Kreis unterstützt Heimatforscher in Meerholz bei Recherche

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Auf Spurensuche zum Dreißigjährigen Krieg (von links): Kurt Hanselmann, Landrat Thorsten Stolz, Hans Kreutzer, Christine Raedler (Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte), Christiana Engels, Anna Sanz-Salellas und Erich Frickel.

31.01.2020. - Die leicht bekleidete Dame ist bereits mehrere hundert Jahre alt, dennoch hat ihr Haar nichts von seiner Spannkraft verloren. Es kringelt und wallt ihr um das runde Gesicht. Mit wachem Blick schaut sie aus der Vitrine heraus die Gäste des Heimatmuseums in Meerholz an. Dort hat die figürliche Darstellung der Jagdgöttin Diana seit einigen Wochen Quartier bezogen und geizt nicht mit ihren Reizen, nachdem sie 30 Jahre lang ein Dasein abseits der Öffentlichkeit fristete. Zu den interessierten Besuchern der Ausstellung rund um den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) gehören an diesem Tag Landrat Thorsten Stolz und Christine Raedler, Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte des Main-Kinzig-Kreises. „Heimatforschung in diesem Umfang wäre ohne unsere Hobbyarchäologen gar nicht möglich“, sagte Landrat Stolz. Auch Christine Raedler würdigte die Leistung der ehrenamtlichen Forscher, die immer wieder wichtige Erkenntnisse zur Siedlungs- und Kulturgeschichte beitragen: „Indem sie dort graben, wo sie stehen, erschließen sie für uns lokale Quellen. Das hilft uns, Geschichte vor unserer Haustür besser zu begreifen.“

Das Heimatmuseum in den Räumen des alten Rathauses und des Backhauses in Meerholz zeigt in seiner aktuellen Ausstellung noch bis zum Sommer reich verzierte Scherben eines Kachelofens, der 1610 in Frankfurt von Johannes Vest gefertigt wurde. Die zerbrochenen Reste fand Willi Haunold vor 30 Jahren bei Kellererweiterungen in der Röthergasse in Gelnhausen. Irgendwann sprach er mit dem Heimatforscher und Hobbyarchäologen Hans Kreutzer über seine Fundstücke. Dieser stellte schnell fest, dass es sich bei den mit Tieren und Ornamenten verzierten Keramikscherben um alte Kachelstücke handelt, die aus einer Epoche stammen, die von Krieg und Aberglauben geprägt war. Die Ausstellung auf mehreren Schautafeln dokumentiert die verheerenden Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf die Region Gelnhausen. Dafür hat Hans Kreutzer 15.000 Dokumente aus dem Fürstlich-Ysenburgischen Privatarchiv in Büdingen gesichtet. Fest steht, dass die Menschen in der Region in verhältnismäßigem Wohlstand lebten. Alte Listen, die von dem Heimatforscher aufbereitet wurden, zeigen, dass Bauern zu dieser Zeit zwischen einem und vier Pferden im Stall stehen hatten. „Das ist durchaus ein Zeichen für Wohlstand“, erklärte Hans Kreutzer dem Landrat. Als 1634 nach der Schlacht in Nördlingen das Kaiserliche Heer 1635 in unsere Region kam, begann die Zerstörung von Dörfern und Städten. So waren im Gericht Altenhaßlau von 220 Familien nur noch 14 übrig. Ähnlich sah es in Gelnhausen und allen anderen Dörfern aus. Der Dreißigjährige Krieg habe zwar als Religionskrieg angefangen, sehr bald hätten aber alle ausländischen Mächte mitgemischt, die ein Interesse an Deutschland gehabt hätten. Es sei unabhängig von den Konfessionen geplündert worden, Häuser wurden zerstört, Menschen getötet. Die Bevölkerung habe sehr unter den Belagerern gelitten. Ablesbar sei das auch an den großen Mengen von Lebensmittelforderungen und Lieferungen für das Heer. Nach Kriegsende habe sich der Wiederaufbau annähernd 50 Jahre lang hingezogen, sagte Hans Kreutzer.

Thorsten Stolz und Christine Raedler informierten sich bei den Mitgliedern des Geschichtsvereins um deren Vorsitzenden Kurt Hanselmann auch über aktuelle Projekte. Dazu gehört die spannende Recherche zu einem erst im vergangenen Sommer ausgegrabenen Bildstock-Bruchstück aus dem beginnenden 16. Jahrhundert. Dieses ist, das steht schon jetzt fest, eine Rarität. „Außer in der Marienkirche in Gelnhausen existieren in der Region keine Bildwerke aus dieser Zeit“, erläuterte Hans Kreutzer den Gästen. Zurückzuführen ist dies auf Wolfgang Ernst Graf von Ysenburg-Büdingen (1560-1633). Denn als dieser sich 1601 dem Calvinismus zuwandte, folgte er dem konfessionsbedingtem Bildersturm und befahl die Zerstörung solcher Bildwerke – ein großer Verlust für die Nachwelt. Der Bildstock mit der Jahreszahl 1507 ist laut Hans Kreutzer bei dieser Aktion zerschlagen und im Bereich des alten Friedhofs in Meerholz vergraben worden. Nun soll eine Bodenradarmessung im März klären, wo der Sockel und der obere Teil abgeblieben sind. Die Köpfe von Maria und Johannes dem Täufer fehlen, ebenso die Darstellung von Jesus am Kreuz, von ihm sind lediglich die Füße zu sehen und ein Totenkopf. Weitere Details soll ein 3-D-Scan liefern. „Das ist eine spannende Spurensuche und wir hoffen auf weitere Erkenntnisse“, stellte Landrat Stolz fest und sagte den Heimatforschern die Unterstützung des Main-Kinzig-Kreises zu. Der Verein ist zur Finanzierung der Untersuchungen auf Spenden angewiesen.