Wiedervereinigung und Zusammenarbeit als großartige Geschenke an die Menschen

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Landrat Onno Eckert (Gotha, rechts) überreichte Landrat Thorsten Stolz ein Bild, das am 3. Oktober 1990 aufgenommen wurde, als die beiden Kreistage in Gotha die Partnerschaftsvereinbarung mit dem Landkreis Main-Kinzig unterzeichnet haben. Der Bilderrahmen hat Platz für ein weiteres Foto, das während des Jubiläumstreffens gemacht wurde.

9. Oktober 2020. - Bewegende und eindringliche Erinnerungen wurden wach: Vor 30 Jahren – am Tag der Deutschen Einheit – wurde die Partnerschaftsvereinbarung zwischen dem thüringischen Landkreis Gotha und dem hessischen Main-Kinzig-Kreis unterzeichnet. Dieses besondere und vor allem historisch bedeutsame Jubiläum zwischen Ost und West wurde nun mit den Kreisspitzen beider Landkreise sowie Vertretern der Kreistagsfraktionen in kleiner Runde gefeiert, dazu reiste eine Delegation aus dem Landkreis Gotha in den Main-Kinzig-Kreis. „Die Wiedervereinigung ist ein großartiges Geschenk für unsere beiden Landkreise und die Menschen, die dort leben. Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind unverzichtbare Bestandteile unserer Gesellschaft und müssen immer wieder verteidigt werden. Dazu sind wir alleine schon den Menschen verpflichtet, die im Herbst 1989 im Rahmen einer friedlichen Revolution auf die Straße gegangen und genau dafür eingetreten sind“, sagte Landrat Thorsten Stolz angesichts zahlreicher Ereignisse in jüngster Zeit, die vor Augen führen, wie verletzlich Demokratie und Freiheit sind.

Der thüringische Landrat Onno Eckert bedankte sich beim Main-Kinzig-Kreis, der den Landkreis Gotha 1990 beim Aufbau demokratischer Strukturen unterstützt hat. „Es war eine eindrucksvolle Zeit und wir sind dankbar, dass unsere Familien nicht mehr durch eine Grenze getrennt sind und niemand mehr beim Versuch, eine Grenze zu überwinden, getötet oder verschleppt wird“, sagte er. Am 3. Oktober 1990 hatten die Kreistage beider Landkreise in Gotha mit nur einem einzigen Tagesordnungspunkt getagt: Der Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung mit dem Main-Kinzig-Kreis. Eine Bild dieser Sitzung überreichte Onno Eckert an Thorsten Stolz. Der Bilderrahmen hat Platz für eine weitere Aufnahme, die während des Jubiläumstreffens gemacht wurde.

Als Festredner und Zeitzeuge der ersten Stunde erinnerte Altlandrat Karl Eyerkaufer in lebhaften Schilderungen an die Zeit vor und nach der innerdeutschen Grenzöffnung. So habe der Main-Kinzig-Kreis sich bereits 1987 an den Landkreis Gotha gewandt, um eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ anzustreben, die Ständige Vertretung der DDR habe diesen Wunsch jedoch nicht unterstützt, auch der Staatsrat der DDR erteilte eine Absage. Mit der Grenzöffnung stand einer angestrebten Partnerschaft dann jedoch nichts mehr im Wege. „Die Menschen in der DDR haben 1989 eines der schönsten Kapitel der deutschen Geschichte geschrieben“, sagte Altlandrat Karl Eyerkaufer. Trotz aller Freude sei die Wiedervereinigung jedoch nicht in allen Bereichen problemlos verlaufen, und es sei beim Projekt Aufbau Ost manches zu schnell vorangetrieben worden.

Auch die beiden Kreistagsvorsitzenden Carsten Ullrich (Main-Kinzig) und Michael Brychcy (Gotha) erinnerten an die Anfänge der Partnerschaft, die gleichzeitig die Anfangsjahre des wiedervereinten Deutschlands waren. Carsten Ullrich sprach von einer „großen Tragweite dieses geschichtlichen Moments“ und wie sehr diese friedliche Revolution ihn – damals noch ein Jugendlicher – fasziniert habe. Michael Brychcy sagte über den Mauerfall: „Diesen Tag vergisst du nicht, es herrschte eine ganz besondere Aufbruchsstimmung.“ Er mahnte, angesichts der längst eingekehrten Normalität in den neuen Bundesländern nicht zu vergessen, wie groß die Freude gewesen sei, dass nach und nach die marode Infrastruktur beseitigt wurde und endlich ein Gefühl der Freiheit aufgekommen sei: „Die Menschen haben langsam damit begonnen, ihre Meinung offen zu sagen, ohne Angst haben zu müssen. Das war zu DDR-Zeiten so nicht möglich“, sagte Brychcy.

Während der Veranstaltung wurde ein Teil der aktuell im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen zu sehenden Ausstellung „Umbruch Ost – Lebenswelten im Wandel“ gezeigt. Die Ausstellung arbeitet die SED-Diktatur auf und zeigt zeitgenössische Fotos renommierter Fotografen und Fotografinnen. Die Ausstellung wirft Schlaglichter auf den Alltag der deutschen Einheit, insbesondere in Ostdeutschland. Mit klassischer Musik untermalt wurde die Jubiläumsveranstaltung von Annette Wildenhues (Geige) und Katrin Saravia (Klavier) von der Musikschule Main-Kinzig.