Ausstellung beschreibt Gebietsreform der 70er Jahre

pm-img
Eine Auswahl der Vorschläge zum neuen Kreiswappen.

13. August 2021. - Die Entstehung des heutigen Main-Kinzig-Kreises liegt mehr als 50 Jahre zurück. Denn die damals in Hessen regierende sozialliberale Koalition hatte sich bereits 1970 das Ziel gesetzt, „größere Verwaltungseinheiten sowie leistungsfähigere Gemeinden und Landkreise“ zu schaffen. Diese Zusammenschlüsse sollten ursprünglich freiwillig erfolgen, doch dagegen regte sich vor Ort zum Teil erheblicher Widerstand.

Das Zentrum für Regionalgeschichte hat diese bedeutsame Entwicklung für den Main-Kinzig-Kreis in einer Ausstellung zusammengefasst. Die interessante Präsentation auf 15 Tafeln wurde nun von Landrat Thorsten Stolz im Main-Kinzig-Forum gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Heimat- und Geschichtsvereine offiziell eröffnet. Im September soll die Ausstellung dann in der Gemeinde Freigericht zu sehen sein.

„In den damaligen Landkreisen Schlüchtern, Gelnhausen und Hanau haben viele Orte den Weg der freiwilligen Fusion gewählt“, blickte der Landrat in seiner kurzen Ansprache zurück. So entstand bereits im Januar 1970 aus den fünf Gemeinden Altenmittlau, Bernbach, Horbach, Neuses und Somborn die neue Kommune Freigericht. Auch Erlensee und Hammersbach gehörten zu den ersten neuen Gemeinden. Die für das vergangene Jahr vorgesehenen Feierlichkeiten mussten jedoch aufgrund von Corona erst einmal verschoben werden.

Auf höherer Verwaltungsebene gab es deutlich weniger Zustimmung für die Schaffung des künftigen Großkreises. „Schließlich war es das Landesgesetz, das zum 1. Juli 1974 aus den ehemaligen Landkreisen Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern sowie der kreisfreien Stadt Hanau den Main-Kinzig-Kreis entstehen ließ“, zitierte Landrat Thorsten Stolz die Chronik. Bis zur Kreistagswahl am

27. Oktober 1974 führten dann die ehemaligen Landräte Martin Woythal (Hanau), Hans Rüger (Gelnhausen), Dr. Eckard Momberger (Schlüchtern) sowie Hanaus Oberbürgermeister Hans Martin als Staatsbeauftragte vorübergehend den neuen Großkreis.

„Die Auseinandersetzungen waren zum Teil sehr emotional, insbesondere im politischen Raum“, schilderte der Landrat. Schließlich ging es um die langjährige Selbstbestimmung, um persönliche Befindlichkeiten und konkrete Zuständigkeiten. Doch fünfzig Jahre später sei dieser umstrittene Reformprozess für den Main-Kinzig-Kreis durchaus als eine Erfolgsgeschichte zu bewerten, wie die gute Entwicklung und die heutigen Wirtschaftsdaten zeigten.

Die komplexen Umstände und Hintergründe der Gebietsreform im Main-Kinzig-Kreis hat unter anderem Magister Hans-Wolfgang Bindrim in einem grundlegenden Artikel für das aktuelle Mitteilungsblatt des Zentrums für Regionalgeschichte verfasst. Das Heft kann dort erworben werden.

Für die Ausstellung wurde dieser Veränderungsprozess, der erst 1977 mit dem Übergang von Bergen-Enkheim zur Stadt Frankfurt endete, in sinnvolle Themenblöcke gegliedert. Unter dem Titel „aus Alt mach Neu“ geht es vorrangig um die statistischen Rahmendaten. Auf weiteren Tafeln werden die Inhalte und Ziele der Gemeindereform beschrieben sowie die gesetzlichen Grundlagen. Breiten Raum erhalten die unterschiedlichen Argumente und der organisierte Widerstand rund um dieses „zeitgeschichtliche Ereignis ersten Ranges“.

Für Landrat Thorsten Stolz ist diese Reise zu den Anfängen des Main-Kinzig-Kreises „ein spannendes und lohnendes Erlebnis“. Schließlich wirken die Veränderungen bis heute nach und die alten Gliederungen haben teilweise immer noch Bestand. Bezeichnend sei auch, dass es bis 2005 gedauert habe, bis schließlich auch die Verwaltung mit ihrem zentralen Sitz in Gelnhausen diese Entwicklung nachvollzogen habe.

Dem Main-Kinzig-Forum in der Barbarossastadt ist daher ebenfalls ein Teil der Ausstellung gewidmet, so wie den ehemaligen Kreishäusern. Beschrieben wird zudem „die komplizierte Wappenfindung“ aus immerhin 74 Vorschlägen. Ein weiterer verbindender Aspekt ist heute die Autobahn 66, mit der die Entwicklung des Kinzigtals von Ost nach West im wahrsten Sinne des Wortes „Fahrt aufnahm“.

Wie Landrat Thorsten Stolz abschließend mitteilte, sind die Tafeln durchaus als Wanderausstellung zu verstehen, die auch an anderen Orten gezeigt werden kann. Die ersten Stationen sind bereits organisiert. Zudem dankte er der Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte, Christine Raedler, für die gelungene Umsetzung dieses Themas. Unterstützt wurde sie dabei von den Studienpraktikanten Joselyn Grimm, Dominik Rot und Jan Leske.

Zu sehen ist die Ausstellung zunächst bis mindestens 27. August im Bürgerportal des Main-Kinzig-Forums zu den Öffnungszeiten. Zu beachten sind dabei die Corona-Bestimmungen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln.