„Hut ab vor Ihren Einsendungen“

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Landrat Thorsten Stolz und Andrea Sandow (links), Fachbereichsleiterin für Kultur im Main-Kinzig-Kreis, ehrten die Gewinnerinnen des Schreibwettbewerbs „Europas Zusammenhalt in der Corona-Pandemie“: Sara Hammouch Choukri, Jelena Müller und, Lea Kerner (von links). Die Gewinnerin des ersten Preises, Katharina Deichmann, konnte ihren Preis nicht selbst im Empfang nehmen, da sie derzeit in Paris lebt und arbeitet.

13. Juli 2021. - Anlässlich der Europawoche vom 1. bis 9. Mai hatte der Main-Kinzig-Kreis einen Schreibwettbewerb für junge Menschen im Alter von 16 bis 21 Jahren ausgelobt. Unter dem Titel „Europas Zusammenhalt während der Corona-Pandemie“ waren jungen Autorinnen und Autoren aus dem Main-Kinzig-Kreis aufgerufen, darüber zu schreiben, wie sie selbst die schwere Zeit erleben und was sie bewegt. Insgesamt 21 Texte wurden eingereicht, darunter ein Gedicht, eine Rede und ein „Corona Rap“. Obwohl in der Form verschieden, zeichnen sich die Werke allesamt durch sehr persönliche und bewegende Schilderungen aus.

Landrat Thorsten Stolz ehrte nun die Siegerinnen des Wettbewerbs im Brüder-Grimm-Saal im Main-Kinzig-Forum. „Hut ab vor Ihren Einsendungen“, sagte der Landrat zu Jelena Müller, Lea Kerner und Sara Hammouch Choukri. „Die Texte haben mich beeindruckt, weil sie deutlich machen, was die vergangenen 15 Monate für junge Menschen bedeuten.“ Er dankte den drei jungen Frauen und allen Teilnehmenden dafür, ihre Eindrücke, Erlebnisse und Empfindungen niedergeschrieben und veröffentlicht zu haben. „Diese Werke sind Zeitdokumente, die weit über den Tag hinaus Bedeutung haben. Wenn die Corona-Pandemie überwunden ist, werden sie uns helfen, rückblickend in Erinnerung zu rufen, welche Herausforderungen gemeistert werden mussten.“

Der 1. Preis geht an Anna Katharina Deichmann (18 Jahre) aus Steinau an der Straße. An der Siegerinnenehrung konnte sie nicht teilnehmen, da sie derzeit als Au-Pair in Paris arbeitet, dort den zweiten wie auch den dritten Lockdown erlebte und ihren Text „Europa zwischen Solidarität und Wettkampf“ verfasste. Den 2. Preis erhält Jelena Müller (18 Jahre) aus Schlüchtern. Wie Landrat Thorsten Stolz ausführte, habe die junge Frau in ihrem Text „Als würde man ohne Termin im vollen Wartezimmer sitzen“ eindrucksvoll geschrieben: „Im Herbst 2019 hatten wir oft vergessen, wie luxuriös, sorgen- und grenzfrei wir in Europa leben. Wir haben zu viele Dinge als selbstverständlich betrachtet. Heute sehne ich mich nach den Kleinigkeiten, die mich vor eineinhalb Jahren noch manchmal geärgert haben: Schule, Familienfeiern oder stressige Konzertproben.“ Das Corona-Virus habe alles auf den Kopf gestellt, so Thorsten Stolz. Vielen Menschen sei erst durch die Pandemie und die mit ihr verbundenen Einschränkungen bewusst geworden, was offene Grenzen innerhalb Europas oder ein Leben in Frieden, Freiheit, Demokratie und in einem Rechtsstaat bedeuten. Lea Kerner (18 Jahre) aus Gründau erhält den 3. Preis. Ihr Text besteht aus 17 persönlichen Tagebuch-Einträgen, die am 16. März 2020 beginnen und am 28. März 2021 enden. Neben einem Preisgeld erwartet die drei Gewinnerinnen ein Schreibkurs mit Kulturförderpreisträger Christian Schulteisz. Den Sonderpreis erhält Sara Hammouch Choukri aus Hanau. Die Sechzehnjährige hat einen handschriftlichen Text mit Zeichnungen eingereicht. Er wird in einer Ausstellung im Bürgerportal im Main-Kinzig-Forum präsentiert.

Eine sechsköpfige Jury, zu der Europaabgeordneter Dr. Udo Bullmann, der Träger des Kulturförderpreises des Main-Kinzig-Kreises Christian Schulteisz, die Autorin und Journalistin Tanja Bruske-Guth, die Leiterin der Kultur- und Tourismusabteilung der Stadt Gelnhausen Simone Grünewald und der Inhaber der Brentano-Buchhandlung in Gelnhausen, Tobias Gros, gehörten, hat alle Werke gelesen und ausgewertet. „Uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen“, sagte Andrea Sandow, Fachbereichsleiterin für Kultur des Main-Kinzig-Kreises, die dem Gremium ebenfalls angehörte, bei der Siegerinnenehrung: „Viele Texte waren so intensiv, dass ich sie nur in Etappen lesen konnte.“ Sie dankte den Preisträgerinnen für die Offenheit, mit der diese Ängste, Einsamkeit und Traurigkeit geschildert hätten.

Thorsten Stolz gab den drei jungen Frauen einen positiven Ausblick mit auf den Weg: „Wir setzen alles daran, dass möglichst alle möglichst bald wieder ein möglichst normales Leben führen können. Auch wenn bis dahin noch etwas Zeit vergehen wird, wünsche ich den Preisträgerinnen und allen Teilnehmenden des Schreibwettbewerbs alles erdenklich Gute für die Zukunft.“