Kreiskonzept erfolgreich: Neue Hausarztpraxis in Gelnhausen

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19.06.2020. - Die hausärztliche Versorgung in den beiden Gelnhäuser Stadtteilen Hailer und Meerholz wird ab Oktober deutlich verbessert, denn dann öffnet die neue Gemeinschaftspraxis von Julia Fuchs und Lena Janzen in den Räumen des Pflegeheims in Schloss Meerholz. „Dies ist uns in einer Gemeinschaftsleistung aller Akteure gelungen“, erklärt Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler und dankt allen Beteiligten ausdrücklich für ihr engagiertes Mitwirken. Zu diesem Kreis gehören neben Julia Fock, Koordinatorin für hausärztliche Versorgung im Main-Kinzig-Kreis, auch Bürgermeister Daniel Glöckner (Gelnhausen), die beiden Ortsvorsteher Daniel Dietrich (Hailer) und Klaus Brune (Meerholz) sowie niedergelassene Ärzte und die Kassenärztliche Vereinigung Hessen, aber auch die Innere Mission, die das Pflegeheim betreibt und Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

„Für viele Ärztinnen und Ärzte ist das wirtschaftliche Risiko, das mit der Übernahme oder der Gründung einer Hausarztpraxis verbunden ist, einfach zu groß. Deshalb hat der Kreistag des Main-Kinzig-Kreises Ende 2017 ein Förderprogramm beschlossen, das Ärztinnen und Ärzten finanzielle Unterstützung gewährt, etwa bei der Einrichtung der Praxis oder der Anschaffung medizinischer Geräte. Es handelt sich um einen einmaligen Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss und der den Weg in die Selbstständigkeit erleichtert“, erklärt Susanne Simmler. Der Kreis geht bei dem Ziel, freie Arztsitze möglichst schnell wieder zu besetzen, weiter als viele andere Landkreise und setzt auf nachhaltiges Handeln. Das heißt, er leistet nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern ermöglicht über die Koordinierungsstelle Julia Fock eine genaue Analyse der Situation vor Ort, um zusammen mit dem örtlichen Netzwerk passgenaue Lösungen zu finden. Julia Fock vermittelt Ansprechpartner und zeigt Lösungsansätze auf – im Dialog mit Medizinern, Kommunen und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. „Unser Konzept für die hausärztliche Versorgung funktioniert. Von vier offenen Arztstellen im Mittelbereich rund um Gelnhausen können nun zwei besetzt werden“, bilanziert Susanne Simmler und erläutert den Hintergrund für das Konzept, das auf den drei Säulen Vernetzung, Beratung und Förderung basiert: „Indem wir die ärztliche Versorgung sicherstellen, kommen wir einer wichtigen Aufgabe nach, nämlich der Daseinsvorsorge. Gerade in diesen Zeiten ist es wichtiger denn je, dass soziale, medizinische und pflegerische Infrastruktur vorhanden ist. Das ist unser Auftrag, dafür muss Staat sorgen. Ein wesentlicher Baustein ist die ärztliche Versorgung, das gilt auch für eher ländlich geprägte Regionen“, betont Susanne Simmler. So freue sie sich auch, dass bereits in 14 von 29 Kommunen Förderungen gewährt werden konnten, um die medizinische Versorgung vor Ort zu verbessern.

„Die Stadt Gelnhausen hatte sich bemüht, die Situation in Hailer und Meerholz zu verbessern, doch ohne Erfolg. Das zeigt, wie wichtig ein umfassendes, gemeinschaftliches Handeln aller Beteiligten ist, um zum Erfolg zu kommen“, resümiert Susanne Simmler und ergänzt: „Die gemeinschaftliche Anstrengung aller Beteiligten hat sich gelohnt und es ist gelungen, zwei engagierte Ärztinnen aus der Region zu gewinnen, die nicht nur Ansprechpartnerinnen für die Menschen in Hailer und Meerholz sind, sondern auch für die umliegenden Orte. Die beiden Ärztinnen bringen viele Ideen mit und werden deutlich dazu beitragen, die angespannte Lage im hausärztlichen Bereich zu verbessern. Hier gab es zuletzt immer wieder größere Engpässe, da die einzige noch bestehende Hausarztpraxis in Hailer und Meerholz die große Menge an Patientinnen und Patienten gar nicht mehr bewältigen konnte.“ Den Mietvertrag mit der Inneren Mission, die das Pflegeheim im Schloss Meerholz betreibt, haben Julia Fuchs (Gelnhausen) und Lena Janzen (Freigericht) bereits unterzeichnet. Die Praxis wird am 1. Oktober in den Räumen des Pflegeheims im Schloss Meerholz eröffnet. Das bedeutet eine deutliche Entlastung für eine bestehende Hausarztpraxis. Die beiden Frauen stammen aus der Region und wollen mit ihrer Gemeinschaftspraxis nach einigen Umbauarbeiten in das benachbarte „Steinerne Haus“ umziehen, das noch umgebaut werden muss. Wenn dies abgeschlossen ist, wird das Steinerne Haus zum Arzthaus, in unmittelbarer Nachbarschaft von Pflegeheim und Apotheke.

Als Koordinatorin übernimmt Julia Fock aber auch die Aufgabe, in Zusammenarbeit mit einem vielfältig besetzten Lenkungsgremium einen Überblick über die Gesamtsituation im Main-Kinzig-Kreis zu erstellen. In diesem Gremium ist neben Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler und Julia Fock auch das Gesundheitsamt, die Main-Kinzig-Kliniken, das Klinikum Hanau, die Kassenärztliche Vereinigung Hessen, das hessische Gesundheitsministerium, die Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin, der Hausärzteverband, die Leitstelle für ältere Bürgerinnen und Bürger, Bürgermeister und die Gefahrenabwehr des Main-Kinzig-Kreises vertreten. „Um zielgenau agieren zu können, müssen wir die Situation vor Ort analysieren, um entscheiden zu können, an welcher Stellschraube gedreht werden muss. Geht es etwa darum, dass geeignete Räumlichkeiten gefunden werden müssen? Oder darum, dass es zwar interessierte Mediziner gibt, die aber lieber in einem Angestelltenverhältnis statt selbständig arbeiten möchten? Hier gibt es viele Möglichkeiten“, erläutert Julia Fock. Im Dialog werden wichtige Fragen geklärt. „Ziel ist es, die Rahmenbedingungen vor Ort so zu gestalten, dass sich insbesondere auch junge Medizinerinnen und Mediziner wieder häufiger dazu entschließen, in einer Hausarztpraxis zu arbeiten“, führt Susanne Simmler aus. Das sei heutzutage schwieriger als früher, da viele jüngere Menschen nicht mehr bereit seien, ihr Privatleben dem Beruf hintenanzustellen, gerade was die Wochenarbeitszeit angeht.