Ein Abschied, aber noch kein Ende

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Landrat Thorsten Stolz und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler verabschiedeten im Jugendzentrum Ronneburg die „helfenden Hände“ der Bundeswehr.

2. Juli 2021. - In diesen Tagen endet der Einsatz der Bundeswehrsoldaten und -soldatinnen im Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr. Seit November 2020 haben insgesamt sieben Einheiten mit mehr als 200 Soldaten den Landkreis bei der Pandemiebekämpfung unterstützt. In den Impfzentren geht der Einsatz „Helfende Hände“ noch bis Ende September weiter.

Im Jugendzentrum Ronneburg, wo die Einheiten in dieser Zeit untergebracht waren, verabschiedeten Landrat Thorsten Stolz und Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler jetzt die Soldaten und Soldatinnen und überreichten Erinnerungspräsente an die Führungskräfte. „Wir sind sehr dankbar für den Einsatz der Bundeswehr hier im Main-Kinzig-Kreis. Die Männer und Frauen haben ihren Dienst vorbildlich verrichtet und waren eine große Hilfe“, betonte der Landrat. Oberstleutnant Sebastian Dieckhoff, Leiter des Verbindungskommandos des Main-Kinzig-Kreises, erinnerte an die ersten Tage dieser nicht alltäglichen Aufgabe: „Wir wurden Ende Oktober angerufen und am zweiten November kamen bereits die ersten Soldatinnen und Soldaten in den Landkreis.“

Seitdem waren kontinuierlich zwischen 20 und 30 Soldaten im Einsatz. „Wir haben uns in einer Zeit kennengelernt, als wir alle Hilfe brauchten und am Ende unserer eigenen Kräfte waren. Ihre Hilfe war nicht nur willkommen, sondern dringend notwendig“, bestätigte Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler beim Rückblick auf die schwierige Zeit im Herbst 2020, als die Zahl der Covid-19-Infizierten kontinuierlich anstieg.

Stellt ein Landkreis einen Antrag auf Hilfeleistungen durch die Bundeswehr, können Soldatinnen Soldaten aus einem bundesweit verfügbaren Pool abgerufen werden. Daher kamen die Männer und Frauen aus verschiedenen Bundesländern Deutschlands. „Wir haben die Bundeswehr in vielen Bereichen der Pandemiebekämpfung eingesetzt: In der Kontaktpersonennachverfolgung, der Positivermittlung und in mehreren Teams, die wir speziell zum Thema Corona gebildet haben“, erklärt Dr. Wolfgang Lenz, Leiter des Amts für Gesundheit und Gefahrenabwehr. Der stellvertretende Amtsleiter Günther Seitz ergänzt: „Außerdem unterstützten uns die Soldaten und Soldatinnen bei den Corona-Testungen von Personal und Besuchern an mehr als 25 Standorten, beispielsweise in Altenheimen.“ Oberstleutnant Sebastian Dieckhoff und Major Werner Zirkel haben dabei wesentlich mitgewirkt, um diese Hilfe erfolgreich zu organisieren.

Christoph Höhn, kommissarischer Leiter des Sachgebiets Hygiene und Umweltmedizin, ist überzeugt: „In der Hochphase der Pandemie hätten wir ohne die Bundeswehr keine Chance gehabt.“ Im Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr wurde ein Raum mit PCs und Telefonen für die Soldaten eingerichtet, wo sie die Kontaktpersonen von Corona-Positiven anriefen, über die Quarantäne informierten und die Anrufe in der Software „SurvNet“ dokumentierten.

„Am Anfang waren wir zurückhaltend, aber wir haben schnell unsere Scheu verloren, da wir vom ersten Tag an gut aufgenommen wurden“, berichtete Feldwebel Tim Achtelik von der dritten Kompanie des Versorgungsbataillon 141 aus Niedersachsen. „Uns wurde sofort das ‚Du‘ angeboten und das Arbeitsklima hat einfach gestimmt.“ Die Telefonate zu führen war nicht immer einfach: Mal hatte man mit Menschen zu tun, die nicht gut Deutsch sprachen, andere wollten nicht in Quarantäne gehen oder man hatte Kontakt mit Familien, die aufgrund des Coronavirus Verwandte verloren hatten. Im Herbst wurde noch in zwei Schichten gearbeitet. Abends blieb Zeit für ein gemütliches Zusammensitzen und die Kameraden zeigten sich von ihrer Unterkunft in Ronneburg sehr angetan.

Als die Verordnungen es wieder erlaubten, traf man sich sogar privat mit Mitarbeitern vom Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr. „Es sind hier Freundschaften entstanden und wir haben uns gegenseitig eingeladen“, erzählte Feldwebel Achtelik. Das bestätigten auch zahlreiche Beschäftigte aus dem Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr, die zur Verabschiedung in das Jugendzentrum Ronneburg gekommen waren.

„Wir fühlen uns sehr wohl hier, wurden sehr gut betreut und sehr gut eingearbeitet. Alle waren zufrieden damit, etwas Gutes zu tun“, ergänzte Hauptmann Jakob Goldbach vom Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr. Dort sind die Soldaten normalerweise für die weltweite Rüstungskontrolle zuständig. Das viele Telefonieren mit Bürgern stellte also einen neuen und ungewohnten Alltag dar. „Man hat aber gemerkt, dass auch ruhigere Personen richtig aufgeblüht sind – wir wären gerne noch länger geblieben“, resümiert der Hauptmann aus Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen).

Auch Marc Schmidt vom Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr, der früher selbst bei der Bundeswehr war, stellte fest: „Es hat viel Spaß gemacht, mit euch zu arbeiten; mit eurem Einsatz habt ihr uns sehr geholfen“, so der Hygienekontrolleur zu den Kameraden. Die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Landrat Thorsten Stolz hoffen darauf, einer vierten Welle zu entgehen und die Bundeswehr nicht mehr anfragen zu müssen. „Aber wenn wir ihre Hilfe brauchen, wissen wir, dass wir uns auf die Bundeswehr verlassen können“, erklärten sie. Erst einmal werden 45 Bundeswehrsoldaten noch bis Ende September in den Impfzentren bei administrativen Tätigkeiten aushelfen.