Zum Internationalen Frauentag

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Grit Ciani, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Main-Kinzig-Kreises, Brigitte Machnitzke, Frauen helfen Frauen, und Heike Schmidt, Frauenbeauftragte der Stadt Gelnhausen, (von links) stellen gemeinsam mit Stephan Schneevogl, Betreiber des Pali-Kinos in Gelnhausen, die Aktionen am 25. November zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen vor.

16.11.2021. - Am 25. November findet zum 40. Mal der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Auch im Main-Kinzig-Kreis sind Veranstaltungen und Aktionen geplant, die auf das Thema aufmerksam machen und die Menschen sensibilisieren sollen. Wie schon in den zurückliegenden Jahren haben Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Daniel Glöckner, Bürgermeister der Stadt Gelnhausen, die Schirmherrschaft für Aktionen in Gelnhausen übernommen.

Susanne Simmler unterstreicht: „Es ist doch schon einigermaßen traurig, dass wir die Botschaften dieses Tages jedes Jahr aufs Neue wiederholen müssen und vor allem im täglichen Tun sehen, dass das Thema nichts an Aktualität verloren hat. Gewalt und auch das müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, fängt nicht bei Schlägen an und geschieht oft als ökonomische oder psychische Gewalt. Das geschieht subtil und im Verborgenen. Demütigungen, Drohungen, Einschüchterung oder Freiheitsentzug hinterlassen keine deutlich sichtbaren Spuren, wie es blaue Flecken oder ein blaues Auge tun. Es geht uns alle an und ist keine Frage von Bildung, Schicht, Glauben oder Herkunft. Sie zieht sich durch unsere gesamte Gesellschaft.“ Für Daniel Glöckner ist es „genau deshalb so wichtig, das Thema immer und immer wieder in die Öffentlichkeit zu holen“: „Mit den Aktionen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen verfolgen wir genau dieses Ziel.“

So wird an dem Gedenk- und Aktionstag um 17.30 Uhr im Kino Pali in Gelnhausen der Film „Nach dem Urteil“ vorgeführt. „Wir greifen in diesem Jahr das Thema Umgangsrecht auf. Es wird in dem Film sehr sensibel und eindrucksvoll behandelt und bietet damit reichlich Stoff für die anschließende Gesprächsrunde“, erläuterte Grit Ciani, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Main-Kinzig-Kreises kürzlich im Foyer des Pali-Kinos. Sie gehört neben Heike Schmidt, Frauenbeauftragte der Stadt Gelnhausen, und Brigitte Machnitzke vom Verein „Frauen helfen Frauen“ in Wächtersbach zu den Organisatorinnen. Eine halbe Stunde vor Filmbeginn wird es auf dem Kino-Vorplatz eine Fahnen- und Lichteraktion geben. Damit soll an jene Frauen im Main-Kinzig-Kreis erinnert werden, die 2021 durch häusliche Gewalt ihr Leben verloren haben. „Unsere Botschaft lautet: Ganz gleich, ob in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft, es ist wichtig hinzuschauen. Gewalt ist keine Privatsache“, so Grit Ciani. Heike Schmidt ergänzte: „Wenn Gewalt gegen Frauen ausgeübt wird, geht es meist um Machtausübung und Kontrolle. Hier gibt es keine Altersbeschränkung. Alle Bildungsschichten und Altersgruppen sind betroffen, auch hochgebildete und erfolgreiche Menschen, von denen es niemand erwarten würde.“ Es zeugt von Ignoranz gegenüber den Opfern von Gewalt, wenn wie zum Beispiel in der vergangenen Kreistagssitzung geschehen, das Thema für politische Debatten ganz anderen Themas instrumentalisiert werde. „Ich bin fassungslos und immer noch erschüttert. Gewalt ist und bleibt leider weiterhin ein immer größer werdendes Thema unserer Gesellschaft und es verbietet sich, das parteipolitisch in eine ganz andere Richtung zu lenken. Das kann und will ich nicht akzeptieren und deswegen ist es aus meiner Sicht so wichtig, immer und immer wieder das Thema auf die Agenda zu setzen, von Vorurteilen und althergebrachten Denkweisen oder dem Hinweis „wir tun doch schon alles“ zu befreien und Angebote für Betroffene zu schaffen“, so Simmler weiter.

Um gegen Diskriminierung und gegen jede Form von Gewalt gegen Frauen Position zu ergreifen, werden am 25. November zudem viele öffentliche Verwaltungsgebäude, das Kreisforum, das Gelnhäuser Rathaus und das Kino, aber auch andere Rathäuser und öffentliche Gebäude im Landkreis, Burgen und Schlösser im Kreisgebiet orange angestrahlt. Die Aktion geht auf die weltumfassende UNESCO-Kampagne „Orange the world“ zurück, die sich gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen richtet. „Wir nutzen auch diese Aktion, um aufmerksam zu machen. Aber auch, um Frauen Mut zu machen, dass die Gesellschaft sie sieht“, erläutert Susanne Simmler weiter. Das Stadtmarketing und das Frauenbüro der Stadt Gelnhausen haben orangefarbene Baumwollbeutel mit dem Logo von ‚Terre des Femmes‘ produzieren lassen, die kostenfrei in den Geschäften der Stadt zu haben sind. Der Main-Kinzig-Kreis wiederum weist mit orangefarbenen Stühlen, von denen jeweils einer – mit Flyern bestückt – in den Rathäusern im Kreisgebiet aufgestellt wird, auf das Thema hin. „Mit all diesen Aktionen zeigen wir: Es ist niemand allein. Es gibt Unterstützung“, bekräftigte Heike Schmidt. Bei den Aktionen am 25. November gelten jeweils die aktuellen Corona-Regeln.

Im Main-Kinzig-Kreis ist es 2020 zu 482 polizeilichen Einsätzen in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt gekommen. Zwei Frauen wurden getötet. Es gab ein versuchtes Tötungsdelikt. In diesem Jahr wurden bereits drei Frauen getötet. Grit Ciani dazu: „Die Dunkelziffer bei der häuslichen Gewalt ist jedoch viel höher. Es handelt sich dabei nur um jene Fälle, in denen die Polizei alarmiert wurde beziehungsweise involviert war.“ Wie Brigitte Machnitzke berichtete, sei das Frauenhaus Wächtersbach stets voll belegt. „In diesem Jahr bieten wir 21 Frauen und 23 Kindern eine geschützte Unterkunft.“ Viele von ihnen seien länger in der Unterkunft geblieben als geplant, weil es während der Pandemie besonders schwierig sei, eine Wohnung zu finden. Wie sie weiter ausführte, werde das Beratungsangebot des Vereins „Frauen helfen Frauen“ nach wie vor sehr gut angenommen: „Unsere Termine sind ziemlich ausgebucht und wir sind froh, dass wir Frauen, für die wir keinen Platz im Frauenhaus haben, auf diese Weise tatkräftig unterstützen können.“

Jede vierte Frau in Deutschland hat Gewalterfahrung. „An jedem Tag versucht ein Mann seine Partnerin zu töten, an jedem dritten Tag wird eine Frau von einem Partner getötet. Das bedeutet: Jede von uns kennt eine Betroffene, selbst wenn die Gewalt unentdeckt bleibt“, betonte Heike Schmidt. Deshalb rufen die drei Organisatorinnen Betroffene, aber auch Menschen aus dem Umfeld von Betroffenen auf, sich an Beratungsstellen zu wenden und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es sei wichtig, Frauen zu vermitteln, dass sie Stopp sagen können, anstatt Gewalt zu erdulden.

Von Gewalt betroffene Frauen finden hier Hilfe: