Main-Kinzig-Kreis erarbeitet eine zukunftsorientierte Seniorenpolitik

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08.11.2021. - Vor dem Hintergrund des demografischen und sozialen Wandels hat sich der Main-Kinzig-Kreis auf den Weg zu einer zukunftsorientierten Seniorenpolitik gemacht. Auf Basis möglichst gesicherter Datengrundlagen und einer umfassenden Sozialplanung für Seniorinnen und Senioren soll die Lebensqualität der älteren Menschen in den Kommunen verbessert werden. „Die Pflegestruktur- und Pflegebedarfsplanung für den Main-Kinzig-Kreis hat das Ziel, eine bedarfsgerechte Infrastruktur zu schaffen oder diese wo nötig auszubauen, damit ältere Menschen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben können – auch wenn sie auf Pflege angewiesen sind“, erläutert Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Susanne Simmler.

Dies sei umso wichtiger, weil sich bundesweit der Altersaufbau der Bevölkerung kontinuierlich verändere – durch sinkende Geburtenzahlen bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung. „Das bedeutet, dass die Anzahl jüngerer Menschen abnimmt, während sich der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung vergrößert. Das gilt auch für den Main-Kinzig-Kreis und darauf bereiten wir uns vor“, erklärt Susanne Simmler.

Im Main-Kinzig-Kreis leben heute rund 92.300 Menschen, die 65 Jahre und älter sind. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von rund 22 Prozent. 2040 werden der Prognose des Hessischen Statistischen Landesamtes zufolge rund 120.000 Personen oder 29 Prozent der Bevölkerung dieses Alter erreicht haben. Unter ihnen werden vor allem mehr Hochbetagte (80 Jahre und älter) sein. So wird sich diese vergleichsweise kleine Gruppe von aktuell rund 25.800 Personen bis zum Jahr 2040 um 50 Prozent auf dann 38.500 vergrößern.

„Diese Entwicklungen werden das Leben im Main-Kinzig-Kreis langfristig verändern und uns vor neue Herausforderungen stellen. Das bedeutet, dass sich soziale Sicherungssysteme, Stadtplanung, Wohnungs- und Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Verkehrswesen bis hin zu den Bildungs- und Kultureinrichtungen darauf einstellen müssen, dass die Menschen, die hier leben, älter werden und sich deren Lebensumfeld entsprechend mitverändern muss“, erklärt Susanne Simmler. Der Kreis richtet die Sozialplanung deshalb auf diese zukünftigen Aufgaben aus und erarbeitet in Zusammenarbeit mit den Kommunen ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept.

Die Sozialplanung wird unter verschiedenen Handlungsfeldern betrachtet: Wohnen und Mobilität, gesellschaftliche Teilhabe und Engagement, Beratung und Vernetzung, Information und Bildung, kultursensible Altenhilfe sowie Pflege und Gesundheit. Zum Handlungsfeld „Wohnen und Mobilität“ fanden bereits 2020 erste Zukunftswerkstätten unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern statt. Eine weitere findet am 13. November von 13 bis 16 Uhr im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen statt. Anmeldungen sind unter E-Mail: leben-im-alter@mkk.de oder unter Telefon (06051) 8548114 möglich.

Zu den Handlungsfeldern „Kultursensible Altenhilfe“ und „Gesellschaftliche Teilhabe und Engagement“ wird es Anfang 2022 Workshops geben. Ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzeptes ist die Pflegestruktur- beziehungsweise die Pflegebedarfsplanung. Das ALP-Institut für Wohnen und Stadtentwicklung in Hamburg wurde von der Abteilung „Leben im Alter“ des Main-Kinzig-Kreises damit beauftragt, eine Bestandsaufnahme zu erarbeiten, um daraus Maßnahmen und Projekte abzuleiten. „Ein wichtiges Augenmerk liegt auf den regionalen Besonderheiten der Städte und Gemeinden, hier muss berücksichtigt werden, welchen Einfluss diese auf die Versorgungslage älterer Menschen haben“, erläutert Irmhild Neidhardt, Leiterin der Abteilung Leben im Alter.

Zudem wird der Aspekt Armut im Alter beleuchtet. Hierbei spielen zum Beispiel die Einkommensverhältnisse der älteren Bevölkerung, die gesundheitliche Situation, Bildung und Eigentumsverhältnisse eine wesentliche Rolle. Es soll der mögliche Einfluss sozialer Ungleichheiten auf die Versorgungslage älterer Menschen dargestellt werden und herausgearbeitet werden, welche Möglichkeiten es gibt, diese Situation zu verbessern. Neben den üblichen demografischen Daten werden auch die Themen Demenz sowie Migration und kultursensible Aspekte in den Blick genommen. „Mehr ältere Menschen bedeutet auch, dass mehr Menschen pflegebedürftig sein werden. Hier soll die Pflegebedarfsplanung wichtige Fragen beantworten, unter anderem, wie sich die Nachfrage nach Pflegeleistungen und Pflegekräften entwickeln wird“, erläutert Irmhild Neidhardt und ergänzt: „Besonders von Interesse sind die zu erwartenden Versorgungslücken, um die wir uns kümmern müssen.“ Im Rahmen der Erhebung werden 5.000 Seniorenhaushalte im Main-Kinzig-Kreis, die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen sowie die kommunale Politik befragt und es wird von allen Kommunen ein Steckbrief erstellt.

„Aus all diesen Untersuchungsergebnissen und ermittelten Daten sollen Rückschlüsse gezogen und konkrete Handlungsempfehlungen formuliert werden, um die pflegerische Versorgungslage zu verbessern. Das gilt für die professionelle Versorgung, aber auch alle informellen Dienste, die sich gegenseitig ergänzen und dazu beitragen, dass Menschen im Main-Kinzig-Kreis dem Älterwerden gelassener entgegen blicken können“, erklärt Sozialdezernentin Simmler.