Kreis organisiert Schnelltest für Altenpflege

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22. Dezember 2020. – Der Main-Kinzig-Kreis wird seine Corona-Strategie für den Bereich der Altenpflege noch einmal kurzfristig erweitern. Die Situation in einigen der stationären Pflegeeinrichtungen aber auch im ambulanten Bereich muss – aufgrund der hohen Zahl an Infektionen – als sehr ernst bezeichnet werden. Das ist vor allem deswegen so alarmierend, weil dort Menschen versorgt werden, die oftmals sehr schnell einen sehr schweren Krankheitsverlauf zeigen“, fassen Landrat Thorsten Stolz, Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky die aktuelle Situation zusammen.

Rund die Hälfte der 46 stationären Pflegeeinrichtungen im Main-Kinzig-Kreis ist derzeit von einem Infektionsgeschehen betroffen. Schon seit mehreren Tagen reagiert der Landkreis auf diese Entwicklung mit verstärkten Besuchen und Beratungen in den Pflegeheimen vor Ort mit einem Praxis-Team. Doch insbesondere mit Blick auf die anstehenden Feiertage gibt es weitere praktische Aufgaben zu lösen: „Die Auflage, einen negativen Schnelltest bei einem Besuch einer Altenpflegeeinrichtung vorzuweisen, ist zwar sinnvoll und notwendig, stellt die Häuser aber zum Teil vor eine unlösbare Aufgabe. Vor allem aber ist das aber eine zusätzliche Belastung für das Pflegepersonal, das ohnehin schon stark beansprucht ist. Und genau hier wollen wir helfen unterstützen und entlasten“, erklären Thorsten Stolz und Susanne Simmler.

Drei Schnelltestzentren für Besuche in Altenpflegeeinrichtungen

Daher hat der Main-Kinzig-Kreis mit seinem Gesundheitsamt und der Fachabteilung „Leben im Alter“ nach Lösungen gesucht, um diese erforderlichen Testungen zentral anbieten zu können. Das Ergebnis sind Anlaufstellen in den Impfzentren in Hanau (August-Schärttner-Halle) und Gelnhausen (Sporthalle, Am Hallenbad) sowie in Schlüchtern im Ulrich-von-Hutten-Gymnasium. Hier können sich ausschließlich Besucherinnen und Besucher von Altenpflegeeinrichtungen zwischen dem 24. Dezember und 6. Januar täglich von 8 bis 12 Uhr kostenfrei testen lassen. Die Berechtigung wird dabei überprüft, ein Personalausweis ist vorzulegen. Weitere Informationen gibt es in den entsprechenden Altenpflegeeinrichtungen.

Alle weiteren Informationen sollen über die Pflegeheime an die Angehörigen bzw. Besucher/innen weitergegeben werden. „Wir werden heute noch alle stationären Einrichtungen über das Prozedere informieren und mit diesem Kraftakt unseren kommunalen Beitrag leisten, zu möglichst sicheren Begegnungen an den Festtagen“, betont Simmler. Jedes „Mehr“ an Sicherheit gerade bei den hochgefährdeten Menschen sei wichtig und schütze Menschenleben.

Als dritten Baustein der Strategie neben Beratung und Schulung sowie den organisierten Schnelltest wird der Main-Kinzig-Kreis auch eine „personelle Eingreiftruppe“ auf die Beine stellen. „Wir haben erlebt, wie bei einem Ausbruch in einem Altenheim sehr schnell alle Strukturen zusammenbrechen können. Hier werden wir zusätzliche personelle Kapazitäten aufbauen, um in absoluten Ausnahmesituationen unterstützen zu können“, erklärt Simmler. In solchen Fällen erreichen das Gesundheitsamt dringende Hilferufe, die nicht ungehört bleiben dürfen. Auch wenn der Main-Kinzig-Kreis hier prinzipiell nicht zuständig ist, werden nun auch für solche außerordentlichen Krisen entsprechende Lösungen geschaffen.

Rückendeckung erhält der Main-Kinzig-Kreis für diesen Einsatz auch von der Stadt Hanau: Oberbürgermeister Claus Kaminsky begrüßt das „entschlossene Handeln“ der Kreisverantwortlichen. Er fügt allerdings hinzu: „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, wenn wir nicht sehenden Auges auf eine Katastrophe in den Alten- und Pflegeheimen zusteuern wollen.“ Die überaus hohen Inzidenzzahlen in Hanau seien derzeit nur mit Blick auf die Entwicklung in den Alteneinrichtungen erklärbar. Insofern begrüße er das Vorhaben des Kreises, drei Testanlaufstellen für Heimbesucher anzubieten, um das Personal in den Heimen zu entlasten. Das nehme die Lebenswirklichkeit auf – im Unterschied zu erlassenen Landesverordnungen.

„Die vergangenen 72 Stunden zeigen nochmal sehr deutlich, dass es Zeit ist einzugreifen und zwar losgelöst von Verantwortlichkeiten. Das wird ein zusätzlicher Kraftakt, aber die Situation in den Pflegeheimen darf nicht weiter eskalieren. Wir wollen den nachvollziehbaren Wunsch von Besuchen zu Weihnachten unterstützen, auch wenn diese – wenn überhaupt – nur so eingeschränkt möglich sind. Da braucht die Pflege sofort konkrete Hilfe und nicht erst in drei Wochen“, sind sich Thorsten Stolz, Susanne Simmler und Claus Kaminsky einig. Deshalb wird der Main-Kinzig-Kreis auch allen Pflegeeinrichtungen kurzfristig eine Versorgung mit Schnelltests anbieten, soweit dies – aus welchen Gründen auch immer – keine selbst organisiert haben. „Hier wird der Main-Kinzig-Kreis entsprechende Kontingente zur Verfügung stellen und kurzfristig helfen“, ergänzen der Landrat und die Gesundheitsdezernentin.

Der vierte Baustein in der Corona-Strategie sind die bevorstehenden Impfungen der definierten Risikogruppe insbesondere in den Altenpflegeeinrichtungen. Hier stehen mobile Teams bereit, um die betreffenden Personen vor Ort zu versorgen. „Auch hier haben wir gemeinsam sehr schnell eine effektive Infrastruktur aufgebaut, mit der wir sofort loslegen können, wenn der Impfstoff im Main-Kinzig-Kreis zur Verfügung steht“, berichten Landrat Thorsten Stolz und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler.

Parallel wird das Gesundheitsamt in den kommenden Tagen seine Kräfte aus anderen Bereichen des Gesundheitsamtes noch stärker auf die Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäuser konzentrieren, um hier schnell und umfassend Infektionsketten zu ermitteln und eingreifen zu können. „Damit wir alle gemeinsam Menschenleben retten, bedeutet dies aber auch, dass wir dringend einen Rückgang der Infektionen in der Gesamtbevölkerung brauchen. Das geht nur, wenn wir alle begreifen, dass wir unmittelbar Verantwortung tragen – für uns, aber auch für die Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind“, erneuern Stolz, Simmler und Kaminsky ihren Appell. „Wir müssen gerade in Krankenhäusern, in Pflegeheimen oder anderen stationären Einrichtungen mit all unserem Tun sehr schnell sein, damit wir dazu beitragen können im wahrsten Sinne des Wortes schlimmeres noch zu verhindern“, so Kreis- und Stadtspitze gemeinsam.

Wir erleben leider noch viel zu häufig, dass die Infektionen zu einem großen Teil auf Nachlässigkeiten und sorgloses Verhalten zurückzuführen sind“, schildert Gesundheitsdezernentin Simmler aus der Praxis des Gesundheitsamtes. „Lock down heißt Lock down und nicht das Suchen nach Schlupflöchern, die noch erlaubt sind. Nicht gegen die Menschen, sondern für Menschenleben“, so Stolz, Simmler und Kaminsky abschließend. Hygiene- und Abstandsregeln sowie die strikte Reduzierung der Kontakte seien noch weit in das nächste Jahr erforderlich, um die Zahl weiterer schwerer Infektionen zu verringern.