Flächen für Wildpflanzen im Spannungsfeld zwischen „ungepflegt“ und „zu viel gemäht“

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24. August 2021. - Bei der der naturnahen Entwicklung und Pflege kommunaler Flächen treffen verschiedene Vorstellungen und Nutzungsinteressen aufeinander, die es weitgehend zu vereinbaren gilt. Hier setzt das Projektteam Main.Kinzig.Blüht.Netz an, um gemeinsam eine differenzierte Entwicklung der Flächen zu erreichen. Dabei sollen die notwendigen Pflegemaßnahmen mit den ökologischen Belangen in Einklang stehen.

Ein häufiges Beispiel für Möglichkeiten und Einschränkungen stellen Straßenränder dar, die zusammen genommen beträchtliche Flächen einnehmen. Innerorts sowie außerorts ist dieses „Begleitgrün“ eine interessante Restfläche für Wildpflanzen und Natur. Doch an Straßenrändern sind Unterhaltungsschnitte zur Verkehrssicherung vorgeschrieben, der Bewuchs muss also kurz gehalten werden. Die regelmäßige Pflege ist überall dort erforderlich, wo üppig wachsendes Grün die Sicht auf das Verkehrsgeschehen und damit die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer beeinträchtigt. Daher ist hier meistens wenig Raum für Moschusmalve & Co.

Wird diese Pflege der Straßen- und Wegränder in den Augen einiger Betrachter „zu gründlich“ vollzogen, dann wird ebenfalls Kritik laut. So bewegen sich die Unterhaltungspflichtigen häufig in dem Spannungsfeld zwischen „ungepflegt“ und „zu viel gemäht“. Um die verantwortlichen Stellen für ökologisch wertvolle Pflegemöglichkeiten zu sensibilisieren, sollen diese im Rahmen des Projekts Main.Kinzig.Blüht.Netz durch Beratung, Abstimmung und Schulungen in der Pflege unterstützt werden. Das heißt beispielsweise: Mähen statt mulchen und damit den Grünschnitt nach dem Mähen von der Fläche nehmen. Dadurch wird der Nährstoffeintrag in den Boden verringert und in der Folge zunehmend die wilden Blühpflanzen statt Gräser gefördert.

Im Verbundprojekt Main.Kinzig.Blüht.Netz des Main-Kinzig-Kreises und des Landschaftspflegeverbandes MKK e.V. werden mithilfe der ökologischen Aufwertung von Wiesen, Rainen, Säumen und anderer Flächen sowie deren Vernetzung lebendige insektenfreundliche Strukturen geschaffen. Gefördert wird das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Barbara Fiselius, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbands MKK e.V., ergänzt: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis Ende 2025 Zeit ein Netzwerk aus 500 ökologisch wertvollen Lebensräumen als so genannte Trittsteinbiotope in und zwischen unseren Gemeinden zu entwickeln. Dafür ist insbesondere die richtige Pflege der Flächen ausschlaggebend und dazu zählen unter anderem Zeitpunkte, Häufigkeit sowie Art und Weise der Pflege.

Neben den kurzgeschorenen Straßenrändern werden auf der anderen Seite auch scheinbar „ungepflegte“ naturbelassene Flächen kritisiert. Die wilden und bunten Lebensräume für Wildbienen, Schmetterling & Co. unterscheiden sich von den gewohnten zahmen Rasenflächen, die die letzten Jahrzehnte das Stadt- und Landschaftsbild sowie zahlreiche Privatgärten prägen. Neben Nahrung in Form von Nektar oder Pollen zur Blühzeit, bieten diese wilden Flächen den Insekten mit der passenden Pflege das ganze Jahr über Raum zur Fortpflanzung, Entwicklung, Überwinterung und zum Rückzug. Aufgrund des starken Rückgangs von Insekten besteht dringend Bedarf, die Biodiversität zu fördern und wieder eine größere Vielfalt an einheimischen Pflanzen und wildlebenden Insekten zuzulassen, erläutert Barbara Fiselius. Und das soll direkt vor Ort in allen Gemeinden des Main-Kinzig- Kreises vorangetrieben werden. Um einen Beitrag zu leisten, kann jeder Einzelne etwas tun und eigene Flächen naturnah entwickeln und pflegen.

Das Projekt bietet Interessierten, die geeignete Flächen besitzen, verwalten und bewirtschaften, eine naturschutzfachliche Beratungsleistung an. Dadurch sowie durch weitere Maßnahmen macht Main.Kinzig.Blüht.Netz lokal auf den Insektenschwund aufmerksam und stärkt das Engagement im Insekten- und Naturschutz. Das Projekt hofft über diese Aktivitäten auch das Bewusstsein für die Bedeutung ökologisch wertvoller Flächen(pflege) zu erhöhen und so eine Brücke zu schlagen zwischen unterschiedlichen Ansichten, was „ungepflegt“ und was „zu viel gemäht“ ist. Interessierte können sich unter www.mainkinzigbluehtnetz.de weiter informieren oder bei Mascha Wiegand unter 06051 85 15627 sowie mascha.wiegand@mkk.de melden.