Groß angelegtes Förderprogramm für Schulabgänger

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13. Juli 2021 - „Wir werden noch lange die Folgen der Corona-Pandemie sehen können, gerade auch im Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Aber wir müssen heute schon unsere Kräfte bündeln und mit Vehemenz in der Fläche gegensteuern. Denn eine Generation Corona wäre schlimm für die jungen Menschen und würde den Fachkräftemangel von morgen nur verstärken“, sagt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. Schon im Frühjahr vergangenen Jahres hatte sie unter dem Projektdach „Impulse 2020“ Berufsverbände, Jobvermittler und den Bildungs- und Ausbildungsbereich an einen Tisch geholt. Für die kommenden Ausbildungsjahrgänge soll es nun im Main-Kinzig-Kreis ein groß angelegtes Förderprogramm für Schulabgängerinnen und -abgänger geben: „Start up Ausbildung“.

Die derzeitige Lage am Ausbildungsmarkt bewertet Sozialdezernentin Simmler zwar als „ermutigend“. „In einigen Branchen wird aber in diesem Jahr deutlich weniger ausgebildet, zugleich sind mehr als 1.200 Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet und mehr als 1.600 junge Menschen noch auf der Suche nach einer Ausbildung. Wir müssen gemeinsam mit allen Beteiligten an dem Prozess alles unternehmen, damit keiner auf der Strecke bleibt und schauen vor allem auf die Abschlussklassen der Haupt-, Real- und Gesamtschulen. Wer eine Unterstützung braucht, erhält sie ganz praktisch und unkompliziert“, kündigt Simmler an.

Das von Susanne Simmler angesprochene Kräftebündeln, das dafür notwendig ist, drückt sich im neuen Förderprogramm „Start up Ausbildung“ aus. Unter Federführung der gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung (AQA) und unter Einbezug des Staatlichen Schulamts, des Kreisjugendamts, der Kreishandwerkerschaften und vieler weiterer Beteiligter aus Wirtschaft, Bildung und Ausbildung wendet sich der Main-Kinzig-Kreis an alle junge Menschen im Kreisgebiet, die die Schule beenden und noch auf der Suche nach dem passenden Betrieb oder einem Ausbildungsbetrieb sind. Das Staatliche Schulamt übernimmt die Aufgabe, Schulen für dieses Programm vorzuschlagen; die Schulen selbst werben intern bei den Abschlussjahrgängen und können auch ganz direkt Personen für das Programm vorschlagen. Beteiligt sind auch die Jugendämter, die ebenfalls Teilnehmende – diskret, unter strenger Wahrung des Datenschutzes – vorschlagen dürfen. Eine finanzielle Förderung durch den Bund ist beantragt, mit der die Teilnehmer-Kapazitäten noch erweitert werden sollen.

Alle Teilnehmenden erhalten einen zugeordneten Betreuer und am gemeinsamen Treffpunkt in Gründau oder Hanau wertvolle Hinweise zu Bewerbungsverfahren und persönlichen Perspektiven. Die individuellen Interessen werden ermittelt und mit möglichen Berufsfeldern abgeglichen. Herzstück von „Start up Ausbildung“ ist aber das anschließende Reinschnuppern in Berufe. Dazu stehen an unterschiedlichen Standorten im Kreis Arbeitsplätze für sie offen, an denen sie mitarbeiten konkrete Vorstellungen von ihren Betätigungsfeldern erhalten können. Mit dabei sind unter anderem die Kreishandwerkerschaften, die ihre Lehrbaustellen extra öffnen; verschiedene Gewerke können zudem in den Werkstätten der AQA ausprobiert werden; Metall, Holz, Kfz, Kälte-Klima – verschiedenste Fachrichtungen stehen bereit. Ebenfalls dabei sind Institutionen aus den Bereichen Pflege, Kinderbetreuung und Hauswirtschaft. Vorab hatten sich die Beteiligten darauf verständigt, gerade auch Berufe mit aufzunehmen, in denen der Fachkräftemangel gravierend ist.

Hans-Jürgen Scherer, Geschäftsführer der AQA, sieht in dem Programm „eine Förderung, die in dieser Größenordnung und Breite so wahrscheinlich noch nie dagewesen ist“. Er bedankt sich für die engagierte Unterstützung. „Wir wenden uns mit ‚Start up Ausbildung‘ an viele hundert junge Frauen und Männer und ich kann nur jeden und jede ermutigen, das Angebot wahrzunehmen und dafür zu werben. Es ist wichtig, dass dieses Gemeinschaftsprojekt möglichst viele erreicht, um die es uns geht.“

„Die Duale Ausbildung ist die beste Perspektive, die ein junger Mensch in diesen Zeiten erhalten kann“, bringt es die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler auf den Punkt. Eine fundierte Ausbildung stelle nicht nur die Stufe zu einem selbstbestimmten Leben dar, sondern eröffne angesichts eines zunehmenden Bewerbermangels auf offene Stellen auch gute Zukunftsaussichten. „Durch Corona ist der Fachkräftemangel nicht weg. Wenn umgekehrt wegen Corona weniger ausgebildet wird, wird sich dieser Mangel aber noch weiter verstärken“, so Simmler. „Insofern geht der Appell noch einmal an alle Unternehmen: Bilden Sie aus, auch wenn das in diesen Monaten noch einmal mehr Anstrengung erfordert, verbessern Sie die Perspektiven junger Menschen und Ihres eigenen Berufsstands.“ Gleiches gelte für die schulische Ausbildung im Bereich der Pflege sowie die Erzieherausbildung.

„Wir brauchen diese gemeinsame Anstrengung über die Professionen hinweg. Unsere gemeinsamen Erfahrungen und der enge Austausch aller – der Wirtschaft, der Schulen und der öffentlichen Hand – bietet gute Ausgangsbedingungen für einen Erfolg. Jeder und jede, die wir so auf ihren Weg bringen und begleiten können, ist ein Erfolg, für die Jugendlichen selbst, aber auch für die Unternehmen, die in den vielen Branchen auch wieder vermehrt Fachkräfte suchen. Ausbildung ist da der beste Weg“, so Simmler, die in Richtung der Wirtschaft ihren Dank ausdrückte, die sich engagiert in das Programm einbringe.