Online-Führerscheinantrag wird immer attraktiver

pm-img

07.09.2021. - Der digitale Führerscheinantrag wird immer beliebter. Seit einem Jahr bietet der Main-Kinzig-Kreis diese Möglichkeit in einem Pilotprojekt an, immer mehr Menschen nutzen diese bequeme Antragsstellung. Als erste Fahrerlaubnisbehörde in Deutschland hatte der Main-Kinzig-Kreis den digitalen Führerscheinantrag vor einem Jahr eingeführt. Dieses Projekt wird gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, dem Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur und dem Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat, umgesetzt. Dabei können die Anträge zum Fahren eines Autos oder eines Motorrads vollständig digital eingereicht werden, der Weg zur Fahrerlaubnisbehörde entfällt.

„Der erfreuliche Trend aus den ersten vier Monaten hat sich fortgesetzt, wir haben eine stetige Nachfrage, obwohl das Angebot längst noch nicht jedem bekannt ist“, erklärt Kerstin Schwarz, Leiterin der Fahrerlaubnisbehörde beim Main-Kinzig-Kreis und Projektbeauftragte. Innerhalb dieses ersten Jahres haben rund 300 Antragstellende davon Gebrauch gemacht – von rund 4000 Antragstellenden insgesamt. Gerade für junge Menschen sei der digitale Führerscheinantrag interessant, da diese Altersgruppe den digitalen Antragsmöglichkeiten aufgeschlossen gegenüber steht und diese häufiger in Anspruch nimmt.

Die im Main-Kinzig-Kreis gesammelten Erfahrungen wurden dokumentiert und ausgewertet und haben bereits anderen Fahrerlaubnisbehörden den Weg geebnet, selbst digitale Anmelde-Möglichkeiten zu schaffen. So ist der Rheingau-Taunus-Kreis seit Januar 202 ebenfalls an das Projekt angeschlossen, weitere hessische Fahrerlaubnisbehörden wollen in diesem Jahr noch folgen.

Das Ziel des Digital-Projekts ist klar: Es wird Zeit und Aufwand sparen – sowohl für die Antragstellenden, als auch für die Mitarbeitenden in der Behörde selbst. „Das manuelle Bearbeiten der Anträge in Papierform ist sehr aufwändig und personalintensiv. Wir sehen beim digitalen Führerscheinantrag eine enorme Zeitersparnis“, erklärt Kerstin Schwarz. Diese ergibt sich auch aufgrund der hohen Fallzahlen. Aktuell besitzen mehr als 57 Millionen Menschen in Deutschland einen Führerschein. In den vergangenen Jahren wurden jedes Jahr zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Führerscheine neu ausgestellt. „Berücksichtigt man, dass bis 2033 Führerscheine gemäß der EU-Richtlinie umgetauscht werden müssen, kommen deutschlandweit rund 43 Millionen Führerscheine hinzu – all das wird in den Fahrerlaubnisbehörden zu einer deutlichen Belastung führen. Solche Anträge digital bearbeiten zu können, spart deshalb viel Zeit und Ressourcen“, stellt Kerstin Schwarz fest. Heruntergebrochen auf den Main-Kinzig-Kreis sind das zirka 100.000 Papierführerscheine und etwa 140.000 unbefristete Kartenführerscheine, die davon betroffen sein werden.

Wer sich für den digitalen Führerscheinantrag entscheidet, muss zwei Hürden überwinden: Benötigt wird ein onlinefähiger Personalausweis, dafür müssen Inhaber oder Inhaberin auch eine PIN-Nummer vorliegen haben. Statt eines Personalausweises kann auch ein elektronischer Aufenthaltstitel zur Authentifizierung genutzt werden. Außerdem wird ein Lesegerät – es genügt auch ein NFC-fähiges Smartphone - benötigt. Bei der NFC-Technologie handelt es sich um einen Chip, der als internationaler Übertragungsstandard zum drahtlosen Austausch von Daten über kurze Distanzen genutzt werden kann. Die AusweisApp2 gibt es kostenlos zum Runterladen.

Ein Antrag für begleitetes Fahren ab 17 Jahren ist aktuell noch nicht auf digitalem Weg möglich, ist jedoch in Vorbereitung, ebenso wie für weitere Klassen wie Lastwagen und Bus. Die Online-Anträge können Personen mit einem Mindestalter ab 16 Jahren stellen, erst dann ist der Besitz eines Personalausweises mit Onlinefunktion möglich. Folgende Fahrerlaubnisklassen können online beantragt werden: AM, A1, A2, A, B, BE, L und T oder eine Kombination daraus.

Um die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung voll nutzen zu können, müssen viele weitere Schnittstellen ebenfalls bereit dazu sein. Das reicht von digital übermittelten Zertifikaten bis hin zum digital vorliegenden Passfoto. „Hier haben wir bereits damit begonnen, die Informationen für den Online-Führerscheinantrag zu streuen, um möglichst viele Beteiligte auf die Chancen aufmerksam zu machen“, erklärt Kerstin Schwarz.

Begleitend zu dem Projekt wurden Menschen zwischen 17 und 25 Jahren zum Thema befragt. Wichtigstes Resultat: Die Möglichkeit, den Führerscheinantrag online zu stellen, muss noch stärker beworben werden. Prinzipiell stößt das Angebot jedoch auf deutliches Interesse und soll auch weiter ausgebaut werden. „Wichtig ist hier natürlich die Bereitschaft der Menschen, sich mit dem Thema näher auseinanderzusetzen und sich mit den technischen Voraussetzungen zu befassen. Diese Hürde muss genommen werden, damit die folgenden Abläufe bequem von zu Hause und unkompliziert erfolgen können“, erläutert Kerstin Schwarz. Bei der Umsetzung der digitalen Angebote arbeitet die Fahrerlaubnisbehörde des Main-Kinzig-Kreises eng mit den Nutzerinnen und Nutzern zusammen, auch wenn es um die technische Verbesserung geht.

„Digitale Angebote innerhalb der Kreisverwaltung und ihrer Behörden und Ämter sind ein wichtiger Schritt für jede modern arbeitende Verwaltung. Sie tragen zur Bürgernähe bei, gerade weil den Menschen lästige und zeitintensive Behördengänge erspart werden. Der Main-Kinzig-Kreis hat bereits sehr gute Erfahrungen mit der Einführung der elektronischen Ausländerakte gemacht und jetzt auch mit dem Online-Führerscheinantrag. Wir sehen deutlich die Vorteile einer digital arbeitenden Kreisverwaltung und werden diese Angebote natürlich nach und nach ausweiten“, erklärt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und ergänzt: „Die Erfahrungen mit Online-Anträgen, die im Main-Kinzig-Kreis im Bereich der Fahrerlaubnisbehörde gemacht werden, kommen auch anderen Landkreisen zugute, die dann darauf aufbauen können.“ Bis Ende 2022 sieht das Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen (OZG) vor, dass ein Großteil der Leistungen einer Behörde auch digital angeboten werden.

Das Land Hessen gewährt für die ersten 1000 Anträge auf einen Führerschein einen Durchstarterbonus in Höhe von 25 Euro, wenn ein Führerschein online beantragt wird.

Weitere Informationen erhalten Interessierte auf der Homepage www.mkk.de oder unter oder auf der Seite www.ausweisapp.bund.de/mobile-geraete/ .