Kreis fördert Beweidungsprojekt mit tierischen Landschaftspflegern

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Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler überreicht Dr. Ralf Sauerbrei die Förderung des Main-Kinzig-Kreises für das Beweidungsprojekt der HGON Arbeitskreis Main-Kinzig.

05.12.2019. - Rinder und Pferde als Landschaftspfleger, die für Artenvielfalt und ein ökologisches Gleichgewicht sorgen: So kann man das seit 2016 laufende Beweidungsprojekt der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Arbeitskreis Main-Kinzig, beschreiben. Ziel ist es, die Flächen im Bereich des Naturschutzgebietes „Hässeler Weiher von Neuenhaßlau“ und Umgebung nachhaltig und auf natürliche Weise zu pflegen - noch dazu kostengünstig. Das gelingt auf eine Weise, wie es in prähistorischer Zeit in Mitteleuropa der Fall war, als noch große Herden von Pflanzenfressern durch Europa und Asien zogen. Später wurde ein Großteil der früheren Tierwelt wie Auerochse, Wisent und Wildpferd vom Menschen ausgerottet. Die Artenvielfalt war in dieser Zeit auf gleicher Fläche wesentlich höher, als es heute in der „geordneten“ Landschaft der Fall ist, in der genau festgelegt ist, wo Wald und wo Feld und Wiese sein dürfen.

Der Main-Kinzig-Kreis unterstützt den HGON Arbeitskreis Main-Kinzig seit vielen Jahren. Mit der finanziellen Hilfe des Kreises wird unter anderem auch das Beweidungsprojekt unterstützt. Die Erste Kreisbeigeordnete und Umweltdezernentin Susanne Simmler informierte sich bei dem stellvertretenden Vorsitzenden der HGON, dem Biologen Dr. Ralf Sauerbrei, über die Fortschritte des Projekts, das von der UN-Dekade Biologische Vielfalt in diesem Jahr ausgezeichnet worden ist. Um ähnliche ökologische Beweidungsergebnisse wie in prähistorischer Zeit zu erhalten, werden bei Neuenhaßlau Pflanzenfresser wie Heck-Rinder und Konik-Pferde gehalten. Dabei handelt es sich um robuste Rassen, die das ganze Jahr über auf den eingezäunten Weideflächen bleiben können. Die aktuell acht Rinder und drei Pferde werden tierärztlich betreut und tragen dazu bei, dass sich zum Beispiel Gehölze auf diesen Flächen nicht so stark ausbreiten können.

Nur im Schutz von Dornengestrüpp und an für die Pflanzenfresser unzugänglichen Stellen können neue Baumtriebe wachsen. Das führte in der Frühzeit dazu, dass sich der Wald im Schutz von Hecken entwickeln konnte, bis die größer werdenden Bäume den Hecken das Licht nahmen und diese verdrängten. Nach dem Absterben alter Bäume drang dann wieder mehr Sonnenlicht auf den Boden. Dadurch wuchsen dort wieder Gräser. Diese natürliche Dynamik der sich wechselnden Biotope über einen längeren Zeitraum soll auf den HGON-Flächen zunächst in Teilbereichen nachempfunden werden. Ein wichtiger Effekt dieser traditionsreichen Nutzungsart: nichtheimische Pflanzenarten (Neophyten), die irgendwann eingeschleppt wurden und sich stark verbreitet haben, werden wieder zurückgedrängt, wie das Indische Springkraut. „Der Bestand an seltenen Orchideenarten hat sich mittlerweile auf diesen Flächen verdreifacht“, stellte der Biologe erfreut fest.

Auf den zirka 20 Hektar großen Weideflächen muss die Anzahl der Tiere pro Flächeneinheit relativ gering gehalten werden. Denn das auf der Weide zur Verfügung stehende Futter soll bis tief in den Winter reichen. „Selbstverständlich wird den Tieren bei einsetzender Futterknappheit zusätzlich Heu von den dortigen Mähwiesen angeboten“, erklärte Dr. Ralf Sauerbrei. Die Fläche ist jedoch auf Dauer zu klein, um die dort vorkommenden seltenen Biotope und Arten weiter voranbringen zu können. Auch die durch den Klimawandel immer häufiger auftretenden Extremwetterjahre können bei dieser Flächengröße nicht ausreichend abgefedert werden. Gerne würde die HGON weitere Flächen hinzunehmen, erläuterte der Biologe der Umweltdezernentin. Hier sei die HGON unter anderem im Gespräch mit der Gemeinde Hasselroth. „Der Main-Kinzig-Kreis begrüßt die Anstrengungen, die die HGON mit ihrem Beweidungsprojekt für die biologische Artenvielfalt unternimmt. Der Hässler Weiher ist ein wichtiges Biotop, das bestandsgefährdeten Tierarten und seltenen Pflanzen Lebensraum bietet. Der Wunsch der HGON nach Vergrößerung der Weidefläche ist insoweit verständlich, kann jedoch nur in Abstimmung mit der Gemeinde Hasselroth und den vor Ort tätigen Nutzern erfolgen“, sagte Susanne Simmler.

Wer die Arbeit des HGON unterstützen möchte, hat die Möglichkeit, zu spenden. Ab einer Summe von 15 Euro erhalten Spenderinnen und Spender im Rathaus von Hasselroth als Dankeschön einen vom Arbeitskreis Main-Kinzig zusammengestellten Kalender für 2020 mit Impressionen aus dem Beweidungsprojekt. Wer nicht ins Rathaus kommen kann, hat die Möglichkeit, sich per E-Mail an den Arbeitskreis zu wenden info@hgon-mkk.de.