Zwei Monate Corona-Pandemie: Eine Zwischenbilanz

pm-img
Vorbereitungen für die Visite am Klinikum in Schlüchtern

13. Mai. - Vor rund zwei Monaten ist das Coronavirus auch im Main-Kinzig-Kreis angekommen. Seitdem wurden insgesamt knapp 680 Infektionen offiziell bestätigt, 41 Personen sind unter Einfluss der neuen Lungenkrankheit gestorben. Doch die Lage ist derzeit „nicht nur unter Kontrolle, sondern wir sehen eine leichte Tendenz zur Entspannung“, sagt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. Als verantwortliche Gesundheitsdezernentin für den gesamten Main-Kinzig-Kreis ist sie täglich mit den aktuellen Entwicklungen betraut und erörtert mit Landrat Thorsten Stolz, dem Kreisbeigeordneten Winfried Ottmann und den Führungskräften im eigens gebildeten Verwaltungsstab die notwendigen Schritte.

„Wir erkennen, dass die Infektionszahlen aufgrund der Regeln und Beschränkungen der vergangenen Wochen in der gesamten Bevölkerung gesunken sind. Aber die Situationen bei einem Eintrag des Virus in geschlossene Systeme des Kranken- und Pflegewesens bleiben schwierig. Da müssen wir weiterhin besonders hinschauen und sehr schnell reagieren“, schildert Simmler die Lage. Die Zahl der täglich bestätigten Fälle ist nach einem letzten Höhepunkt zwischen dem 16. und 22. April spürbar gesunken. Statt der mehrfach über 20 neuen Fälle pro Tag liegt die Größenordnung der vergangenen Woche bei täglich durchschnittlich sechs ermittelten Ansteckungen. Auch geht parallel die Zahl der genesenen Personen erwartungsgemäß nach oben.

„Diese Beobachtungen sind allerdings allenfalls eine Zwischenbilanz und ermöglichen keine verlässlichen Prognosen für die nahe Zukunft“, so die Botschaft von Gesundheitsdezernentin Simmler. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Welle der Infektionen auch sehr schnell wieder anwachsen könne. Insbesondere die Ausbrüche in Altenpflegeeinrichtungen, Krankenhäusern oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen seien jeweils folgenschwere Ereignisse. „Alle Beteiligten sind sich einig, dass wir mit den Schutzmaßnahmen gerade für die Risikogruppen keinesfalls nachlassen dürfen“, macht Simmler erneut deutlich. In den vergangenen sechs Wochen waren bereits mehr als zehn Altenpflegeinrichtungen im Main-Kinzig-Kreis betroffen.

Aus diesem Umfeld war zuletzt auch der größte Teil der positiven Fälle gekommen. Zufällige Übertragungen im Alltag blieben auch aufgrund der geltenden Beschränkungen bisher die seltene Ausnahme. Das belegt auch die Tatsache, dass während der vergangenen zehn Tage aus 12 Städten und Gemeinden des Main-Kinzig-Kreises gar keine Neuinfektionen gemeldet wurden. Erfreulich ist auch der Trend bei den stationären Aufnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Nach dem Höchststand von 62 Personen am 19. April sind es derzeit noch 24 Patienten, die in einer Klinik betreut werden. „Wir beobachten eben aber auch, dass die Menschen, die in die Krankenhäuser kommen schwerer erkrankt sind und länger eine intensive Behandlung benötigen“, berichtet Simmler. Mit der gleichzeitigen „neuen“ Normalität in den Krankenhäusern und die notwendige Aufnahme einer regulären Versorgung vieler bisher nicht durchgeführter Behandlungen müsse genau beobachtet werden, wie sich die nun beschlossenen Lockerungen auf die Infektionen in der Region auswirkten.

Mitte März kam die Corona-Welle auch in den Main-Kinzig-Kreis

Insgesamt haben mehr als 430 Personen im Main-Kinzig-Kreis die Infektion mit dem Coronavirus inzwischen überstanden. Die erste positive Meldung kam am 3. März aus Hanau, acht Tage später sind dann auf einen Schlag neun laborbestätigte Coronavirus-Fälle dazugekommen. Es handelte sich dabei um Frauen und Männer im überwiegend mittleren Lebensalter, die sich in einem Skigebiet beziehungsweise bei einem Rückkehrer aus dem Skiurlaub angesteckt hatten. Das Gesundheitsamt hatte sämtliche bestätigte Fälle umgehend häuslich isoliert, ebenso die Personen, mit denen sie in den Tagen zuvor näheren Kontakt hatten.

Zwischen dem 12. März und dem 10. Mai ist dann im Main-Kinzig-Kreis kein Tag ohne Neuinfektionen vergangen. „Alle Verantwortlichen aber vor allem auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsamt und im Verwaltungsstab haben in dieser Zeit alle Kräfte darauf ausgerichtet, diese Aufgabe bestmöglich zu meistern“, berichtet die Kreisspitze. Insbesondere der Monat April mit wöchentlich über 100 Neuinfektionen sei eine enorme Herausforderung gewesen.

„Die strikte Absonderungsstrategie sowie die konsequente Ermittlung der Kontaktpersonen hat dazu geführt, dass wir hier in der Region derzeit das Bild haben, was uns von einer Entspannung sprechen lässt. Doch die Entwicklung werden wir beobachten müssen und dann individuell reagieren“, erklärt Simmler weiter. Die zuletzt diskutierte Sieben-Tage-Quote von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner sei nur ein Richtwert, weil die Strategie des Gesundheitsamtes wesentlich kleinräumiger und präziser ausgerichtet ist. Ebenfalls könne das Gesundheitsamt jederzeit nach dem Infektionsschutzgesetz individuell notwendige Anordnungen treffen, um eine Verbreitung einzudämmen.

Auch wenn jetzt ein auffälliger Rückgang der Ansteckungen zu verzeichnen sei, bleibe die Anspannung weiterhin hoch. „Angesichts all der beschlossenen Lockerungen und auch der Schulöffnungen müssen wir auf eine neue Welle vorbereitet sein“, erklärt die Gesundheitsdezernentin. Im Sinne einer erfolgreichen Prävention sollten die Hygieneregeln und das Abstandsgebot unbedingt eingehalten werden. Hier setzt der Main-Kinzig-Kreis vorrangig auf Information und Aufklärung, um die Bürgerinnen und Bürger auch künftig „auf dem gemeinsamen Weg mit zu nehmen“. Zudem werde weiterhin bei Krankheitssymptomen entsprechend der offiziellen Vorgaben in vollem Umfang getestet.