Neues Leitbild für Mobilität im Main-Kinzig-Kreis entsteht

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KVG-Geschäftsführer Rüdiger Krenkel und Verkehrsdezernent Winfried Ottmann berieten unter anderem mit Schönecks Bürgermeisterin Conny Rück, Holger Ullrich (Kreisverwaltung), Ronneburgs Bürgermeister Andreas Hofmann und Flörsbachtals Bürgermeister Frank Soer erste Ideen für ein Leitbild Mobilität für den Main-Kinzig-Kreis (von rechts).

17.07.2020. - Wie gelingt es, den öffentlichen Verkehr zu stärken und den Mobilitätsansprüchen der Menschen im Main-Kinzig-Kreis gerecht zu werden? Diese Fragen stellt sich der Kreis mit seinem neuen Mobilitätsleitbild, das in den nächsten Wochen erstellt wird. Ziele sind, vorhandene starke Strukturen weiter zu kräftigen, neue Bedarfe zu bedienen und Schwächen zu reduzieren.

„Wir wollen den Öffentlichen Personennahverkehr weiterentwickeln, verlässlich, umweltbewusst und als echte Alternative zum Auto. Das geht aber nur, wenn wir uns auf gemeinsame Ziele einigen“, erklärte Verkehrsdezernent Winfried Ottmann bei einer Auftaktveranstaltung für die Entwicklung eines Leitbildes für die Mobilität im Main-Kinzig-Kreis. Dieses Leitbild soll den Rahmen für den nachfolgenden Nahverkehrsplan bilden und konkrete Planungsziele enthalten. Entwickelt werden dabei eine zweckmäßige räumliche Gliederung und die Grundsätze für die Ausgestaltung des Netzes, des Taktes sowie der Begleitmaßnahmen.

Unter „Weiterentwicklung“ sei sowohl der Umfang als auch die Qualität zu verstehen, wie die KreisVerkehrsGesellschaft in einer Pressemitteilung erklärt. Ein Lenkungskreis, dem neben dem Kreisbeigeordneten Ottmann, Mitgliedern der Verwaltung und der KreisVerkehrsGesellschaft (KVG) auch Bürgermeister angehören, hat zum Auftakt erste Ziele und Kerngedanken des Leitbilds formuliert. Mit dem Einbezug zum Beispiel des Fahrrads, aber auch mit Überlegungen zu innovativen Angebotsformen sollen die Potenziale für eine größere Bedeutung des ÖPNV ausgelotet werden. Diese Ziele beruhen auf einer neuen, den heutigen Mobilitätsansprüchen angepassten Philosophie:

Bündelung: Das Angebot soll gezielt dort gebündelt werden, wo die Nachfrage am größten ist.

Konfektion: Angesprochen werden sollen möglichst viele Fahrgäste und nicht mit einem „Maßanzug“ nur spezifische Nutzerkreise.

Transportkette: Die verschiedenen Angebote von Bahn und Bus und gegebenenfalls weiteren Verkehrsträgern (z.B. Fahrrad einschließlich Abstellmöglichkeiten) sollen möglichst eng miteinander verknüpft werden, etwa in Form von Mobilitätsstationen.

Einfachheit: Das Ziel soll ein „einfaches“ Produkt sein, das auch leicht verständlich kommuniziert werden kann; das Mobilitätsangebot soll transparent und allen Nutzern leicht zugänglich sein.

„Besondere Anforderungen stellen die unterschiedliche Struktur und Dichte des Kreises“, sagte KVG-Geschäftsführer Rüdiger Krenkel. Raumplanerisch sei im Kreis zu unterscheiden zwischen Verdichtungsraum, Ordnungsraum und ländlichem Raum. Beim Mobilitätsleitbild müsse, darauf aufbauend, gezielt ermittelt werden: In welchen Gebieten sind auch mehr und häufigere Angebote vorzusehen? Auf welchen Achsen im ganzen Kreis sollen und können grundsätzlich Taktverkehre eingerichtet werden? In welcher Weise kann in den ländlichen Gebieten im Sinne einer zufriedenstellenden Grundversorgung ein zweckmäßiges Angebot bereitgestellt werden?

Verkehrsdezernent Winfried Ottmann verdeutlicht den Hintergrund des Leitbilds: „Wir haben mit der bald anstehenden Neuauflage des Nahverkehrsplans die Chance, nicht nur innerhalb der KVG und in den Kreisgremien, sondern auch in den Städten und Gemeinden über Schwerpunkte und Zukunftshorizonte im Bereich der Mobilität zu sprechen. Wie sind wir in Zukunft verkehrlich vernetzt, wie gewinnen wir mehr Pendlerinnen und Pendler ganz konkret für den ÖPNV, was braucht es also für die nächsten Schritte in der Verkehrswende? Diese Fragen wollen wir klären.“ Den ÖPNV im ganzen Kreis qualitativ und quantitativ weiterzuentwickeln, auch bezogen auf die Schnittstellen wie Abstellmöglichkeiten fürs Fahrrad, verlange nach klaren Oberzielen und eine Prioritätensetzung − sozialpolitisch im Sinne der Daseinsvorsorge, umweltpolitisch in Abstützung auf die Klimaziele und verkehrspolitisch, um eine effiziente Alternative zum Individualverkehr in urbanen Gebieten darzustellen. Der Abgleich der Ziele müsse zudem im Einklang mit den finanziellen Möglichkeiten erfolgen.

Die Kerngedanken werden nun im nächsten Schritt in einem erweiterten Kreis konkretisiert. Zu dieser Runde im August werden weitere kommunale Vertreter der unterschiedlichen Raumtypen sowie weiterer Institutionen vertreten sein. Derweil läuft eine Abfrage unter allen Städten und Gemeinden, um deren Einschätzungen und Anliegen aus erster Hand zu erhalten. „Auch das ist klarer Konsens aus der Auftaktrunde: Der Einbezug der Kommunen und die Transparenz beim Erstellen des Leitbilds sind die Voraussetzungen, um die Weichen für eine zukunftsorientierte, erfolgreiche Mobilität im Main-Kinzig-Kreis zu stellen“, fasste es Verkehrsdezernent Winfried Ottmann zusammen.