Hohes Infektionsgeschehen: Gesundheitsdezernentin appelliert an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen

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21.08.2020. - Die tägliche Zahl der gemeldeten Coronavirus-Neuinfektionen hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. In dieser Woche erreichte sie einmal sogar den höchsten Wert seit April. Auch die Zahl der „aktiven“ Fälle liegt mit nun 150 so hoch wie seit über zwei Monaten nicht mehr. Alleine am Freitag hat das Gesundheitsamt 19 neue Infektionen gemeldet. „Unser Kreisgesundheitsamt beobachtet die Situation mit großer Sorge“, erklärte Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler. „Mit der zweiten Sommerferienhälfte haben sich die Infektionsmeldungen von Reiserückkehrern massiv erhöht. Größtenteils kamen diese aus Risikogebieten zurück, aber nicht nur aus diesen Ländern. Nach der Urlaubssaison sehen wir nun weitere Infektionsketten innerhalb unserer Region, von denen wiederum viele auf infizierte Reiserückkehrer zurückgehen. Das macht bei uns einen Großteil der Fälle der vergangenen Tage aus.“

Seit Freitagnachmittag ist auch ein erster Fall aus einer Schule im neuen Unterrichtsjahr bekannt. Für einen Klassenverband der Kaufmännischen Schulen in Hanau wird häusliche Isolierung durch das Gesundheitsamt angeordnet. Die Ermittlungen mit Kontaktpersonen-Nachverfolgung sind angelaufen und gehen am Wochenende weiter.

Die Weiterverbreitung in der Region sei mit aller Anstrengung zu unterbrechen, so die Erste Kreisbeigeordnete. „Ich appelliere an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen“, sagte Simmler: Wer sich nach einem begründeten Verdacht auf das Virus testen lasse, ob nach einem Urlaub, wegen Erkältungssymptomen oder nach einem Kontakt zu einem Infizierten, der müsse so weit wie möglich Distanz zu anderen halten, mindestens mal bis das Testergebnis vorliegt. Grundsätzlich gelte für alle die dringende Empfehlung, die bekannten Abstands- und Hygieneregeln weiter umzusetzen. „Das müssen wir alle beherzigen, bei privaten Feiern ebenso konsequent wie bei deutlich größeren Menschenansammlungen.“

Einen einzelnen Schwerpunkt des Infektionsgeschehens gibt es im Main-Kinzig-Kreis nicht. Allerdings traten in den vergangenen Tagen gehäuft Fälle im Westen des Kreises auf. Die 19 Fälle vom Freitag wurden aus Hanau (14), Maintal (3), Bruchköbel und Nidderau gemeldet. Auch bei der Zahl der „aktiven“ Fälle weisen mit Hanau (74), Maintal (21), Bruchköbel, Erlensee (je 9) und Nidderau (6) Städte aus dem Westkreis die meisten aktuell Infizierten auf. „Bei rund 90 Prozent der Fälle lässt sich der Ansteckungsweg derzeit recht genau herleiten. Was uns aber umtreibt ist das hohe Infektionsgeschehen insgesamt, die beschleunigte Weiterverbreitung, auch über den engsten Familienkreis der Betroffenen hinaus“, erläuterte Simmler.

Das Gesundheitsamt konzentriere die Kräfte auf die Kontaktpersonen-Nachverfolgung, sieben Tage die Woche. Diese „Grundlagenaufgabe der Pandemie-Bewältigung“ sei komplexer und anstrengender geworden in dieser Zeit, in der öffentliche Veranstaltungen, private Treffen und der Vereinsbetrieb in größerem Maße und für mehr Menschen auf kleinem Raum wieder möglich seien, so die Erste Kreisbeigeordnete.

Der Verwaltungsstab des Main-Kinzig-Kreises wird am Montag über weitere gezielte Maßnahmen über die bereits bestehenden hinaus beraten. Im Main-Kinzig-Kreis gilt seit Anfang Juli eine Allgemeinverfügung, die bei der Abklärung von Reiserückkehrern aus Risikogebieten strikter verfährt, sofern diese oder Mitglieder ihres Hausstands in Schulen, Kitas, Krankenhäusern oder Pflegeheimen betreut werden oder beschäftigt sind. Das zentrale Ziel des Kreises bleibt weiterhin, insbesondere Risikogruppen und diese sensiblen Einrichtungen zu schützen. Daher behalte man die häufigsten im Kreis ermittelten Infektionsketten ebenso im Blick wie zentrale Orte und Plätze der Weiterverbreitung, erklärte Simmler.

Insgesamt haben sich im Gebiet des Main-Kinzig-Kreises seit März 1.048 Bürgerinnen und Bürger nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Davon gelten 848 als wieder genesen (+4), 50 Personen sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Stationär behandelt werden aktuell drei Patienten aus dem Main-Kinzig-Kreis.