Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung: Kreise vernetzen sich

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Schuldezernent Winfried Ottmann (Mitte) im Gespräch mit Friedhelm Duch, Fachbereichsleiter beim Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (links) und Mario Börngen, Fachdienstleitung für Ganztagsschulen beim Kreis Gerau.

17.02.2020. - Bis zum Jahr 2025 soll bundesweit ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder geschaffen werden. Das stellt die davon betroffenen Schulträger vor große Herausforderungen. Die Städte und Landkreise in Hessen haben deshalb Ende 2019 vereinbart, gemeinsame Eckpunkte für die Realisierung dieses Rechtsanspruchs zu erarbeiten. Weil die Voraussetzungen zur Umsetzung zwischen Städten und Landkreisen sehr unterschiedlich sind, wollen sich Vertreter von Städten und Kreisen unabhängig voneinander austauschen. Im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen fand nun ein erstes Treffen für die hessischen Landkreise statt – organisiert vom Main-Kinzig-Kreis und vom Kreis Groß-Gerau. „Im Main-Kinzig-Kreis gibt es eine enorme Bandbreite, zum einen bei der Größe unserer Kommunen und zum anderen bei der Größe der Schulen“, sagte Kreisbeigeordneter und Schuldezernent Winfried Ottmann in seiner Begrüßung. Ziel sei es, sich über die bereits bestehenden, ganz unterschiedlichen Betreuungsmodelle, sowie deren Vor- und Nachteile auszutauschen und auf einen gemeinsamen Wissensstand zu kommen und voneinander zu lernen. Insgesamt sechs Landkreise stellten sich und ihre Modelle vor.

Friedhelm Duch, der sich beim Main-Kinzig-Kreis um die Schulentwicklungsplanung kümmert und beim Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (ZKJF) Fachbereichsleiter für die Schulkindbetreuung ist, erläuterte die Situation im Main-Kinzig-Kreis. Dieser beteiligt sich seit 2018 am hessischen „Pakt für den Nachmittag“. Durch dieses Programm soll der Ausbau des Ganztagsprogramms weiter beschleunigt und intensiviert werden, denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiges Thema, auch im Main-Kinzig-Kreis. Immer mehr Schulen machen mit, 2021 sollen acht weitere zu den bereits sechs hinzukommen. Insgesamt gibt es im Main-Kinzig-Kreis 100 Schulstandorte.

„Schon jetzt gibt es an fast allen unseren Grundschulstandorten ein Betreuungsangebot“, erläuterte Friedhelm Duch für den Main-Kinzig-Kreis, der mit rund 420.000 Einwohnerinnen und Einwohnern der bevölkerungsreichste Landkreis in Hessen ist. Das Interesse an Betreuungsangeboten überhaupt und auch am Pakt für den Nachmittag sei groß. Das ZKJF schaue, ob es vor Ort bereits funktionierende Betreuungsorganisationen gibt und unterstütze diese. Das könne zum Beispiel die Arbeit eines Betreuungsvereins sein. Fast alle hessischen Landkreise hätten bereits Rahmenvereinbaren mit dem Land Hessen abgeschlossen, um Schulen die Teilnahme am Pakt für den Nachmittag ermöglichen zu können.

Fest steht: Wichtige Themen sind für alle Landkreise Fragen zur Finanzierung und zur Ausstattung mit qualifiziertem Kräften, die mitunter schwer zu bekommen seien. Es wurde aber auch deutlich, dass die einzelnen Landkreise vor unterschiedlichen Aufgaben und Herausforderungen schon allein aufgrund ihrer Struktur stehen: Städtisch geprägte Kreise wie der dicht besiedelte Landkreis Offenbach müssten bei einer zusätzlichen Nachmittagsbetreuung nicht das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs überdenken, dessen Fahrpläne eine häufigere Taktung aufweisen als es etwa in den weniger dicht besiedelten Teilen des Main-Kinzig-Kreises der Fall sei.

Bis 2025 haben die Landkreise Zeit, flächendeckend die Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder zu regeln. Für Investitionen in den Ganztagsausbau stellt der Bund zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Der Main-Kinzig-Kreis unterstützt die Arbeit des ZKJF und schafft auf Antrag der Schulen die räumliche Möglichkeit, Mittagessen für die Kinder anzubieten. „In den nächsten fünf Jahren investiert der Main-Kinzig-Kreis 158 Millionen Euro in Schulbauprojekte“, unterstrich Schuldezernent Winfried Ottmann. 17,9 Millionen Euro stehen noch einmal für den Digitalpakt Schule von Bund und Ländern zur Verfügung.