärt Irmhild Neidhardt.

So vermittelt der Pflegestützpunkt Angebote von Selbsthilfegruppen und Angehörigengruppen und stellt eine Liste von Pflegediensten zusammen. Außerdem werden mögliche Leistungen von Pflegediensten besprochen. „Das kann zum Beispiel Unterstützung bei der Körperpflege, etwa Duschen sein. Auch das Thema Abrechnung von pflegerischen Leistungen des Pflegedienstes über die Pflegekassen wird angesprochen. „Es geht in einem weiteren Schritt darum, wie Situationen, die zuletzt mit Unsicherheit und Angst verbunden waren, entschärft werden können. Das kann der Arztbesuch sein, für den man dann künftig eine Betreuung oder Begleitung hinzuziehen kann. Hierfür gibt es Unterstützung durch die Pflegekasse“, erläutert Madeleine Gluth. All das sind notwendige Schritte, um den Alltag zu erleichtern und den Druck rauszunehmen. „Indem wir Seniorenberaterinnen und Seniorenberater aus der jeweiligen Region der Klienten hinzuziehen, können diese gezielt Angebote für die Freizeitgestaltung machen. Denn auch das gehört zum Leben im Alter: Soziale Kontakte“, unterstreicht die Pflegeberaterin.

„Die Pflegestützpunkte sind ein regional wichtiger Baustein, um den Menschen dabei zu helfen, mit den Einschränkungen, die im Alter dazu kommen können, besser umzugehen. Es ist einfach auch wichtig, in dieser neuen Situation eine Orientierung zu geben und mit jemandem sprechen zu können, der Erfahrung hat und ein Netzwerk. So können bei den Betroffenen und deren Angehörigen maßgeschneiderte Lösungen ankommen angeboten werden und nicht nur ein Katalog an Möglichkeiten. Das persönliche Gespräch ist dabei ein Schlüsselmoment, auch wenn es teilweise nur digital möglich ist. Unsere Kolleginnen und Kollegen aus den Pflegestützpunkten haben dabei immer den Mensch mit allen seinen Bedarfen im Blick und sind nicht alleine fokussiert auf die Pflege. Dabei geht es auch um tägliche Abläufe, vorhandene Hürden in Bürokratie oder auch sonstige Versorgungsthemen“, erklärt Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Susanne Simmler. „Dieser geschärfte Blick, die direkte Beratung und vor allem auch die Zeit, die sich die Kolleginnen und Kollegen nehmen können, bietet bieten die nötige Orientierung für die Betroffenen, aber auch für die Angehörigen“, so Susanne Simmler, die dazu einlädt, sich frühzeitig mit den Pflegestützpunkten in Verbindung zu setzen, um die Lebensqualität bis ins hohe Alter hinein bestmöglich zu erhalten. „Es geht ganz einfach, einen Termin zu vereinbaren und es gibt keine Fragen oder Anliegen, die nicht gestellt und vorgebracht werden könnten“, fügt sie hinzu.

Karl und Lieselotte haben sich zwar an einigen Stellen ihres Lebens umstellen müssen, was den Alltag angeht, aber gerade das hat ihnen auch ein gutes Stück Sicherheit gebracht und Erleichterung. „Der Druck ist längst nicht mehr so groß, das spüren wir in vielen der Gespräche ganz deutlich“, erklärt Irmhild Neidhardt.

Kontakt zu den Pflegestützpunkten

Pflegestützpunkt Gelnhausen
Hailerer Straße 24, 63571 Gelnhausen, Telefon (06051) 85-48012 / -48003, Fax (06051) 85-48158, E-Mail: pflegestuetzpunkt@mkk.de.
Montag: 9 – 12 Uhr
Mittwoch: 9 – 12 Uhr
Donnerstag: 14 – 17.30 Uhr

Pflegestützpunkt Schlüchtern
Wassergasse 16-18, 36381 Schlüchtern, Telefon (06661) 970-48171 /-48172, Fax 06661 970-48179, E-Mail: pflegestuetzpunktSLU@mkk.de.
Dienstag: 9 – 12 Uhr
Mittwoch: 14 – 17.30 Uhr
Donnerstag: 9 – 12 Uhr

Pflegestützpunkt Hanau
Steinheimer Straße 1, 63450 Hanau, Telefon (06181) 292-48181, Fax (06181) 292-48189,
E-Mail: pflegestuetzpunktHU@mkk.de.
Dienstag: 9 – 12 Uhr
Mittwoch: 14 – 17.30 Uhr
Donnerstag: 9 – 12 Uhr