Sprache und Vernetzung als Schlüssel zur Integration

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Unser Bild zeigt von (von links): Bildungsdezernent Winfried Ottmann, Günter Rau, (Staatliches Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis), Miriam Fuchs (Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern), Reinhold Maisch, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftskunde, Ludger Stallmann, Stabsstelle Jugendhilfeplanung im Kreisjugendamt, Christina Hohmann (Staatliches Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis), Suse Hentschel, Stabsstelle Qualitätsentwicklung im Kreisjugendamt sowie Horst Günther, Geschäftsführer der Bildungspartner Main-Kinzig.

14.02.2020. - Ohne ausreichende Sprachkenntnisse lässt sich der Alltag schlecht bewältigen – das gilt erst recht im Berufsleben. Wie kann es gelingen, dass insbesondere jungen Menschen, deren Herkunftssprache nicht Deutsch ist, ein guter Übergang von der Schule in den Beruf gelingt? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt eines Treffens, zu dem das Staatliche Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis und der Main-Kinzig-Kreis ins Bildungshaus in Gelnhausen eingeladen hatten. Das Interesse an der Veranstaltung zum Thema „Erfahrungsaustausch Integration“ war groß: Rund 70 Gäste waren gekommen und tauschten sich nach den Fachvorträgen aus, darunter Vertreter aus Politik und Wirtschaft, aber auch Schulen und aus dem Ehrenamt. Bildungs- und Wirtschaftsdezernent Winfried Ottmann machte deutlich, dass der Main-Kinzig-Kreis im Bereich Integration und Qualifikation große Anstrengungen unternimmt. Auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der wachsenden Zahl an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen im Main-Kinzig-Kreis, die in den vergangenen Jahren um 20.000 gewachsen sind. „Gut ausgebildete Arbeitskräfte werden dringend gesucht, auch wenn sie noch nicht perfekt Deutsch sprechen“, sagte Winfried Ottmann.

Nach dem Erfahrungsaustausch waren sich die Beteiligten einig, dass die Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern und ihre Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt beste Chancen auf Erfolg haben kann, wenn die Sprache zeitnah und berufsbezogen vermittelt wird und eine Eignung für den jeweiligen Beruf vorliegt. Dabei kommt dem Erlernen der deutschen Sprache eine zentrale Bedeutung zu. Aber was, wenn dann die nötigen Fachkenntnisse fehlen, Hilfe im Bewerbungsprozess benötigt wird oder es am Arbeitsplatz wegen kultureller Unterschiede zu Problemen kommt? Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Antwort nur eine ganzheitliche Betrachtung von Integration sein kann. Dabei sind die schulischen Angebote ein wichtiger Baustein. Unter Leitung der Schulamtsdirektoren Christina Hohmann und Günther Rau sowie den Mitarbeitern Carola Emig und Christopher Hustedt fand ein vielfältiger Erfahrungsaustausch zwischen Lehrkräften, Schulleitungen, Ehrenamtlichen sowie Vertretern aus Politik und Wirtschaft statt. Seitens des Main-Kinzig-Kreises beleuchtete Ludger Stallmann, Leiter der Stabstelle Jugendhilfeplanung, sowie Suse Hentschel von der Qualitätsentwicklung des Jugendamtes, die Situation, die sich seit 2015 durch den großen Zuzug von Flüchtlingen und insbesondere von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Kreis ergeben hatte. Zentraler Erfolgsfaktor sei die hohe Bereitschaft aller Akteure in Schule, Berufsorientierung und nicht zuletzt der freien Träger der Jugendhilfe gewesen, sich gemeinsam den Herausforderungen zu stellen. Dazu gehörten verlässliche Kooperationen und Schnittstellen mit der Schule, dem Kommunalen Center für Arbeit (KCA), der Agentur für Arbeit sowie mit anderen Bildungsträgern im Bereich der Berufsorientierung sowie den freien Trägern der Jugendhilfe. Das Fachkonzept des Main-Kinzig-Kreises biete eine hohe Flexibilität und eine gute Grundlage, um junge Zugewanderte gezielt und bedarfsgerecht im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe zu fördern. Dabei werden auch Themen und Anforderungen der schulischen und beruflichen Integration gezielt aufgegriffen und bearbeitet, um die jungen Menschen bestmöglich in Schule und Arbeitsmarkt zu integrieren.

In den einzelnen Vorträgen und den späteren Gesprächen wurde das Thema Integration in die Berufswelt aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Während Miriam Fuchs, die Abteilungsleiterin für Berufliche Bildung der IHK Hanau-Gelnhausen, die Sichtweise der Industrie präsentierte, nahm Axel Hilfenhaus, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hanau, die Perspektive des Handwerks in den Blick. Ergänzt wurden deren Beiträge durch den Vortrag von Reinhold Maisch, den Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaft (GfW), der Projekte zur Integration in den Arbeitsmarkt vorstellte. Brigitte Kümbel von der Stadt Offenbach stellte YouBot plus, einen digitalen Bewerbungsassistenten für Ausbildungsbewerber vor.

Darüber hinaus erhielten die Besucher Gelegenheit, mit den Referenten sowie weiteren Bildungspartnern ins Gespräch zu kommen. Ein Marktplatz der Möglichkeiten bot an verschiedenen Ständen zum einen Einblick in die Arbeit der Schulen im Kreis, aber auch in das Engagement der Arbeitsagentur und der weiteren Akteure, wie der Caritas, der Jugendhilfe und der Diakonie Hanau. Des Weiteren stellte der Main-Kinzig-Kreis das Projekt Lernfeld Landwirtschaft vor.

In zwei weiteren Präsentationen wurde das Thema weiter aufgefächert: Hamed Jalali, ehemaliger Stipendiat, stellte das Stipendienprogramm START vor. Roland Brzezina, Referent von FaberiS - Fachstelle für berufsintegriertes Sprachlernen, verdeutlichte die herausragende Bedeutung von berufsintegrierter Sprachförderung. Abschließend dankte das Staatliche Schulamt den teilnehmenden Lehrkräften und Schulleitungen für ihren hervorragenden Einsatz im Rahmen der Integration. Die Grundsteine seien oftmals bereits vorhanden, auf denen aufgebaut werden könne und durch diesen Erfahrungsaustausch werde eine weitere Vernetzung ermöglicht. Bildungsdezernent Winfried Ottmann warb dafür, sich bei Fragen oder Anregungen an den Kreis zu wenden. „Wir wollen schon früh damit beginnen, junge Menschen für das Lernen und insbesondere die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer zu begeistern“, sagte Winfried Ottmann. Die Bildungspartner Main-Kinzig seien gute Ansprechpartner für unterschiedlichste Weiterbildungsangebote.