„Ein Impuls zur Belebung der Dörfer“

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: Seit dem Start des Förderprogramms für den ländlichen Raum im Frühjahr 2018 sind mittlerweile 187 Projekte im Umfang von 3,6 Millionen Euro bewilligt worden.

11. Februar 2021. - Die Idee hinter dem Programm war so einfach wie überzeugend: Wenn junge Familien statt in die urbanen Zentren zu ziehen eher im ländlichen Raum bleiben, dort leerstehende Gebäude renovieren und mit neuem Leben erfüllen, dann erhalten sie Unterstützung durch den Main-Kinzig-Kreis. Wer die Dorfzentren aufwerten oder die Nahversorgung verbessern will, erhält ebenfalls einen Zuschuss des Kreises. Drei Jahre läuft dieses „Förderprogramm für den ländlichen Raum“ – und geht angesichts der hohen Nachfrage weiter, wie Landrat Thorsten Stolz und Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler versichern.

„Noch bevor wir vor drei Jahren überhaupt die erste Runde an Förderungen vorgenommen haben, war die Resonanz wirklich gewaltig. Bürgermeister und Ortsbeiräte wollten direkt Material haben, es wurde in der Fläche verbreitet wie ein Lauffeuer. Vor allem viele Familien zeigten sich begeistert, die den festen Wunsch verfolgt haben, sich ein bezahlbares Eigenheim zu schaffen, und um die ging es uns ja im Besonderen“, blickt Landrat Stolz zurück. Die Zusage zur Förderung habe in vielen Fällen für junge Menschen den Ausschlag gegeben, aus dem Wunsch nach Kauf und Umbau einer Immobilie Realität werden zu lassen.

Seit Programmstart im Frühjahr 2018 sind mittlerweile 187 Projekte im Umfang von 3,6 Millionen Euro bewilligt worden, in überwiegender Zahl Wohnbauprojekte. Das heißt, dass in den Ortskernen in viele unbewohnte Häuser wieder Menschen eingezogen sind, kleine Familien, teils auch mehrere Familien zusammen und generationenübergreifend. In Dörfern über den gesamten Kreis verteilt konnten Förderungen beantragt werden, viele davon kamen aus dem östlichen Teil des Landkreises.

Susanne Simmler, zuständige Dezernentin für den ländlichen Raum, sieht in der Förderung „ein Angebot, das perfekt in diese Zeit passt“. Während das Land Hessen für dieses Jahr ein eigenes Förderprogramm angekündigt habe, das die Ortskerne beleben und auch Dorfgaststätten stützen soll, ist der Main-Kinzig-Kreis hier 2018 mit bestem Beispiel vorangegangen. „Wir haben dabei geholfen Wohngebäude und alte Gasthäuser zu sanieren, beispielsweise in Schlüchtern-Elm. Wir haben auch einen Beitrag leisten können, jahrzehntelangen Leerstand zu beenden wie bei der Sanierung einer alten Hofanlage in Nidderau-Erbstadt aus dem 18. Jahrhundert. Wir haben Baulücken geschlossen wie beim Neubau eines Einfamilienhauses in Schlüchtern-Kressenbach“, zählt Simmler auf. „Natürlich braucht es für all diese Baumaßnahmen die Idealisten oder Liebhaber alter Baukunst, die daraus eigene Projekte machen, mit allem privaten Einsatz, den man aufbieten kann. Aber es braucht mitunter auch die ganz wesentliche Hilfe und Unterstützung von außen, damit daraus ein Erfolg wird.“

Im Bereich der Grundversorgung und der Daseinsvorsorge hat das Förderprogramm Geschäftsübergaben erleichtert und Umbauten unterstützt, die das Einkaufs- und Dienstleistungsangebot für die Bevölkerung vor Ort erweitert haben. In Jossgrund-Oberndorf konnte beispielsweise die Übergabe des regionalen Dorfladens „Mein Markt“ an eine junge Familie zur Fortführung und Weiterentwicklung gefördert werden. Inbegriffen war in diesem Projekt eine nachhaltige Vermarktung regionaler Produkte als Teil eines Nahversorgungsnetzwerks und damit die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Zusätzlich konnten die Daseinsvorsorge gestärkt und Arbeitsplätze gesichert werden. In Biebergemünd-Kassel wiederum entstand im Ortskern ein Café neu.

Landrat Thorsten Stolz, der das Förderprogramm mit der Ersten Kreisbeigeordneten Susanne Simmler initiiert hatte, sieht einen „Wandel in den Lebensentwürfen“, den er in den letzten Jahren anhand mehrerer individueller Beispiele aus dem ländlichen Raum ausgemacht hat. „Über den demografischen Wandeln haben wir vor zehn Jahren noch anders gesprochen und nachgedacht als heute. Heute wollen die jungen Männer und Frauen nicht in überwiegender Zahl mehr in die Ballungsräume oder in die Großstadt. Sie schätzen die Heimat, den vertrauten Kreis an Menschen, die Vereine, den Zusammenhalt. Und wenn die Versorgung stimmt, angefangen bei der Kinderbetreuung und Schule über Grund- und Nahversorgung bis hin zu schnellem Internet, dann spricht in der Tat nicht mehr viel für einen Umzug in die Stadt. Genau dort setzen wir an und geben einen sicher mit entscheidenden Impuls zur Belebung der Dörfer“, so Stolz.