Erste Kreisbeigeordnete setzt beim Thema Wolf auf Information

pm-img
Einzelne Wölfe sind bereits in der Region angekommen.

05.02.2020. - Rund um das Thema Wolf setzt die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler auf eine differenzierte und vor allem sachliche Behandlung dieser zum Teil sehr emotional diskutierten Problematik. „Wir wollen hier frühzeitig in den direkten Dialog treten und nicht die unbegründeten Ängste schüren“, erklärt die Dezernentin für Landwirtschaft und Umwelt, die aus diesem Grund zu einer Expertenrunde in das Landratsamt eingeladen hatte.

Nach offizieller Darstellung der Landesregierung ist „der Wolf in Hessen willkommen“. Diese Ansicht vertritt daher auch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Einzelne Tiere sind bereits in der Region angekommen, im Main-Kinzig-Kreis wurden im vergangenen Jahr zwei Totfunde in Jossgrund und an der A66 bei Bad Soden-Salmünster einwandfrei bestätigt.

„Die Fakten rund um den Wolf sind gut erforscht und nachvollziehbar dokumentiert“, machte die Umweltdezernentin deutlich. Während der fast dreistündigen Veranstaltung konnten somit viele Vorurteile oder auch bewusst gestreute Falschmeldungen aufgeklärt werden. Dieser Blick auf das wesentliche sei die Voraussetzung, um am Ende tragfähige Vereinbarungen zu treffen. Die Erste Kreisbeigeordnete wertete es als ein positives Signal, dass diese angebotene Plattform zum Gedankenaustausch so gut angenommen wurde.

Rund 70 geladene Gäste – überwiegend Jäger, Schafhalter und Landwirte – waren in das Main-Kinzig-Forum gekommen und erhielten zunächst einen Einblick in das Leben der Wölfe. Der Biologe und Naturfilmer Sebastian Körner zeigte eindrucksvolle Aufnahmen aus der Lausitz in Brandenburg, wo es inzwischen mehr als 30 Rudel gibt. Von hier aus haben sich die Wildtiere inzwischen über das nördliche Niedersachsen bis nach Bremen ausgebreitet.

Die intensiven Forschungen und Beobachtungen in der Region machen deutlich, dass es für den Menschen keinen Anlass zur Sorge gibt. Begegnungen sind eine große Seltenheit und sind meistens nur von sehr kurzer Dauer. „Auch das Miteinander von Wölfen und Rotwild oder Wildschweinen gestaltet sich in der Lausitz sehr unspektakulär“, wie Sebastian Körner zeigen kann.

Die Wissenschaftler machen allerdings auch deutlich, dass der Wolf bei Gelegenheit immer auch Nutztiere reißen wird. Der Anteil bleibt aber deutlich unter zwei Prozent. Insbesondere Schafe sind eine attraktive Beute, wenn die Herde unzureichend geschützt ist. Wie die Erfahrungen gezeigt haben, sei jedoch ein Elektrozaun eine wirksame Sicherung, berichtete Klaus Ulrich Battefeld vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Nach offizieller Darstellung sind im Ernstfall finanzielle Entschädigungen möglich. Ob und in welcher Höhe ein Ausgleich stattfindet, werde im Einzelfall geprüft. Betroffene können sich in solchen Fällen an das jeweilige Regierungspräsidium wenden.

Das Hessische Wolfsmanagement lässt nach seiner Darstellung keinen Zweifel daran, dass die Sicherheit von Menschen in jedem Fall Vorrang hat vor dem Artenschutz. Auch soll das wirtschaftliche Überleben der landschaftspflegenden Nutztierhaltung durch eine mögliche Etablierung von Wölfen in Hessen nicht gefährdet werden. Im Hinblick auf die aktuell zu erwartende Bestandsdichte an Wölfen wird es nach Einschätzung der Experten zunächst bei Einzelentscheidungen bleiben.

Im vergangenen Jahr wurden acht einzelne Exemplare in Hessen einwandfrei nachgewiesen. Für Carsten Nowak von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich der erste Familienverband gründet und Nachwuchs auch in Hessen zur Welt kommt. Geeignete Lebensräume wie der Spessart seien dafür vorhanden.

Wie die Biologen übereinstimmend bestätigten, sind wildlebende Wölfe vorsichtig und gehen normalerweise dem Menschen aus dem Weg. Sollte sich ein Wolf ungewöhnlich verhalten und nicht vertreiben lassen oder Verletzungen aufweisen, so ist umgehend die Polizei zu informieren. Hundebesitzer sollten auch wegen der deutlich größeren Wahrscheinlichkeit, im Wald auf Wildschweine zu treffen, ihre Vierbeiner an der Leine führen.