Schulträger bitten Land um Unterstützung für kurzfristigen einheitlichen Übergang in den Distanzunterricht

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20.04.2021. - Die beiden Schulträger Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau haben sich in einem gemeinsamen Brief ans Kultusministerium gewandt „mit der dringenden Bitte, nicht weiter Zeit verstreichen zu lassen im Interesse einer wirksamen Bekämpfung der Corona-Pandemie, insbesondere in den Schulen“. Anlass sind die hohen Kennzahlen des Infektionsgeschehens im Main-Kinzig-Kreis, vor allem im Raum Hanau. Für einen einheitlichen Übergang in den Distanzunterricht fehlten der Politik vor Ort jedoch die rechtlichen Handlungsspielräume, so die Verfasser von Kreis und Stadt. Daher bitten sie das Lande Hessen um Unterstützung für einen kurzfristigen einheitlichen Übergang in den Distanzunterricht im gesamten Landkreis.

Hintergrund: Im Rahmen des Eskalationskonzepts des Landes Hessen kommt Distanzunterricht als Option zur Reduzierung von Kontakten erst ab einem Sieben-Tagesinzidenzwert von 200 in Betracht. Diesen Wert überschritten mehrere Kommunen, insbesondere im Westkreis. Hanau lag beispielsweise am Dienstagmorgen mit 224, Maintal mit 212 und Erlensee mit 296 teils sehr deutlich über dieser Marke. Und dennoch könne derzeit ein sinnvoller Wechsel in den Distanzunterricht nicht für den gesamten Bereich des Kreises angeordnet werden, höchstens für Hanau mit seiner zentralörtlichen Funktion, wie Kreis und Stadt anmerken. Für die anderen Kommunen ist der Inzidenzwert des gesamten Kreises maßgeblich, und der liegt bei 168.

„Die Stadt Hanau in ihrer zentralörtlichen Funktion auch für die umliegenden Kommunen zeigt im Besonderen bei dem Thema Schulen eine der großen Schwächen aller theoretischen Betrachtungen. Keine dieser Betrachtungen bilden auch nur im Ansatz die verflochtene Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler, der Lehrerinnen und Lehrer oder der Eltern in unserem Landkreis ab“, schreiben Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Bürgermeister Axel Weiss-Thiel für die Stadt Hanau sowie Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann für den Main-Kinzig-Kreis. „Die Verflechtungen und damit die Schülerströme sind sowohl von der Stadt Hanau in den Landkreis als auch vom Landkreis in die Stadt Hanau sehr stark ausgeprägt, so dass hier ein Gleichklang der Beschulung nicht nur wünschenswert, sondern notwendig erscheint. Denn einige direkt angrenzende Städte (Maintal, Erlensee) weisen zwar eine sehr hohe Inzidenz aus, andere Kommunen (Bruchköbel, Großkrotzenburg) bewegen sich jedoch unterhalb der Marke von 200. Alle diese Kommunen gehören jedoch zum Landkreis und sind damit nach der Landkreis-Inzidenz in seiner Gesamtheit zu beurteilen.“

Kreis und Stadt Hanau weisen auf die Schulbesuchs-Ströme zwischen Hanau und den umliegenden Kommunen. „Genau diese Mobilität und damit die mögliche weitere Verbreitung aus einem diffusen Infektionsgeschehen, wie wir es in der Stadt Hanau beobachten, sollte unserer Ansicht nach jedoch eingeschränkt werden“, fordern der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau in dem Schreiben.

Kreis und Stadt verweisen auf die Diskussionen auf Bundesebene, wo die Regierungsfraktionen schon niedrigere Inzidenzzahlen als ausschlaggebend für Distanzunterricht erachten. Über der dort diskutierten Marke von 165 liegt der Main-Kinzig-Kreis seit einer Woche fast durchweg, mit bloß einem Tag Ausnahme. Vor diesem Hintergrund „würden wir uns wünschen, dass hier nicht weitere Tage abgewartet wird“, schreiben Stolz, Simmler, Ottmann, Kaminsky und Weiss-Thiel. „Diese Tage können im Interesse der Bekämpfung der Pandemie sinnvoll genutzt werden. Denn wir sollten uns einig sein, dass unser Ziel nicht eine Inzidenz von 240, 200, 165 oder 100 ist, sondern sehr stark darunter liegt, so dass für uns alle ein Leben – und damit auch ein Schulleben – wie wir alle es kennen zumindest möglicher erscheint als dies jetzt der Fall ist.“

Ein Schließen der Schulen lediglich in der Stadt Hanau mache wenig Sinn, „dem Landkreis jedoch sind rechtlich darüber hinaus aus unserer Sicht und Erfahrung der vergangenen Monate keine Möglichkeiten eröffnet, weitere sinnvolle Maßnahmen für die Schulen umzusetzen“, ergänzen Kreis und Stadt. Hier brauche es die Unterstützung des Landes. „Gerade in der jetzigen Situation, in der das Land das Eskalationskonzept aufgrund von gerichtlichen Entscheidungen anzupassen gezwungen war, sollte auch mit Blick auf die Schulen der Blick geweitet und die Verordnungslage des Landes den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden. Möglich wäre beispielsweise ein Bezug auf die zentralörtlichen Bereiche, wie das Land selbst es im Landesplanungsgesetz als Verflechtungsräume definiert.“