Erzieherinnen und Erzieher werden gebraucht

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Im Anschluss an das Gespräch überreichte Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann Christina Barnikol, Nicole Maier und Denise Müller gemeinsam mit Iris Dörr, Zentralstelle für Kinderbetreuung, einen weihnachtlichen Blumenstrauß (von links).

17.12.2021. - Was muss getan werden, um den Beruf der Erzieherin beziehungsweise des Erziehers für Kindertagespflegepersonen im Main-Kinzig-Kreis attraktiv zu machen: Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Gesprächs, das Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann kürzlich mit Christina Barnikol aus Großkrotzenburg, Nicole Maier aus Maintal und Denise Müller aus Gründau führte. Alle drei arbeiten seit Jahren als Kindertagespflegeperson und kümmern sich um bis zu fünf Kinder unter drei Jahren.

Wie Winfried Ottmann zu Beginn des Treffens ausführte, sind im Main-Kinzig-Kreis derzeit 2.275 Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung tätig. „Wir rechnen freilich mit einem signifikant steigenden Bedarf an Fachpersonal in den nächsten Jahren“, so der Kreisbeigeordnete weiter. Dies gehe aus einer Studie des Deutschen Jugendinstitutes und der Technischen Universität Dortmund hervor, die Modellrechnungen für die einzelnen Landkreise und Städte in Hessen angestellt habe. Laut einer darauf aufbauenden differenzierten Modellrechnung der Jugendhilfeplanung des Main-Kinzig-Kreises liegt der berechnete zusätzliche Bedarf bei etwa 1.220 Fachkräften. „Neben dem Ausbau der Kindertagesbetreuung bis 2022 und dem Ausscheiden vieler Mitarbeitenden im Alter von 63 Jahren wird vor allem das ‚Gute-Kita-Gesetz‘ dazu führen, dass mehr Erzieherinnen und Erzieher gebraucht werden. Diese gesetzliche Änderung sieht bei gleichbleibender Anzahl an Kitaplätzen mehr Personal vor“, berichtet Winfried Ottmann.

Die drei Frauen können sich gut vorstellen, eine Ausbildung zur Erzieherin zu absolvieren. „Allerdings schreckt die Länge der Ausbildung ab“, so Christina Barnikol. Um diese aufzunehmen, müssen in Hessen zunächst bestimmte Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehört neben dem mittleren Bildungsabschluss die zuvor absolvierte Ausbildung zur Sozialassistentin beziehungsweise zum Sozialassistenten. Alternativ sollte der Abschluss einer einschlägigen Berufsausbildung, eine andere abgeschlossene Berufsausbildung oder das Abitur sowie mindestens ein Jahr Vollzeitpraktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung vorliegen.

Die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin oder zum Erzieher selbst dauert in Hessen in der Regel drei Jahre. In den ersten beiden Ausbildungsjahren werden die Studierenden an der Fachhochschule für Sozialwesen unterrichtet und absolvieren anschließend ein Anerkennungsjahr in einer Einrichtung. Die Ausbildung an einer zweijährigen höheren Berufsfachschule für Sozialassistenz dauert zwei Jahre. In diesen zwei Jahren erhalten die Auszubildenden eine pädagogische und pflegerische Grundausbildung und sind insbesondere im zweiten Jahr an drei Tagen der Woche in der Praxis. Die drei erfahrenen Kindertagespflegepersonen regten an, die Ausbildung abzukürzen, falls jemand – so wie sie – über entsprechende Berufserfahrung verfüge, alle notwendigen Qualifikationen der Tagespflege erworben und regelmäßig Fortbildungen besucht habe.

Iris Dörr von der Zentralstelle für Kinderbetreuung im Jugendamt des Main-Kinzig-Kreises bekräftigte das. „Im Main-Kinzig-Kreis werden derzeit etwa 600 Kinder in der Tagespflege betreut – und zwar von gut qualifizierten Personen in staatlich anerkannten Pflegestellen. Nach der Grundqualifikation finden alle weiteren Fort- und Weiterbildungen der Kindertagespflegepersonen gemeinsam mit Erzieherinnen und Erziehern statt. Auch das sichert die hohe Qualität“, so Dörr.

Christina Barnikol, Nicole Maier und Denise Müller unterbreiteten Winfried Ottmann den Vorschlag, Ausbildungsmodule an den Wochenenden oder abends anzubieten. Während einer Ausbildung würden gerne die Kindertagespflege weiter betreiben. Andernfalls seien auch die finanziellen Einbußen für sie zu groß. Zudem gebe es die Ausbildung bislang nicht als Online-Angebot. Es wäre wünschenswert, so die Erzieherinnen, einen Teil der Ausbildung als eine Art Fernstudium zu organisieren. Dann könne man selbst entscheiden, wann man lernen wolle. Damit lasse sich eine erhebliche Erleichterung erreichen.

Winfried Ottmann sagte zu, sich mit Irmgard Herget, Leiterin der Fachschule für Sozialwesen an den Beruflichen Schulen in Gelnhausen, und Iris Dörr zusammenzusetzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. „Wir müssen Lösungen finden, um den Weg zum Beruf der Erzieherin beziehungsweise des Erziehers familienfreundlich und finanziell attraktiv zu gestalten“, so der Jugenddezernent des Kreises.

Abschließend rief er Interessierten, vor allem aber Schülerinnen und Schülern der neunten Klassen dazu auf, ihr Schulpraktikum in einer Kita des Main-Kinzig-Kreises zu absolvieren, um in die Arbeit mit Kindern hineinzuschnuppern. „Ich hoffe, dass sich dann der eine oder die andere zu einer Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher entschließt, auch weil das Berufsbild durch die Ganztagsbetreuung in Zukunft noch breiter und vielfältiger und damit interessanter werden wird.“